Pokerwelt trauert um Chip Reese

Chip Reese
Chip Reese: 1951-2007

David „Chip" Reese starb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 56 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Am nächsten Morgen fand ihn sein Sohn bei ihm zu Hause - Reese war im Schlaf verstorben.

David Reese wurde 1951 in Ohio geboren. Seine beispiellose Poker-Karriere begann in den 70er Jahren. Auf dem Weg zur Stanford Universität, um dort ein Diplom in Rechtswissenschaften zu erwerben, machte Reese Halt in Las Vegas. Sein sich sofort einstellender Erfolg am Pokertisch verleitete ihn dazu, sein Studium nicht anzutreten und stattdessen professionell Poker zu spielen. Reese selbst sagte einmal: „Recht hat nicht denselben finanziellen Reiz wie Poker".

Er spielte in den höchsten Cashgames der Welt gegen die absolute Elite. Seine Ergebnisse waren erstaunlich. Allerdings rückte er trotz seines Erfolges zunächst nicht in den Fokus der Poker-Welt.

Durch das Pokern lernte Reese auch Doyle Brunson kennen. Die beiden wurden Freunde und Geschäftspartner. Sie investierten in einige abenteuerliche Projekte, wie etwa Expeditionen auf den Meeresgrund, die sich auf die Suche nach der Titanic oder der Arche Noah begaben. Keines dieser Projekte brachte den Beiden jemals einen Cent ein. In Brunsons Poker-Bibel „Super System" verfasste Reese die Stud-Sektion.

Glücklicherweise waren ihre Poker-Skills gut genug um finanziell in Schuss zu bleiben. Für gewöhnlich konzentrierte sich Reese aufs Cashgame. Nichtsdestotrotz gewann er 1978 das 1.000 Dollar Stud Event der World Series of Poker und somit auch sein erstes Bracelet. Die 19.200 $ Preisgeld waren zwar nur ein Bruchteil dessen, was Reese am Cashgame-Tisch riskierte, der Turniersieg stellte jedoch den ersten Schritt ins Rampenlicht dar.

Nachdem Reese 1982 mit dem 5.000 $ Stud Event sein zweites Bracelet gewinnen konnte und viele weitere Siege und Cashes folgten, wurde er 1991 als jüngster Spieler aller Zeiten in die Poker Hall of Fame aufgenommen (mittlerweile hat Phil Hellmuth diesen Rekord gebrochen).

Zu dieser Zeit spielte er bereits wieder weniger Turniere. 2004 konnten ihn seine Kinder jedoch überreden zurück auf die Turnier-Bühne zu kehren. Sie wollten sehen, wie sich ihr Vater im TV mit seinen ebenfalls hoch angesehenen Freunden duellierte.

Im Jahr 2006 sicherte sich Chip Reese dann endgültig seinen Platz in der Pokergeschichte. Er gewann das 50.000 Dollar H.O.R.S.E. Event der WSOP, welches von den meisten Pros, im Gegensatz zum Main Event, als eigentliche Poker-Weltmeisterschaft bezeichnet wird. Reese gewann den wohl härtesten Final Table in der Geschichte der World Series. Neben Größen wie Phil Ivey, T. J. Cloutier, David Singer, Doyle Brunson, Dewey Tomko und Patrik Antonius stand ihm auch Andy Bloch gegenüber. Mit ihm lieferte er sich ein 8-stündiges Marathon Heads-up, in dem er vom Chipstand her bereits 1 zu 5 hinten lag. Am Ende gewann Reese sein drittes und letztes Bracelet und über 1,7 Millionen $ Preisgeld.

Für viele war er mehr als nur ein großartiger Pokerspieler, auch seine Persönlichkeit wurde sehr geschätzt.

„Ich kannte ihn seit 35 Jahren. Ich habe ihn nie ausrasten oder seine Stimme erheben sehen," sagte Brunson. „Er hatte den ausgeglichensten Charakter aller Menschen, die ich je getroffen habe. Er ist mit Sicherheit der beste Pokerspieler, der jemals gelebt hat."

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