Poker-Weekend in HH-Schenefeld (4)

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20 August 2010, Von: The Brain
Geposted in: Blog
Poker-Weekend in HH-Schenefeld (4)
Die Versuchung ist in einer Spielbank naturgemäß allgegenwärtig.
Als Hommage an meinen magersüchtigen Freund T. spiele ich jeden Tag einmal „Zero-zwo-zwo" á €2 beim Roulette. Ich gewinne nichts, die Kugel kommt nicht einmal in die Nähe des grünen Feldes. Muss wohl am Spieler liegen, bei meinem Kumpel klappt diese Einsatzvariante meistens.

Da fühle ich mich beim Black Jack schon eher heimisch. Mit Mindesteinsätzen von €5 spiele ich die Sicherheitsvariante. Ab 12 kaufe ich keine Karte mehr, hoffe, dass die Bank bustet.

hellmuth-black
Phil Hellmuth und ein kleiner visueller Scherz zum Thema Blackjack.

Eine schlechte Startkarte der Bank nutze ich konsequent zum splitten (Never split 10's!) und doppeln, wenn möglich. Versicherung gegen BJ der Bank nur bei eigenem BJ. Diese Variante habe ich schon mehrfach erfolgreich getestet und führt auch hier im hohen Norden zum Erfolg. €55 Gewinn am Freitag, €30 am Samstag und sogar €110 am Sonntag.

Um zu rauchen, suche ich in einer Pause den Automatenbereich auf. Alle Sitzplätze vor den Slotmachines sind besetzt, nur vor dem elektronischen Roulette-Kessel sind noch Plätze frei. Aus Langeweile stecke ich einen €5-Schein in den Schlitz, bekomme dafür auf dem Display 10 Stücke á 50 Cent gut geschrieben.

douzaine
Das letzte Dutzend.

Ich setzte je 5 auf das 1. und 3. Dutzend. Bei Gewinn erhalte ich den anderthalbfachen Gesamteinsatz zurück. Zero oder 13 bis 24 führen zum Totalverlust. Die erste Kugel fällt: drei. Gewonnen. Jetzt habe ich 15 Stücke. Ich spiele Paroli, setze ständig den gesamten Guthabenbetrag auf das 1. und 3. Dutzend. Es läuft perfekt. Nur kleine oder hohe Zahlen kommen. Irgendwann habe ich 360 Stücke. Jetzt reicht's, ich drücke auf „Auszahlen".

Nichts passiert. Ich frage meinen Nachbarn, wie ich an mein Geld komme. „Sind es unter 400 Stücke?", fragt der zurück. „Dann müssen Sie sich an der Kasse zuerst für €3 eine Pfandkarte holen und darauf Ihr Guthaben speichern lassen." Gesagt getan. Mit der Karte gehe ich wieder zur Kasse und erhalte stolze €183. Zusammen mit dem BJ- und dem Pokergewinn bin ich nach Abzug wirklich aller Kosten etwa €30 vorn.

Ein schönes und preisgünstiges Wochenende!

toilet-slot-machine
Toilette im Automatenbereich? - Oder umgekehrt?

Die beiden Toilettentrakte im Automatenbereich und im klassischen Stil sind edel, stets supersauber und großzügig dimensioniert. Das Speiseangebot beschränkt sich auf Snacks, die aber schmackhaft und günstig sind. Ein Sandwich etwa kostet €1,60, zwei Wiener Würstchen €2.

Auch die Getränkepreise sind okay. 0,2 Liter Cola für €2,30, 0,25 Wasser für 2,20 und ein 0,33er Bier für 2,50. Service-Wartezeiten bei Turnierbeginn sind normal und nicht vermeidbar. Sonst ist der Service gut, schnell und freundlich. Als ich mit Herrn Krämer im Casino sprach, bestellte er 2 Kaffee bei einem Kellner, der ethnologisch offensichtlich nicht deutscher Herkunft war. „Kurdischer Türke" erhielt ich auf meine Frage vom Direktor zur Antwort. Als der Kaffee serviert wird, bedanke ich mich mit „Sspass!". Einem Türken hätte ich „Sao" und einem Japaner „Domo" gesagt. Eines meiner vielen Hobbys ist es, in mittlerweile fast 60 Sprachen das Wort „Danke" sagen zu können. Darunter exotische (Mandarin), Kunst- (Esperanto), fiktive (klingonisch) Sprachen oder solche von Völkern ohne eigenem Staatsgebiet (kurdisch, aramäisch).

dealer
Eigenes Deck aus Sicherheitsgründen.

Am ersten Tag wunderte ich mich darüber, dass jeder Dealer ein eigenes Kartendeck mit an den Tisch brachte. Darauf angesprochen, erklärte mir der junge Mann, das geschehe aus Sicherheitsgründen. Um Betrugsversuchen vorzubeugen und bei jedem Dealerwechsel das Deck auf Vollständigkeit zu prüfen (By the way: Lebt der Omaha-Spieler am Texas-Holdem-Tisch noch oder liegt er auf dem Grund des Hamburger Hafenbeckens?).

Eine weitere Besonderheit ist der Umstand, dass hier nicht die Regel gilt: „Show one, show all!" Hat man "fold" verbal annonciert, darf man Spielern, die nicht mehr in der Hand sind, nach Herzenslust zeigen, was man hat.

Katja-Thater
Wo auch Katja Thater Poker lernte.

Übrigens wird mir von Stammgästen erzählt, dass die bekannte Pokerspielerin Katja Thater hier das Pokern erlernte. Anfangs habe nur ihr Mann gespielt und sie draußen im Auto gewartet. Bis es ihr dort wohl zu langweilig wurde...

Aus derselben Quelle erfahre ich, dass die Angestellten zwar 10 Prozent vom Preisgeld als Tip erwarten, diese aber nicht aggressiv einfordern. Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Das wäre ja auch der Gipfel, nach den happigen Entry-Fees mehr als 3 bis 5 Prozent in den Tronk zu tun. Nehmen wir das Rebuy-Turnier als Beispiel: €45+5 BuyIn Sind schon mal mehr als 11 Prozent fee. Durchschnittlich 2 Rebuys und 1 Add On sind weitere €15, die nicht in den Preispool fließen. Dazu kommt noch der eine Euro, der für die Jahresturnierrangliste einbehalten wird, von der ich persönlich nicht profitiere. Summa sumarum sind wir somit bei €21 pro Gast. Bei 50 Startern sind das bereits mehr als €1.000,00 Abzug vom Preispool. Also lassen wir mal die Kirche im Dorf. Trotz der relativierenden Erklärungen des Chefs ist das eindeutig zu happig!

Vom Pokerbereich in die mit Premiere-Großbildschirm ausgestatte Lounge, den Automatenbereich oder bei geöffneter Tür nach draußen sind es nur wenige Schritte. Bestwertung angesichts des hierzulande geltenden Rauchverbotes.

Telefonische Reservierungen: Null Problemo. Einchecken: ratzfatz.

Die Kleiderordnung ist ein Mittelding zwischen streng und leger. Das Casino „legt Wert auf gepflegte Kleidung."

Sakko und Krawatte sind, zumindest im Sommer, entbehrlich. Mit den Schuhen ist das so eine Sache. Definitiv weiß ich's nicht und habe auch nicht danach gefragt. Aber ich trug immer Lederschuhe, da mir keine Turnschuh- oder Sneakerträger aufgefallen sind - obgleich diese für Turniere an 11er und 10er-Tischen bequemer gewesen wären.

beitrag-14
The Brain - Man "legt Wert auf gepflegte Kleidung."

Ist ja gut, liebe Cashgamer! Vielen Dank für die Geduld. Da ich selbst ja kein Cashgame spiele, vernachlässige ich den Cashgame-Teil gerne. Im Poker-Prospekt des Casinos steht: Cashgame Mittwoch bis Sonntag. Texas Holdem No Limit / Omaha Pot Limit. Am Samstag lief auch ein Cashgame-Tisch. Fragt mich aber nicht, ob Holdem oder Omaha, 1/2 oder 2/5. Auch die Rake-Höhe ist mir unbekannt. Am Freitag kam trotz mehrfacher Lautsprecherdurchsagen kein Cashgame zustande!

Im selben Prospekt für den Monat August 2010 stehen ebenfalls von Mittwoch bis Sonntag folgende Turniere an: Satellite Monatsendturnier 50+5, Sat/SH-Meisterschaft 50+5 1R/1A, Bounty 75+5+20, Freeze Out 95+5, RUnl/Add On 45+5, 6k-Deepstack 145+5, Monatsendturnier 400+30. Die Fees sind für alle anderen Turniere äußerst fair.

poker-schenefeld
Gutes Pokerangebot, Abstriche bei den Gebühren.

Das Spielangebot für Turnierpoker verdient ++, das Angebot für Cashgame ist eigentlich auch im Plus-Bereich, erhält jedoch - - wegen des Nichtzustandekommen auch nur eines Tisches an einem Freitag! Die Gesamtnote befände sich daher gerade noch im Plus, wären da nicht die hohen Abzüge vom Preispool bei den R/A Turnieren.

Das geht gar nicht und beeinflusst die Endnote massiv.

Der Versuch eines Casino-Tests ist eine heikle Sache. Man ist zwar bemüht, das Ergebnis an objektiven Fakten fest zu machen - letztlich fließen jedoch viele subjektive Eindrücke mit ein. Beispielsweise bekommt das Management ein Plus mehr als es ohne das Gespräch mit dem studierten Praktiker Krämer der Fall gewesen wäre. Das Personal hingegen eines weniger, als ohne die Verwarnung. Hier fehlte meines Erachtens das Fingerspitzengefühl. Eine Belehrung des neuen Gastes oder eine Ermahnung hätten es auch getan. Ansonsten ist das Personal, ob Service oder Croupiers, freundlich und kompetent.

Casino-Schenefeld
Kompetent, aber mit fehlendem Fingerspitzengefühl - Casino Schenefeld.

Die Benotung reicht von

- - - = Geht deutlich besser! bis

+ + + = Kaum zu toppen!

Bislang hatten die Casinos Hohensyburg und Bad Oeynhausen das durchaus zweifelhafte Vergnügen meiner höchst persönlichen Beurteilung.

Ich habe mich hier in Schenefeld sehr wohl gefühlt und würde wiederkommen. Jedoch definitiv nicht zu einem R/A-Turnier. Und sollte irgendwann das von mir freiwillig gegebene Trinkgeld beanstandet werden, gäbe ich gar nichts und verschwände auf Nimmer-Wiedersehen.

Lage: + +

Spielangebot: - -

Essen: +

Getränkepreise, Service: + +

Reservierung: + + +

Sanitäre Anlagen: + + +

Rauchmöglichkeiten: + + +

Kleiderordnung: +

Trinkgeld: - -

Check-In: + +

Parken: +

Personal: + +

Image: +

Management: + +

The Brains Wochenende in Schenefeld:

Tag 1: Gast der Direktion und Siegertyp

Tag 2: Orientierungslosigkeit und Rebuys

Tag 3: Unheimliche Begegnung der vollbusigen Art.

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Besser Wisser 2011-11-08 22:06:34

Im Prinzip schön zu lesen.
Allerdings scheinst Du wirklich nicht zu wissen, dass es sich bei den 3-5 % Tronc nicht um ein Trinkgeld handelt, sonst würdest Du nicht so einen Unsinn schreiben.
Während eines Turniers arbeiten 6-9 Croupiers für uns Pokerspieler.
Plus Service-Kräfte, Aufsicht usw.
Die müssen und wollen alle bezahlt werden.
Es ist nicht so, dass der Tip oben auf ein Grundgehalt drauf kommt, sondern der Tronc ist die alleinige Vergütung der Dealer.
Wenn von 50 Spielern angenommen 5 ins Preisgeld kommen, zahlen nur die etwas.
Alle anderen wurden vom Personal umsonst über Stunden "bespaßt".
Wenn man dann als Gast so frech ist und 9 Angestellte für je 6 Stunden Arbeit mit "freiwillig gegebenen" 5 Euro zu bezahlen, ist das natürlich unverschämt.
Dann muss man auch nicht wirklich wieder kommen.
Würdest Du umsonst arbeiten wollen?
Tronc gibt man in einem Casino nicht "freiwillig", sondern selbstverständlich.
Will man guten Service, Sicherheit und Atmosphäre, muss diese auch bezahlt werden.
Das weiss auch jeder etwas erfahrene Turnierspieler und bedankt sich mit mindestens 5 % des Preisgeldes. 10% sind auch nicht ungewöhnlich.
Rechne mal aus, wie hoch die Personalkosten sind, und versuche mal auszurechnen, wie viel die Teilnehmer vom Preisgeld abgeben müssten, damit die Angestellten auch nur mit 10 EUR/Std.Brutto entlohnt werden können. Hier ist Geiz nicht geil und dein vergebenes Doppelminus beim "Trinkgeld" sind ein Doppelminus für deinen Bericht wert.

Wer allerdings einen Igel in der Tasche hat, sollte besser zu Hause in der Küche pokern.
Achja, Katja Thater spielt natürlich schon deutlich länger Poker, als es das Casino in Schenefeld gibt.
Sie hat in der Spielbank Hamburg gespielt.

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