PokerStars schluckt PokerNews – eine Stellungnahme

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Wird der Marktführer seine Dominanz ausbauen und mit PokerNews eines der größten Pokermedien übernehmen? Alle Anzeichen deuten darauf hin, meint unser Kollege von PokerListings.com.

Von der Entlassung ehemaliger Mitarbeiter bis hin zu Werbeanzeigen wenig respektabler Dienstleister, es gibt eine Reihe von Anzeichen darauf, dass PokerNews seit dem Black Friday in Schwierigkeiten steckt.

Und da PokerStars alles Erdenkliche unternimmt, um den eigenen Status als weltgrößter Pokerraum zu untermauern, besteht der nächste logische Schritt darin, die Kontrolle des möglicherweise größten Pokermediums im Netz zu übernehmen.

In den letzten Jahren haben die beiden Unternehmen zunehmend enger zusammengearbeitet. Die Kooperation ist offenkundig weiter intensiviert worden. Seit letztem Jahr erscheinen die Live Updates von PokerNews im Blog von PokerStars, und die Banner des Marktführers sind omnipräsent auf der PokerNews-Webseite.

Aber das ist noch nicht alles.

PokerNews‘ finanzielle Schwierigkeiten

Als die amerikanischen Spieler am 15. April 2011 einfach ausgesperrt wurden, war das für alle Affiliate-Partner ein schwerer Schlag. PokerNews traf es jedoch besonders hart. Man darf allerdings davon ausgehen, dass die Probleme schon begonnen hatte, bevor das US-amerikanische Department of Justice gegen die drei großen Online-Pokerräume vorging.

Noch am 6. März 2011 bewertete PokerNews Full Tilt als besten Online-Pokerraum der Welt. Hier sollten sich aller Leser registrieren und einzahlen. Heute wissen wir, dass Full Tilt zu diesem Zeitpunkt bereits über dem Abgrund hing. Da es kein Geld mehr gab, um Spieler auszuzahlen, ist es unwahrscheinlich, dass FTP noch lukrative Affiliate-Programme anbieten konnte.

PokerZeit/PokerListings hatte Full Tilt bereits Monate zuvor von den Toplisten gestrichen und alle geschäftlichen Beziehungen abgebrochen, da der Anbieter seinen Zahlungsverpflichtungen für vermittelte Spieler nicht nachgekommen war.

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PokerNews hat seit Langem eine Sonderstellung bei der WSOP.

Erst im Juni stoppte PokerNews den Spielertransfer zu Full Tilt Poker.

Nach den Geschehnissen des Black Friday begann PokerNews damit, sich von erfahrenen und versierten Mitarbeitern zu trennen und stattdessen weniger kompetente, aber billigere Arbeitskräfte anzuheuern. Vollzeitstellten wurden gestrichen und fragwürdige Anzeigenkunden akzeptiert. Auch das sind Anzeichen für eine finanzielle Schieflage.

Ganz deutlich wurde dies am Beispiel von Eric Ramsey. Der hoch geschätzte Fotograph und Redakteur hat jahrelang für PokerNews gearbeitet und wurde nun während der WSOP 2012 entlassen.

Als Erklärung bekam er lediglich zu hören, dass sich PokerNews seine Position nicht länger leisten könne.

Ein besonders krasses Beispiel ist die Werbeanzeige von AshleyMadiso.com, die derzeit häufig auf der Startseite von PokerNews zu sehen ist.

AshleyMadison.com ist eine Datingseite, die offen zum Seitensprung aufruft. „Das Leben ist kurz, also beginne eine Affäre“, lautet das vielsagende Motto.

Welche Pokermedien würden solche Aufforderungen und die damit verbundenen potenziellen Schäden veröffentlichen bzw. in Kauf nehmen, wenn sie sich nicht in einer dramatischen Situation befänden?

Warum PokerStars jetzt PokerNews kauft

Dass PokerNews eng mit PokerStars zusammenarbeitet, ist seit Jahren bekannt. Besonders augenfällig wird das bei der EPT und der kleineren LAPT.

Das PokerNews-Team, das für die Live Updates zuständig ist, wird von PokerStars finanziell unterstützt. Dafür erscheinen die Inhalte von PokerNews auch im PokerStars-Blog.

PokerNews
AshleyMadison und PokerStars dominieren die Optik bei PokerNews.

Aber damit sind die Parallelen nicht erschöpft.

Lynn Gilmartin, langjährige Fernsehmoderatorin und Redakteurin, präsentiert während großer Live-Events inzwischen auch PokerStars.tv, und die Artikel von Donnie Peters, der Turniere weltweit begleitet, erscheinen zum Teil auch im PokerStars-Blog.

Es wäre im Übrigen nicht das erste Mal, dass PokerStars ein großes Presseportal schluckt, um daraus ein weiteres PokerStars-Medium zu machen.

Letztes Jahr übernahm der Online-Pokerraum die Webseite von PokerPages, und nun zieren ausschließlich die Banner von PokerStars die Seiten. Alle Artikel werden von denselben Redakteuren geschrieben, die auch für den PokerStars-Blog arbeiten.

Konsequenzen für die Pokermedienlandschaft

Als die ersten Gerüchte auftauchten, PokerStars würde versuchen, Full Tilt Poker zu übernehmen, war die allgemeine Reaktion überwiegend positiv. Weltweit stimmten Spieler darin überein, dass nur so Auszahlungen an die geschädigten Spieler wieder möglich wurden.

Aber es dauerte nicht lange, bis die Gefahr einer Monopolisierung zum dominierenden Thema des Diskurses wurde.

Schon jetzt besitzt PokerStars den Löwenanteil des Pokermarkts, und was PR und Marketing betrifft, liegt die Konkurrenz um Längen zurück.

Durch den Erwerb von Full Tilt Poker und vielleicht auch PokerNews stärkt PokerStars seine Stellung auf dem Markt weiter.

Sollte sich PokerNews zum Sprachrohr von PokerStars machen lassen, würde das Portal aber auch jede Unabhängigkeit verlieren.

Als Affilliate kann auch eine Seite wie PokerZeit/PokerListings nicht von sich behaupten, komplett unabhängig zu sein – und hat das auch nie getan –, aber es gibt einen Unterschied zwischen dem Eintreten für die Interessen einer Branche und denen eines einzelnen Branchenvertreters. Das gilt ganz besonders dann, wenn es sich um den Branchenprimus handelt.

Die gute Nachricht ist, dass die Poker-Community generell PokerStars vertraut, und sie hat dazu auch guten Grund. Nach dem Black Friday war PokerStars der einzige Anbieter, der unbeschadet aus den Geschehnissen hervorging und liquide blieb.

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Man muss wissen, wo die Nachrichten herkommen.

Nimmt man außerdem die Innovationsfähigkeit, die Professionalität und den herausragenden Kundensupport dazu, wird schnell deutlich, warum PokerStars so beliebt ist. Mit den Pokerturnierserien rund um die ganze Welt bemüht sich PokerStars ohnehin mehr als jeder andere Pokerraum darum, Poker weiter zu etablieren.

Trotz alledem ist ein Monopol grundsätzlich immer gefährlich, vor allem wenn dazu auch ein Großteil der Presse gehört, der die Leser trauen und vertrauen.

Die Folgen wären ein schrumpfendes Angebot, eine geringere Bandbreite der News, schwindende Kontroversen und Auseinandersetzungen  mit der Pokergemeinde und letztlich ein einseitiger Blick auf die Pokerwelt.

PokerStars muss sich nun vor allem um Transparenz bemühen. Anstatt die öffentliche Meinung durch eingefärbte Berichterstattung zu manipulieren, sollte man sich darum bemühen, die Dienste weiter auf demselben Niveau anzubieten, die PokerStars überhaupt erst zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Sollte man sich tatsächlich zum Kauf von PokerNews entscheiden, muss PokerStars aber in erster Linie  klarstellen, dass PokerNews damit kein unbefangenes Pokermedium mehr ist, sondern eine weitere Werbeplattform für PokerStars.

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AssaufdemFluss 2012-07-25 09:02:02

Oder weil sich andere nicht trauen, über ein so wxplosives Thema zu schreiben, weil niemand Big Brother PokerStars am Lack kratzen will.

Peter 2012-07-25 08:55:31

Vielleicht weil nichts dran ist an dem Gerücht

Johannes Eder 2012-07-25 08:04:02

Blöde Frage:
Wieso liest man diesen nicht gerade unwichtigen Beitrag nur auf dieser Seite und nicht auf den anderen großen deutschen Seiten?