Die Isai Scheinberg Story

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Scheinberg ist ein Phantom der Pokerszene.

Im internationalen Pokerzirkus gibt es wohl keinen, der mehr Einfluss und Geld hat als er. Dennoch hat es Isai Scheinberg, der Gründer von PokerStars stets geschickt verstanden, Fakten zu seinem Privatleben geheim zu halten. In seiner Heimat-Zeitung, dem „Toronto Globe & Mail“ sind nun trotzdem einige interessante Details über den Israeli-Kanadier erschienen.

Der Report beginnt mit einer Beschreibung von Steve Wynn, dem extravaganten Casino-Mogul aus Vegas. Irgendwann Ende 2009 hatten sich, so Wynn, er und Scheinberg getroffen, um eine Bündelung der Kräfte für die Reformierung der US-Glückspielgesetzgebung zu vereinbaren. „Steve, auf dem amerikanischen Markt haben wir so viele Kunden“, soll der 64-jährige Gründer von PokerStars.com. gesagt haben. „Es ist klar, dass ich alles dafür tun werde, um das ganze Business irgendwann legal betreiben zu können.“ Die Kooperation mit Wynn sei dafür der erste Schritt.

Eine Beschreibung Isai Scheinbergs für dieses Treffen fehlt allerdings auch bei den fleißigen Reportern des „Toronto Globe&Mail“. Dabei dürfte es überhaupt zu bezweifeln sein, ob Isai Scheinberg je einen autorisierten O-Ton für die Medien hinterlassen hat.

Dabei wird die Scheinberg-Familie von kanadischen Journalisten schon mit dem Montrealer Clan der Bronfmans verglichen. Die nämlich hatten in der Prohibitionszeit in den 20er und 30er Jahren Milliarden Dollar mit Schnaps-Schmuggel verdient.

Ganz falsch ist der Vergleich sicherlich nicht. Denn auch die Scheinberg-Family hat spätestens nach dem UIGEA 2006 an einer Art Prohibition prächtig verdient. Und auch die Profitrate bewegt sich auf derselben Höhe. Bei einer letzten Schätzung wurde der Wert von PokerStars.com auf 10 Milliarden Euro taxiert.

Nun sind auch Isai Scheinberg und sein Sohn Mark angeklagt, Bankbetrug und Geldwäsche im großen Stil begangen zu haben. Der Vater könnte dafür bis an sein Lebensende hinter Gittern verschwinden. „Dabei war PokerStars für sehr lange Zeit der Silberrücken der Poker-Branche“, sagte James Bennett, Herausgeber des eGaming Review den Reportern der kanadischen Zeitung.

Die Spieler seien fassungslos gewesen, dass das Imperium nun so schnell einen so harten Schlag versetzt bekommen hat. „Dabei wurde über Jahre einer Familie vertraut, so Benett, „die selbst gemessen an den undurchsichtigen Standards der Branche ziemlich mysteriös geblieben ist.“

Den Reportnern des Globe ist es dennoch gelungen ein paar interessante Details über den Scheinberg-Clan ans Tageslicht zu befördern. So soll Isai 1988 ein vergleichbar bescheidenes Haus in Richmond Hill, einem Vorort von Toronto im heutigen Wert von $660.000 gekauft haben. Bis heute ist das Haus in seinem Besitz und von niemand Anderem bewohnt.

In den 1990er Jahren arbeitete Scheinberg, der neben der kanadischen auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzt bei IBM, wo er dabei half, den sogenannten Unicode zu entwickeln. Dieses Tool ermöglicht es Computern, Skripte aus Europa auch in Asien und umgekehrt zu erkennen.

Mr. Scheinberg blieb in seiner Projekt-Team dafür in Erinnerung, dass er Unternehmen dazu brachte den neuen Standard zu akzeptieren. „Er hatte wahrscheinlich eine riesige, internationale Telefonrechnung“, mutmaßte Edwin Hart, ein an dem Projekt beteiligter Programmierer gegenüber den Globe-Reportern. „Er war ein überaus gewiefter Machtmensch, der immer wusste, wer seine Verbündeten waren und wer nicht.“

Genau diese Qualitäten waren es anscheinend auch, die Scheinberg in die Lage versetzten einen nationalen Zeitvertreib zu einem globalen Milliardengeschäft zu transformieren. Bereits 1996 registrierte sich Scheinberg für ein Turnier der WSOP. Danach muss er gewusst haben, wohin die Reise für ihn und auch für das internationale Poker-Business geht.

Im Jahr 2000 gründete Scheinberg dann noch in Richmond Hill, Toronto das Software-Unternehmen PYR. Schon im drauffolgenden Jahr folgte die Gründung von Rational Entertainment Enterprises, der Muttergesellschaft von PokerStars.com, die heute im Steuerparadies Isle of Man registriert ist.

Schon 2006 war PokerStars dann unangefochtener Führer im heißlaufenden Markt namens Online Poker. Auf einen Wert von 2 Milliarden Dollar wurde ein möglicher Börsengang taxiert.

Isai Scheinberg ist über pokerstars.com zu märchenhaften Reichtum gelangt. Und dennoch selbst für die Pokerwelt ein Unbekannter geblieben. 2008 spielte er beim EPT Grand Final in Monte Carlo ein €1000 Side Event. Er erreichte den Final Table und wurde Achter. Dennoch war wohl nur ganz wenigen Vertrauten klar, dass da der mächtigste Mann des Poker-Zirkus unter ihnen saß und um, für seine Verhältnisse Peanuts spielte.

Die Zukunft von Isai Scheinberg ist genauso ungewiss wie seine Gegenwart und Vergangenheit. Klar ist wohl nur, dass er und seine Familie in den kommenden Jahren keinen Fuß auf nordamerikanischen Boden setzen werden. Mit Kanada und Mexiko unterhält die USA umfangreiche Auslieferungs-Abkommen, so dass es auch dort ungemütlich werden könnte.

Die Rechts-Abteilung Scheinbergs hat gegenüber MANX Radio, des Radiosenders der Isle of Man, allerdings verlauten lassen, dass man sowohl Scheinberg, als auch Geschäftsführer Paul Tate “robustly” gegen die Vorwürfe der US-Staatsanwaltschaft verteidigen würde.

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