Poker-Weekend in HH-Schenefeld (3)

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18 August 2010, Von: The Brain
Geposted in: Blog
Poker-Weekend in HH-Schenefeld (3)
Sonntag, 10:45 Uhr. Ich wache auf, fühle mich jedoch unausgeschlafen wie ein Zombie. Immerhin habe ich keine Desorientierung oder grüße mein zerknittertes Spiegelbild auf klingonisch mit „Kaplaa". Bin wohl durch das Glockengeläut' der benachbarten Kirche zu früh geweckt worden.

Mit sehr wenig Hoffnung auf Nahrung begebe ich mich zum Speisesaal. Hungrig wie ein Wolf, habe ich doch außer einer Banane seit dem gestrigen Frühstück nichts mehr gegessen.

Doch Fortuna lacht mich an, das Buffet ist noch aufgebaut. Vermutlich, weil Sonntag ist. Sogar Rühreier gibt es heute. Als ich fertig bin, muss es heißen: „Gab es heute."

moehrenbroetchen
"Lang anhaltende Sättigung".

Zu den scrambled eggs esse ich frische, saftige Brötchen. Leeecker! Irgendwann fallen mir rotgelbe Stückchen auf, die sich in den Brötchen befinden. Eine besondere Spezialität, die eine lang anhaltende Sättigung bewirke, wird mir auf Nachfrage von einer Angestellten stolz mitgeteilt: „Möhrenbrötchen!"

Heute steht um 17:30 Uhr das Deepstack auf dem Turnierplan. Ich dusche,

bringe mein Gepäck zum Auto und checke aus. Egal, wie lange ich heute im Rennen bleibe - anschließend fahre ich nach Hause. Dann ist die Piste wieder Rückreise-staufrei.

Schlapp schleppe ich mich durch den Tag, trinke Kaffee, Kaffee und noch mehr Kaffee. Und Wasser, Wasser und noch viel mehr Wasser. Meine Spezialmischung besteht aus Mineralwasser Medium, angereichert mit Vitaminen und Mineralien.

wasserflaschen
Spezialmischung mit Vitaminen - "5,5l Zaubertrank".

Seitdem ich als Chipleader eines €200er Deepstake in Tag 2 ging und wegen Dehydration nur einen „Trostpreis" gewann (das Problem wird in einem der kommenden Berichte thematisiert), widme ich dieser schleichenden Gefahr erhöhte Aufmerksamkeit. Allein beim Freitagturnier tankte ich 5,5 Liter Zaubertrank. Die Vorräte werden knapp, der Fußraum vor dem Beifahrersitz quillt fast über, soviel leere Flaschen haben sich angesammelt.

Pünktlich wie immer erfolgt die Lautsprecherdurchsage: „Wir bitten die Pokerspieler, Platz zu nehmen. Das Turnier beginnt." 55 Spieler folgen dieser Aufforderung, was einen Preispool von €8.400 bedeutet. Erneut werden sieben Plätze bezahlt, der Sieger erhält €2420.

Für €145+5 gibt es heute 6000 Chips bei 30 Minuten Leveldauer. Die souveränen Dealer nehmen hanseatisch distanziert bis unterkühlt ihre Arbeit auf. Mir gegenüber sitzt eine Endvierzigerin am Tisch, die Oberweite DD hat. Ich verkneife mir die Frage, wie teuer das Silikon gewesen ist. Es nervt mich gewaltig, dass sie ständig (und mit ständig meine ich etwa zwei mal pro Minute) an ihrer Oberbekleidung herumzupft, um imaginäre Kleidungsmängel zu beseitigen. Ausgerechnet diese Lady fügt mir bereits im 1. Level eine Schlappe zu, die mich auf 1700 Chips zurück wirft.

jennifer-tilly
Vollbusige Calling Station...

Ich halte Q, Q, raise Preflop auf 350. Die vollbusige Calling-Station (wie sich leider erst später heraus stellt) bezahlt. Flop 2, 4, 6. Ich will keine Overcard auf dem Board sehen und spiele 1125 (um mit meiner Terminologie zu sprechen: rainbow-bet) an. Langes Überlegen, 3-mal zupfen, call. Turn 10. 2000. 4-mal zupfen, call. River A. Check. Check.

Beim Showdown zeigt die Zupferin mit 3, 5 den gefloppten Straight. Heilige Maria Gottes - wie sollte ich „Miss Dolly B." nach diesem Preflop-Call solch eine Range geben?!

dolly-buster
...oder herzallerliebste Dolly B?

Schnell schütteln und den Blick nach vorn richten. Ich spiele jetzt für solch niedrige Level ultra-aggro, werde schon als Tischterrorist angesehen. Was soll's, besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Bereits Ende des 3. Levels bin ich nicht nur auf Startstake-Niveau, sondern bei Average. Meine Herzallerliebste wird tablebalancemäßig umgesetzt, das Zupfen hat ein Ende. Heilige Maria.

Jetzt schalte ich zwei Gänge zurück, bekomme den Tunnelblick, mache keine Notizen mehr und schlage mich, so gut es geht. Aber es ist nicht mein Tag. Ich fühle mich schlapp und unkonzentriert. Hätte ich doch wenigstens ein klares Feindbild, um die letzten Kraftreserven mobilisieren zu können. Aber meine Freundin Calling Dolly Station ist längst ausgeschieden.

karten-pistole
Tischterrorist - "Blick nach vorn richten".

Noch vor Mitternacht bin auch ich raus. Als Achtzehnter. Verlorener Coinflip mit A, Q gegen 10, 10. Zum Auto, bequemere Sachen angezogen, auf die Bahn, gegen 02:30 Uhr Ankunft daheim. Erschöpft, fast groggy. Aber das Kribbeln in den Fingern ist weg.

Und finanziell war es eine Nullnummer. Durch Gewinne bei anderen Spielarten lag ich all over all sogar mit 30 Euronen vorn. Dazu in der nächsten Folge mehr. Ob ich mir jetzt von dem Riesengewinn tatsächlich einen Rolls oder Ferrari kaufe? Von Matchbox vielleicht.

Well done, €500-Ferrari. Nice job!

Drohung: Es folgt ein weiterer Artikel zum Thema Schenefeld.

Inhalt sind die Besonderheiten des Casinos sowie mein Testbericht.

So verlief der Freitag: Gast der Direktion und Siegertyp.

Der Samstag: Orientierungslosigkeit und Rebuys.

Strategien für Roulette und Blackjack, das Casino im Brain-Test.

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