Poker-Drogen (5) - Exotics

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18 November 2010, Von: The Brain
Geposted in: Blog
Poker-Drogen (5) - Exotics
Ich muss mich zu einer weiteren Abhängigkeit bekennen. Zur gelben Sucht, besser bekannt als „Die Simpsons". Erst seit wenigen Monaten schaue ich mir die skurrilen Zeichentrick-Abenteuer an, entdecke zunehmend Persiflagen auf die US-amerikanische Mentalität und Lebensart. Aber auch für diejenigen, die noch nicht drüben waren, ist die Serie unterhaltsam. Ein „No go" jedoch für Kinder, denke ich nur an „Itchy und Scratchy". Brutalität pur. Warum erwähne ich die Comic-Figuren an dieser Stelle überhaupt? Nun, in einer Folge berauscht sich Homer durch das Ablecken einer Kröte.

Und das hat Tradition. Bei Naturvölkern versetzten sich Schamanen, Druiden, Priester und Medizinmänner gerne mit tierischen oder pflanzlichen Drogenwirkstoffen in Trance.

schamane
Schamane in Trance.

Der größte und „ergiebigste" Bufotenin-Lieferant ist die Aga-Kröte, beheimatet in Südamerika und zur Schädlingsbekämpfung nach Australien eingeführt, wo sich diese Giftkröte zur Plage entwickelt hat. Süchtige lecken die Kröte ab, kochen sich aus der Haut einen Sud oder „melken" die Kröte. Hierzu werden die Schulterdrüsen mit zwei Fingern stimuliert und das Gift gegen eine Glasplatte gespritzt. Diese Substanz wird getrocknet und scheibchenweise in einer Haschischpfeife (Chillum) geraucht.

Durch Quälen des Tieres mittels spitzer Gegenstände oder der offenen Flamme eines Feuerzeuges wird die Giftproduktion gesteigert. Seltener wird das Sekret auch mit einer Rasierklinge von der Krötenhaut abgekratzt. Es dauert 4 bis 6 Wochen, bis man den Allesfresser erneut anzapfen kann.

aga-kroete
Aga-Kröte - "regelrechte Horrortrips."

Die Wirkung ähnelt der von LSD, setzt bereits nach wenigen Sekunden ein. Auch in Europa gibt es Krötenarten, die Bufotoxine absondern. Wechsel-, Kreuz- und Erdkröte. Letztere ist sogar bei uns beheimatet. Konsumenten der halluzinogenen Alkaloide auf Tryptamin-Basis berichten vereinzelt von regelrechten „Horror-Trips" und allergischen Körperreaktionen beim Ablecken.

Die Blätter des Khat-Strauches (auch: Kath, Kat, Qat, Gat, Miraa) sind eine Modedroge, die man kaut wie Coca-Blätter. Auch die Wirkung ist ähnlich, zuerst aufputschend, dann sedativ. Angebaut wird die anspruchslose Pflanze auf den kargen Böden Äthiopiens, im Jemen und anderen Teilen Ostafrikas. In den Anbaugebieten erlahmt ab der Mittagszeit das öffentliche Leben, da die Einheimischen bereits früh am Morgen große Klumpen Khat kauen und mittags die beruhigende Wirkung des Cathins alle Aktivitäten verhindert. In einigen Ländern Europas wie in GB und den NL ist Khat frei verkäuflich, im deutschsprachigen Raum sind die Blätter als Betäubungsmittel verboten.

mescaline-peyote
Peyote-Kaktus - "Visionen und Glücksgefühle, Übelkeit und Erbrechen".

Mescalin wird aus diversen Kakteen-Arten durch Extraktion der in Wasser oder Alkohol gelösten Inhaltsstoffe gewonnen. Der mittelamerikanische Peyote-Kaktus ist der bekannteste seiner Art. Unter der lateinischen Bezeichnung Lophophora williamsii ist er sogar bei uns im Pflanzen-Fach-Handel erhältlich. In den 60er Jahren war das halluzinogene Alkaloid der Phenethylamine als Droge weit verbreitet, löst farbintensive Visionen und Glücksgefühle aus, einhergehend mit starker Übelkeit und Erbrechen. Der Besitz von Mescalin ist in den USA mit 5 Jahren Haft bewehrt, nur die Native Americans (Indianer) dürfen in 12 Bundesstaaten Kakteenprodukte zu rituellen Zwecken straffrei konsumieren. Drogenpsychosen und Flashbacks treten bei fast einem Drittel der Mescalin-Süchtigen auf.

Die grüne Fee, wie Absinth ob seiner Farbe und seiner einstmals halluzinogenen Wirkung auch genannt wird, hat ihre Zauberkraft verloren! Seit 1790 gebrannt, Jahrzehnte lang verboten, ist dieses Branntweindestillat aus Wermutkraut seit 1981 wieder legal verkäuflich, allerdings „kastriert". Nur ein Zehntel der neben Alkohol zweiten psychoaktiven Substanz Thujon ist im Vergleich zum Original noch erlaubt.

gruene-fee
"Volle Dröhnung für Wilde, Hemingway und van Gogh - die Grüne Fee."

Die volle Dröhnung seiner von Wilde, Hemingway, van Gogh und Degas so geschätzten THC-ähnlichen Wirkung wird man daher wohl kaum spüren. Vorher bekommt man von dem wie Ouzo leicht nach Anis schmeckenden hochprozentigen Absinth garantiert einen Alkohol-Rausch. Zu wenig Nervengift, zu viel „Umdrehungen", zu teuer. Die Kräuter-Spirituose zehrt offenbar von ihrem Mythos, zu dem auch diverse Trinkrituale gehören. Aber hallo, Geschmäcker sind verschieden. „Probieren geht über studieren".

Liebe Fan-Gemeinde von POKERZEIT.COM, wollt Ihr MAOAM? Nein? Was wollt Ihr dann? Verlängerung, Verlängerung! Okay. Teil 6 ist in der „Mache".

Der Platz in diesem Beitrag ist für alle noch fehlenden Drogen ohnehin zu knapp bemessen.

Dachte ich bislang, relativ viele Drogen zu konsumieren, hat mich die Beschäftigung mit der Drogenproblematik eines Besseren belehrt:

„Juhu!" (Homer Simpson. Im US-Original „D'oh", die schnelle Aussprache von „Damn!". Political correctness muss sein im Land der Puritaner.) Noch einmal, dieses Mal mit empor gestreckten Armen. „Juhuuu!"

Poker-Drogen - die Serie

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TheOriginalNotACopy 2010-11-22 10:40:38

Kommt noch was über JÄGERMEISTER?
Das ist meine Lieblingsdroge.

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Ein deutscher Hobbyspieler ohne WSOP-Allüren, aber mit Sinn fürs Detail.

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