Glück im Spiel – Pokerfilm mit Starbesetzung

Von: Rainer Vollmar
22 Januar 2013
Geposted in: The Hand
Drew und Bana

Nachdem Poker lange Zeit ein Schattendasein beim internationalen Film führte, entdeckte Hollywood zu Beginn dieses Jahrtausends dieses Thema.

Ausschlaggebend war sicher der weltweite Boom, der durch den Sieg Chris Moneymakers beim Main Event der World Series of Poker 2003 einsetzte.

Der Film Glück im Spiel handelt teilweise von diesem Außenseitersieg, er versucht sich aber an weit mehr.

Entstehung und Produktion

Gedreht wurde Glück im Spiel im Jahr 2005, er spielt wie erwähnt im Jahr 2003. Regisseur ist Curtis Hanson, der mit L.A. Confidential berühmt wurde und gemeinsam mit Eric Roth das Drehbuch verfasste.

Für die Dreharbeiten wurde erheblicher Aufwand betrieben. So wurde etwa das ausrichtende Casino der World Series of Poker im Studio originaltreu nachgebaut, zudem wurden viele Stars aus der Pokerszene wie Doyle Brunson, Daniel Negreanu, Mike Matusow, Sam Farha, Barry Greenstein oder John Juanda als Nebendarsteller verpflichtet.

Auch bei den klassischen Schauspielern wurde mit Eric Bana, der die Hauptfigur Huck Cheever spielt, Robert Duvall, der Hucks Vater L.C. Cheever darstellt und Drew Barrymore als verführerische Billie Offer keineswegs gespart.

Am Ende kostete der Streifen ca. 55 Millionen Dollar, spielte in den Kinos weltweit aber lediglich 8,7 Millionen ein. Ökonomisch erwies er sich also als Desaster, und leider kann er auch sonst nur wenig überzeugen.

Handlung

Huck Cheever ist zwar ein begnadeter Pokerspieler, aber völlig abgebrannt. Um wieder an die Tische zurückkehren zu können, bringt er sogar den Ehering seiner Mutter ins Pfandleihhaus und bekommt dafür 300 Dollar.

Robert Duvall
Hochkarätige Schauspieler wie Robert Duvall spielten ebenso mit...
 

Poker hat er von seinem Vater, dem zweimaligen Weltmeister L.C. Cheever, am Küchentisch gelernt, seit der Trennung der Eltern ist das Verhältnis zwischen Vater und Sohn aber gestört.

Ausgerechnet gegen L.C. verliert Huck sein gesamtes Spielkapital, ehe er die hübsche Billie Offer kennenlernt. Zwischen den beiden funkt es sehr schnell und sie landen im Bett. Während Billie noch schläft, vergreift sich Huck an ihrem Portemonnaie, um wieder Poker spielen zu können.

Erneut verliert Huck das gesamte Geld und schließlich auch Billie, die ihm den nächtlichen Griff in ihre Geldbörse nicht verzeiht.

Huck will unbedingt am Main Event der World Series of Poker teilnehmen und leiht sich nun bei einem Bekannten die dafür notwendigen 10.000 Dollar. Direkt nach der Versöhnung mit Billie tritt er damit gegen seinen Vater an und verliert erneut sein gesamtes Spielkapital.

Nachdem er auch noch eine Prop Bet gegen Ready Eddie und weitere 10.000 Dollar verloren hat, gelingt es ihm doch noch, sich in einem Satellite für das wichtigste Pokerturnier zu qualifizieren.

Dort läuft es ausgezeichnet für Huck. Er erreicht nicht nur den Finaltisch, sondern schafft es unter die letzten Drei. Übrig sind außer ihm nur noch ein Amateur (der dem Weltmeister von 2003, Chris Moneymaker, nachempfunden ist) und sein Vater.

Während einer Pause gesteht sein Vater ihm auf der Toilette, dass dies vermutlich seine letzte Chance auf den dritten Weltmeistertitel sei.

Als sie an die Tische zurückkehren, setzt L.C. mit der schlechteren Hand seine gesamten Chips gegen Huck, doch dieser wirft am Ende seine Asse weg und überlässt seinem Vater den Pot.

Der erkennt zwar die Heldentat seines Sohnes, vermag das Turnier aber dennoch nicht zu gewinnen. Letztlich scheitert er durch einen Bad Beat an dem Amateur.

Für Huck dagegen nimmt die Geschichte ein gutes Ende. Er hat als Dritter 650.000 Dollar gewonnen und versöhnt sich mit Billie und seinem Vater.

Bewertung und Interpretation

Jen Harman mit Regisseur Hanson
... wie Pokerprofis, z. B. Jen Harman.
 

Mit einer Filmdauer von gut zwei Stunden nimmt sich Regisseur Curtis Hanson viel Zeit, um das Thema Poker und die Verstrickungen seines Helden Huck darzustellen.

Trotz ausgezeichneter Schauspieler gelingt es dem Film aber nur bedingt, Spannung aufzubauen und den Zuschauer dauerhaft mitzureißen.

Allzu durchsichtig und klischeebeladen ist die Handlung, die den Zuschauer auf eine Reise durch das Zockerparadies Las Vegas mitnimmt. Regisseur Hanson versucht es mit einem Mix aus Spielsucht, Liebesgeschichte und Vater-Sohn-Konflikt, doch die einzelnen Stränge verlaufen sich allzu oft in seichtes Gestrüpp und ziehen sich bisweilen wie Kaugummi.

Ganz zu Beginn des Films merkt Hauptfigur Huck, als er einen gegnerischen Bluff entlarvt, zwar an, dass „Nichts manchmal mehr als genug sei“, doch ob dies auch für einen zweistündigen Kinostreifen gelten kann, darf bezweifelt werden.

Ganz so schlimm ist es dann aber auch nicht. Für Pokerfans bietet Glück im Spiel gleich mehrere Leckerbissen. Immer wieder tauchen amerikanische Pokerspieler der Weltklasse unverhofft als Nebenfiguren auf und beteiligen sich am Geschehen.

Das verleiht dem Geschehen Würze und lässt die vielen Pokerszenen realistischer erscheinen. Wie in Rounders gelingt es den Machern aber nicht, auf unwahrscheinliche Szenarien und unnötige Schwarzweißmalerei zu verzichten.

Der gute Huck ist zwar ein brillanter Spieler, doch gleichzeitig klebt ihm das Pech so unbarmherzig an den Pokerkarten, dass alles Genie nichts hilft. Er ahnt praktisch immer die exakte gegnerische Hand, das gesamte Geld ist am Ende aber trotzdem fast immer futsch. Hat er einmal kein Pech, muss eben der Dealer mit einem Fehler beim Austeilen nachhelfen.

lucky you
Lucky you - Original-Filmplakat.
 

Erst am Schluss des Films wendet sich das Blatt zugunsten Hucks, und er ist auf dem besten Weg, sich seinen Traum vom Pokerweltmeister zu erfüllen.

Die von seinem Vater geforderte Katharsis, „So wie Du Karten spielst, solltest Du Dein Leben leben. Und so wie Du lebst, solltest Du Karten spielen“, hat er da zwar noch nicht vollzogen, doch als er ihm in einem heroischen Akt den Sieg überlasst, klappt es auch in der Liebe wieder.

In der Mitte des Films hatte Billie noch zu L.C. gesagt: „Vielleicht ist Geben und Nehmen komplizierter als Gewinnen und Verlieren.“ Huck beweist, dass es geht und bekommt als Dank seine Freundin und seinen Vater wieder.

Auf diese Weise hat Hanson dann doch ein spezielles Happy End kreiert und dem Zuschauer den befürchteten Triumph am Pokertisch erspart.

Das Ganze endet damit auch für den Zuschauer versöhnlich und relativiert die Langeweile, die stellenweise fast erdrückend wirkt.

Daten zum Film:

Glück im Spiel (Originaltitel: Lucky You)

USA, 2007

Regie: Curtis Hanson

Darsteller: Eric Bana (Huck Cheever), Robert Duvall (L.C. Cheever), Drew Barrymore (Billie Offer)

Dauer: 124 Minuten

 


Pokerfilme in der Analyse

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Comment is under moderation. Thank you!

Noch keine Kommentare