Poker um die Krim – Putin bettet, Europa ist am Zug

Eugene Katchalov
Eugene Katchalov.

Die Krise in der Ukraine beschäftigt seit Wochen die Weltöffentlichkeit. Auch die Pokerszene? Bei der EPT in Wien, wo Russisch fast zweite Amtssprache ist, sprachen wir mit drei Pros aus Russland und der Ukraine darüber, wie die Weltpolitik auch ihre ganz persönliche Lebenssituation betrifft.

Eugene Katchalov (33), Team PokerStars Pro, geboren in Kiew, aufgewachsen in New York

“Direkte Auswirkungen auf mein Leben hat die Krise nicht. Meine gesamte Familie emigrierte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 in die USA. Allerdings habe ich eine Menge Freunde in Kiew, die ich zwei -, dreimal im Jahr besuche.

Deshalb bin ich auch besorgt über die momentane Lage. Wie wohl jeder Andere checke ich täglich mehrfach die News.

Es ist trotzdem recht komisch: Ich repräsentiere die Ukraine als einziger PokerStars Team Pro und spreche trotzdem kein ukrainisch. Zu Sowjetzeiten war das keine offiziell gesprochene Sprache, deshalb spreche ich auch nur Russisch.

Unter den russischen und ukrainischen Pokerspielern wird das Thema natürlich leidenschaftlich diskutiert. Allerdings, ohne dass groß die Emotionen überkochen. Der allgemeine Disput findet eher zwischen verschiedenen sozialen – oder sagen wir besser – Bildungsschichten, denn zwischen den Nationen statt.

Insgesamt ist der gesamte Konflikt sehr kompliziert. Ich bin sicher, dass Strategie auf allen Seiten eine große Rolle spielt.

Es ist also nicht leicht zu sagen, was jetzt das Beste wäre. Einige Menschen allerdings sind wirklich hart von den Entwicklungen betroffen und deshalb will ich das Ganze auch nicht zu stark in die Nähe eines Pokerspiels rücken.”

Maxim Lykov (31), EPT – und WSOP-Champion, geboren und aufgewachsen in Russland, kürzlich ausgewandert

“Ich komme gerade aus Sotchi, wo meine Freundin einen Modeladen eröffnet hat. Nach Monte Carlo werden wir zunächst nach Riga ziehen, um dann Ende des Jahres für längere Zeit nach Amsterdam zu gehen.

Lykov
Maxim Lykov.

Die Situation ist wirklich nicht leicht zu verstehen. Ich bekomme aber mehr und mehr den Eindruck, dass Putin sich entschieden hat, Russland ins 19. Jahrhundert zurükzuführen.

Die Politiker führen sich wie Könige auf und uns bleibt nichts anderes übrig, als nach Westeuropa zu emmigrieren. Es ist einfach nicht in Ordnung sich einen Teil eines anderen Landes einzuverleiben. Egal was vor 50 oder 100 Jahren passiert ist.

Ich checke ein paar News-Seiten jeden Morgen, aber die ukrainischen Spieler sind von der Situation ungleich härter betroffen. Also reden wir mit ihnen mehr über ihre persönliche Situation und ihre Sorgen.

In der ganzen Sache einen Vergleich mit einer Pokerpartie zu ziehen, ist mehr die Angelegenheit von euch Journalisten (lacht).

Insgesamt ist es so, dass sich Spieler, wie ich es leisten können zu reisen und auf großen Turnierserien, wie der EPT zu spielen.

Aber die Mitteklasse-Spieler waren sehr, sehr froh über ihre Möglichkeiten in Kiew vor dem Umsturz. In der Stadt, mit ihrem besonderen Charme fanden eine Menge mittelteurer Pokerturniere, darunter die Russian Pokertour statt.

Das ist erstmal vorbei, ohne dass es einen Ersatz dafür gibt. Wir können nur hoffen, dass sich die Lage schnell stabilisiert. Oder es gibt dieselbe Situation, wie in Russland. Eine Menge illegaler Pokerrooms und absolut keine Sicherheit für die Spieler.”

Ivan Demidov (32), geboren und aufgewachsen in Moskau, Zweiter des WSOP Main Event 2008, lebt und arbeitet nach wie vor in Moskau

“Ich denke, dass die Menschen, die noch nie aus Russland und der Ukraine herausgekommen sind, eher die Dinge glauben, die man ihnen momentan im russischen Fernsehen erzählt. Aber Pokerspieler reisen nun mal und ihre Informationsquelle ist mehr das Internet.

Ivan Demidov
Ivan Demidov.

Trotzdem gibt es natürlich auch Pokerspieler, die Blick der Regierung auf die Situation teilen. Allerdings sind des deutlich weniger, als der normale Durchschnitt.

Ich lebe mit meiner Frau Lyia und unserem Kind immer noch in Moskau. Aber auch wir wollen demnächst ein Haus in Riga kaufen, einfach nur, weil wir dann leichter in die EU einreisen können.

Vielleicht verbringen wir in Zukunft auch die Hälfte der Zeit in Riga und die andere Hälfte in Moskau. Insgesamt kann ich nur sagen, dass mir die Entwicklungen der vergangenen Wochen einen mächtigen Schrecken eingejagt haben.

Mit anderen Pokerspielern, vor allem auch mit den ukrainischen habe ich leidenschaftlich über die Lage gestritten.

Auch in unserem politischen Forum bei gypsyteam.ru - der größten Poker-Community Seite in russischer Sprache nach pokerstrategy.ru - war tagelang die Hölle los.

Nun hat sich das Ganze doch deutlich abgekühlt, da es einfach nicht mehr soviele neue Fakten zur Lage gibt.

Mit einem Pokerspiel würde ich das Ganze allerdings nicht vergleichen. Ich persönlich denke, dass Putin sehr irrationale Gründe für sein Vorgehen hat, während der Westen doch sehr sachlich agumentiert.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass die ganze Krim-Aktion nicht perfekt geplant und durchgeführt wurde. Aber die Motive dahinter sind eben eher emotional geprägt.

Für Poker in der Ukraine sehe ich ehrlich gesagt keine großen Veränderungen. Klar, ein paar kleinere Turnierserien mussten jetzt abgesagt werden, aber ich denke es wird schon bald wieder alles so sein, wie vorher.”

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