„Gib Passwort sonst ich block dir“

pokertsars
Täuschend echt? - Nicht wirklich.

Eine Betrügerbande aus Russland, versucht, an geheime Daten von PokerStars-Spielern zu kommen. Zum Glück ist die Methode zwar dreist, aber leicht zu durchschauen.

Zuerst war da das charakteristische Quieken, das man immer hört, wenn sich jemand über Skype meldet. „Michael“ hörte das Geräusch, als er gerade an mehreren Tischen bei PokerStars aktiv war. Die Meldung kam von „PokerStars Online Support“, und der Absender hatte scheinbar alarmierende Nachrichten.

Es kam zu folgendem Dialog:


putin its problem

[11:25:01 AM] PokerStars: Hi, it's pokerstars online support
[11:25:15 AM] PokerStars: we have qustions for your account, can you answer now ?
[11:25:28 AM] Michael: very quickly lots of tables
[11:25:29 AM] Michael: lol
[11:25:46 AM] PokerStars: tell me please, do you join at your account today NOT at home ?
[11:26:08 AM] PokerStars: someone from Germany join today at your account
[11:26:15 AM] Michael: ummmmm no
[11:26:17 AM] Michael: im home
[11:26:18 AM] PokerStars: we thinks thats your account can be cracked
[11:26:28 AM] PokerStars: it's problem
[11:26:51 AM] PokerStars: we shoud check your account manual, but u'r play now, and we don't block you
[11:27:19 AM] PokerStars: write your password and email, after you game we will check you account and send results and new password
[11:27:27 AM] Michael: lol no thanks
[11:27:45 AM] PokerStars: ok, it mean that we right now block
[11:28:01 AM] PokerStars: you agree ?
[11:28:28 AM] Michael: im not handing out my password via chat
[11:28:52 AM] PokerStars: so it means that you agree
[11:29:00 AM] PokerStars: i'm sorry but i will block you right now
[11:29:02 AM] Michael: if ur pokerstars u should have my details already
[11:29:25 AM] PokerStars: it's manual checking, i must ask your password

Wie man sieht, durchschaute „Michael“ den Betrugsversuch sofort, und es entstand kein weiterer Schaden. Wer passable Englischkenntnisse besitzt, merkt schnell, dass hier jemand mehr schlecht als recht radebrecht. Böse Zungen könnten sogar behaupten, dass man schon beim Lesen automatisch beginnt, einen russischen Akzent mitzudenken.

Der Absender erwies sich nach Michaels näherer Kontrolle des Accounts übrigens als „whyivano“ aus … Russland.

Die Methode erinnert ein wenig an die klassische Email eines Anwalts aus Nigeria, der einem bekümmert mitteilt, dass gerade ein ebenso reicher wie unbekannter und äußerst fern verwandter, bekannter oder verschwägerter Schwippschwager von uns verstorben sei – seines Zeichens Prinz von Ogubambu und sozial äußerst engagiert - und nun ein gewaltiges, verwaistes Millionenvermögen sehnsüchtig auf einen neuen Besitzer wartet – nämlich uns! Wir müssten nur noch gerade eben ein paar Bankdaten übermitteln, und schon leben wir für immer im Überfluss.


passwort hacker russland

Hier allerdings wird nicht mit Belohnungen, sondern mit Drohungen gearbeitet. Dass jemand in der Lage sein könnte, unseren PokerStars-Account zu hacken (nicht zu „cracken“, Ivan!), ist in der Tat eine erschreckende Vorstellung.

Unangenehm auch die Erwartung, jederzeit vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden zu können. Die miserablen Englischkenntnisse des Absender („it’s problem“, „u’r play now“) verraten jedoch, dass es sich hier nicht um einen Mitarbeiter von PS handeln kann. Auf sprachliche Kenntnisse legt man dort großen Wert.

In einer offiziellen Stellungnahme von PokerStars heißt es außerdem:

„PokerStars ist die Existenz des Skype-Accounts bekannt. Weder gehört er, noch steht er in Verbindung mit PokerStars … PokerStars hat sich direkt mit Skype in Verbindung gesetzt … Skype hat den Besitzer des Accounts identifiziert und entsprechende Maßnahmen ergriffen.“

In der Poker-Community sorgt der Betrugsversuch hauptsächlich für Heiterkeit (siehe die Bilder zu diesem Artikel), würden sich die Äußerungen des angeblichen Online Support doch etwa so anhören:

„Hallo, wir haben Frage zu Account … wir glauben, deine Account wird gecrackt … das ist Problem … wir müssen kontrollieren Manuel, aber du bist jetzt spielen … gib passwort und Email, sonst wir block dich gleich jetzt.“

Trotzdem, Dreistigkeit siegt bekanntlich oft genug, also ist zu erwarten, dass die Betrüger mit ihrer Masche zumindest einige Spieler tatsächlich hereinlegen konnten.

Die Frage, woher denn der Anrufer überhaupt wusste, dass der Skype-Adressat tatsächlich der Spieler war, der gerade auf PokerStars spielte, lässt sich übrigens leicht beantworten: Die Betrüger suchen die PS-Namen einfach bei Skype. Werden Sie fündig, beginnt die Kontaktaufnahme.

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