The Hand

Rounders – Studentenpoker

Von: PokerListings.de
02 November 2013 2012
Geposted in: The Hand
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Deutlich vor dem weltweiten Pokerboom wurde in den USA der Pokerfilm Rounders produziert. Mit hochkarätiger Besetzung verspricht er viel, hält leider jedoch wenig. Alles Wissenswerte über die Entstehungsgeschichte, die Besetzung, den Verlauf und die Schlüsselszenen von Rounders erfahren Sie in diesem Artikel.

Entstehung und Produktion

Bereits 1998 wurde Rounders gedreht, trotz der vielen Stars wie Matt Damon, Edward Norton und John Malkovich schaffte der Film es aber nie in die deutschen Kinos. Erst 2006, als der Pokerboom auch Deutschland erreicht hatte, kam er als DVD auf den Markt.

Regisseur des Streifens ist John Dahl, der davor mit Thrillern wie Red Rock West oder Die letzte Verführung auf sich aufmerksam machte. Nach dem Drehbuch von David Levien und Brian Koppelman brachte er das Thema Poker mit Rounders in die Kinos und besetzte die wichtigsten Rollen mit Topstars des amerikanischen Films.

Die Hauptrolle des Jura-Studenten Mike McDermott übernahm Pokerfan Matt Damon, seinen aus dem Knast entlassenen Freund Lester „Worm“ Murphy spielt Edward Norton, den Bösewicht mit dem illustren Spitznamen Teddy-KGB gibt John Malkovich und Petra, die anämische Freundin von McDermott, wurde von Famke Janssen übernommen.

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Souverän als Bösewicht - John Malkovich.
 

In einer kleinen Nebenrolle ist der zweifache Weltmeister und Pokerlegende Johnny Chan zu sehen, der diese Gerüchten zufolge nur seiner Tochter zuliebe übernahm, da diese unbedingt Matt Damon kennenlernen wollte.

Der Film spielt vor allem im New York der frühen 90er Jahre, als Film im Film wird gezeigt, wie Chan 1988 seinen zweiten Weltmeistertitel gegen Erik Seidel errang.

Handlung

Der Jura-Student Mike McDermott, der über außerordentliches Pokertalent verfügt, hat sich in einer Runde mit Johnny Chan 30.000 Dollar erspielt und tritt mit diesem Kapital gegen den russischen Mafioso und Geldverleiher Teddy KGB an.

Mit einem Full House (AA999) verliert er sein ganzes Geld gegen ein besseres Full House (AAA99) und beschließt, auch seiner Freundin zuliebe, das Pokerspiel an den Nagel zu hängen.

Als sein Freund Worm aus dem Knast entlassen wird, gerät er aber in einen teuflischen Kreislauf. Worm schuldet Teddy KGB noch Geld, das er in wenigen Tagen zurückzahlen muss. Die beiden versuchen eine Runde mit Polizisten zu betrügen, fliegen aber auf und verlassen mit blutigen Nasen den Spielort.

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"Ich scheiß auf deine Boote".
 

Die beiden zerstreiten sich, da McDermott die Betrügereien Worms längst satt hat und glaubt, aufgrund seiner außerordentlichen Fähigkeiten auch so gewinnen zu können.

Da McDermott für Worms Schulden aber gebürgt hat, muss er Teddy KGB innerhalb weniger Stunden das Geld zurückzahlen. Er leiht sich von seinem Professor Geld und schlägt den russischen Unterweltboss vernichtend. Am Ende kann er nicht nur alle Schulden begleichen, sondern hat wieder 30.000 Dollar übrig, mit denen er den großen Angriff in Las Vegas plant.

Bewertung und Interpretation

Wie Cincinnati Kid ist auch Rounders ein Film über Poker und über Spieler. Im Gegensatz zu seinem Vorläufer setzt Rounders aber weniger auf feine Psychologie, denn auf eine weitere, recht plumpe Variante des amerikanischen Traums.

Der Film beginnt mit McDermotts Stimme, die den Zuschauer aus dem Off belehrt: „Pass auf, ich sag Dir, wie es läuft. Wenn Du nicht innerhalb der ersten halben Stunde am Tisch erkennst, wer der Dumme ist, bist Du der Dumme.“

Anschließend sieht man, wie Damon seine gesamten Ersparnisse zusammensucht, darunter ist in einer Schublade auch Mike Caros berühmtes Standardwerk „Book of Poker Tells“.

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Dürftiger Gegenpart - Petra.
 

Dieser kleine Schwenk steht programmatisch für McDermotts Fähigkeit, den Gegner aufgrund seiner Mimik und Gestik zu durchschauen.

Glaubt man der Botschaft des Films, reicht dies schon aus, um mit Poker mehrfacher Millionär zu werden. Gleichwohl gelingt es dem Film weder, die Feinheiten des Pokerspiels herauszuarbeiten, noch, halbwegs realistische Hände vorzuführen.

Stattdessen gewinnt der Gewinner immer, es werden schlechte Einsätze gebracht und im Deutschen wurde zudem bei der Übersetzung geschlampt. Stellvertretend folgende Stilblüte vom Ende des ersten Viertels, als Worm zu McDermott sagt: „Ich scheiß auf Dein Glück und Deine Boote.“

Gemeint sind natürlich Full Houses, die im amerikanischen Jargon auch „Boat“ genannt werden.

Als recht dürftiger Gegenpart zum Pokerspiel versucht McDermotts Freundin Petra, diesen davon loszubekommen und ihn subkutan vor die Wahl „Poker oder ich“ zu stellen.

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Der Gewinner gewinnt immer.
 

Als sie sich von ihm trennt, erklärt sie zynisch: „Ich würde Dir ja gern viel Glück wünschen. Aber das spielt in Deinem Spiel ja keine Rolle.“

Da haben Petra und der Film im Grunde und vor allem langfristig recht, doch bedeutet dies natürlich längst nicht, dass ein überdurchschnittlicher Pokerspieler wie McDermott mal eben mit geliehenem Geld an einem Abend zwangsläufig ein kleines Vermögen gewinnt.

Doch genau dies gelingt McDermott in einem recht liederlichen Showdown, in dem der zuvor hartgesottene und eiskalte Teddy KGB sein Geld und seine Nerven verliert und dadurch der etwas andere amerikanische Traum in Erfüllung geht.

Ganz am Ende hält Petra ihrem Ex-Freund McDermott bei dessen Abschied aus New York buchstäblich die Tür zur Rückkehr auf. Anstatt das Glück in der Liebe zu suchen, hat dieser sich aber anders entschieden. Er wird nach Las Vegas gehen und dort die Weltspitze angreifen.

Glaubt man dem Film, hat er diese längst erreicht.

- Rainer Vollmar

Daten zum Film:

Rounders (Originaltitel: Rounders)

USA, 1998

Regie: John Dahl

Darsteller: Matt Damon (Mike McDermott), Edward Norton (Lester „Worm“ Murphy), John Malkovich (Teddy KGB), Famke Janssen (Petra), Johnny Chan (Johnny Chan)

Dauer: 121 Minuten


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