EPT Berlin - Tag 1 mit der Black Mamba

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Die Schwarze Mamba wird gejagt.

Die erste PokerStars EPT Berlin ist gestartet. Wird es das Rekordturnier, dass alle erwarten? Titelverteidigerin Sandra Naujoks über ihre Rolle als neuer Star, Kinderhilfsprojekte und phantasievolle Journalisten.

Um 12.23 Uhr gab Thomas Kremser das Signal: „Shuffle up and deal" hieß es zum ersten Mal für ein EPT-Turnier in der Hauptstadt. Ganze elf Minuten später hieß es erstmals „Seat open". Drei Hände waren gespielt, und es erwischte einen PokerStars Qualifikanten, der ein niedrigeres Set gefloppt hatte als sein Gegner.

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Pokerfloor an Tag 1A.

Die offizielle Teilnehmerzahl am ersten Tag lag bei 389, erfahrungsgemäß wird der zweite Tag deutlich stärker, aber es bleibt fraglich, ob die Wunschzahl von 1000 Spielern erreicht wird. Im Notfall werden noch einige Tische in der Spielbank Berlin direkt gegenüber des Hotels bereitgestellt.

Prominente europäische Spielern am Start sind z. B. Michael Keiner, Benjamin Kang, Sebastian Ruthenberg, Simon Münz, Erich Kollmann, Katja Thater, Marcel Luske, Arnaud Mattern, Ludovic Lacay, Vicky Coren, Dragan Galic, Leo Margets, Alexia Portal, um nur einige zu nennen.

Erst morgen am Start ist Titelverteidigerin Sandra Naujoks, die sich deshalb trotz eines leichten Magen-Darm-Infekts ein paar Minuten für uns Zeit nimmt. Trotz ihres geschwächten Zustands überfallen wir sie mit einer Fangfrage:

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Wechselwillige Naujoks.

PZ: Frau Naujoks, können Sie uns dieses Bild erklären?

SN: Wieso, was denn? Das ist ja schon über ein Jahr her.

PZ: (Aha, wahrscheinlich heißt das, ich war jung und brauchte das Geld.) Und wie kam es zu dem Wechsel?

SN: Ich verstehe die Frage nicht. Das ist genauso, als wenn ein Stürmer von Bayern zu Arsenal wechselt und dann gleich wieder zurück. Sowas kommt immer wieder vor.

PZ: (Eben nicht.Na gut.) Nach nunmehr etwa zwei Jahren in der Pokerszene, hane Sie rückblickend die richtige Entscheidung getroffen, diese Laufbahn einzuschlagen? Als Stundentin der Germanistik und mit ihrer Arbeit vor un hinter der Kamera hatten Sie ja auch andere Möglichkeiten.

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Arnaud Mattern.

SN: Vor und hinter der Kamera?

PZ: Ja. Sie wissen schon, als Model und Fotografin.

SN: Ich muss da wohl mal etwas aufklären. Ich war noch nie Model, und ich habe auch nie als Fotografin gearbeitet. Das hat sich irgendwann einmal ein Journalist ausgedacht, und dann haben es alle anderen abgeschrieben. Davon abgesehen, habe ich die Entscheidung aber nie bereut. Für maich war das schon das Richtige.

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Vicky Coren.

PZ: Heute wird oft von der neuen Generation der Internet-Kids gesprochen, die schon als sehr junge Spieler unglaublich viel Erfahrung gesammelt haben. Zeigt ihre Karriere, dass es auch anders geht?

SN: Stimmt. Ich bin im Grunde eine reine Live-Spielerin. In der ersten Zeit habe ich buchstäblich jeden Tag acht Stunden im Casino gespielt. Das hat den Vorteil, dass ich z. B. physische Tells sehr viel schneller und einfacher erkenne als Leute, die nur am Computer sitzen.

PZ: Macht es einen Unterschied für Sie, ob Sie einem älteren, in unzähligen Live-Turnieren gestählten Spieler gegenübersitzen oder einem jungen Online Kid mit Kopfhörer, Brille und blöder Mütze?

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The Cool Man.

SN: Nein, ich gehe auf jeden Gelgner in derselben Weise zu. Man checkt sie einzeln ab.

PZ: Und wo werden Sie in den nächsten Monaten die Gegner abchecken?

SN: Snowfestival, San Remo, Monte Carlo, WSOP Las Vegas

PZ: Sie unterstützen aktiv Hilfsprojekte in Drittweltländern. Worum handelt es sich dabei?

SN: Mein wichtigstes Projekt heißt allin4kids. Ich habe es im letzten Jahr mit Markus Golser gegründet, und wir haben daraufhin sehr viele deutschsprachige Pokerspieler angesprochen und um Unterstützung gebeten. Wer mitmacht, bezahlt 2% seiner Turniergewinne in einen Pot, und das Geld wird dann für gemeinnützige Zwecke verwendet. Wir entscheiden dann jeweils, wofür.

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Ex-Fußballprofi Brdaric.

Momentan bauen wir eine Schule in Kambodscha. Weiteres Geld wird investiert, um Lehrer auszubilden, Lehamterialien zu finanzieren, Esse für die Kinder zu besorgen usw. Aber esind noch weitere Projekte geplant. Wir lassen jedoch alles vorher genau prüfen, damit wir auch sicher sein können, dass das Geld auch tatsächlich dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Inzwischen sind sehr viele Spieler engagiert. Fast alle aus dem Shooting Stars Team, Michael Keiner, Eddy Scharf, Dragan Galic, Stephan Kalhamer uvm. Man kann uns z. B. als Coaches buchen, außerdem gibt es Versteigerungen, es können sich also auch Leute beteiligen, die keine Pokerspieler sind.

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Schwieriges Board.

PZ: Und seit wann gibt es das alles?

SN: Seit heute.

PZ: Mein Gott, wie schnell das geht in der heutigen Zeit.

SN: Ja, wir starten eben zur EPT richtig durch.

PZ: Da wir gerade über die EPT sprechen. Sie starten jetzt hier als Titelverteidigerin und erleben somit vermutlich einen enormen Medienrummel. Wie geht man damit um?

SN: Es ist tatsächlich recht anstrengend, da man ständig überall angesprochen wird. Es sind dann weingier die Fotografen während des Turniers, die stören, als vielmehr die Kurzintervies, zu denen man während der wenigen Pausen auch noch gebeten wird. Da lehne ich inzwischen öfters mal ab.

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Noch nicht in Betrieb: der Kameratisch.

Und dann werden einem natürlich immer wieder dieselben Fragen gestellt.

PZ: Deshalb frage ich Sie auch nicht, wie Sie zum Pokern gekommen sind...

SN: ... oder wie ich mich als Frau am Tisch fühle?

PZ: ... oder wie Sie sich als Frau am Tisch fühlen.

SN: Danke.

PZ: Gern geschehen. Wie fühlt man sich übrigens als die Frau, die Katja Thater als Aushängeschild schlechthin für Frauen im deutschen Poker abgelöst hat. Kommt es da zu Spannungen?

SN: Im Gegenteil. Katja ist doch eine Pionierin auf dem Gebiet. Alle Spielerinnen haben ihr sehr viel zu verdanken. Es gibt ja nicht viele Frauen in der Szene, und unsere Gegner sind fast ausschließlich Männer, da wären wir ja dumm, wenn wir nicht zusammenhalten würden. Ich habe großen Respekt vor ihr. Gerade jetzt, wo ich sehe, was alles dazugehört.

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Schon mitten drin - George Danzer.

PZ: Online sieht man Sie merkwürdigerweise fast nie. Was sagt denn der Sponsor dazu?

SN: Ich persönlich spiele zugegebenermaßen lieber live. Selbst wenn es nur ein $20-Turnier ist, macht mir das mehr Spaß als am PC zu sitzen. Natürlich möchte PokerStars auch, dass ich online präsent bin, hat aber Verständnis für meine Vorlieben. Also beschränke ich mich auf ab und zu große Online-Turniere wie die Sunday Million.

PZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Neun Level werden am heutigen Tag gespielt, gegen Mitternacht sollte Tag 1A beendet sein. Enttäuschend ist, dass bisher keine namhaften Profis aus Nordamerika gesehen wurden. Einige sind bei der NBC Heads-up Championship in Las Vegas, andere - wie Daniel Negreanu - sind erst vor ein paar Stunden bei den Poker Classics in Los Angeles ausgeschieden und können aus logistischen Gründen nicht hier sein.

Aber ein paar werden sich ja wohl zumindest morgen blicken lassen...

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