Poker-Drogen (2) - Alltagsdrogen

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9 Oktober 2010, Von: The Brain
Geposted in: Blog
Poker-Drogen (2) - Alltagsdrogen
Woran erkennt jeder Spieler, der zusammen mit mir am Aschenbecher steht, dass ich The Brain bin? Daran, dass ich nur fünf, sechs tiefe Lungenzüge nehme, bevor ich zu meinem Pokertisch zurück haste. Die Kippe drücke ich jedoch nicht aus, sondern streife behutsam die Glut ab und stecke die halbe Zigarette wieder in die Schachtel. Verrückt, geizig, abgefahren? Keinesfalls.

Eine Packung mit 19 Zigaretten kostet mittlerweile €5. Das macht pro Glimmstängel über c25. Die halbe Zigarette besitzt also einen Wert von etwa c13. Multipliziert mal drei pro Stunde, mal fünf pro Turnier, mal hundert Turniere im Jahr -bedeutet das eine Ersparnis von schlappen €200. Eigentlich müsste ich noch mehr rauchen, um noch mehr sparen zu können! Ich kenne Niemanden sonst, der diese super Spar-Technik anwendet.

Doch wozu nehmen wir eigentlich Drogen beim Poker spielen?

Um wach zu bleiben, uns über einen längeren Zeitraum gut konzentrieren zu können, aggressiver, lockerer oder ruhiger zu werden und häufig genug nur, um eine bestehende Sucht zu befriedigen, die andernfalls zum schleichenden oder drastischen Leistungsabfall wegen latenter oder akuter Entzugserscheinungen führen würde.

schlapp
Plötzlicher Leistungsabfall kann jeden erwischen.

Heute habe ich Alkohol, Energy-Drinks, Teein, Koffein und Nikotin im Visier.

Eigentlich würden auch Medikamente zu den Alltagsdrogen zählen, ich behandele dieses Thema jedoch unter „Softdrogen" im nächsten Teil.

Natürlich hängt die bevorzugte Drogenart oder -kombination von der einzelnen Person ab, teilweise aber auch von den Umständen der Pokerpartie. Eine lockere Sachpreisturnier-Atmosphäre oder gar eine Homerunde um wenige Cent verleiten eher zum Alkoholkonsum, als ein Cashgame mit hohen Einsätzen oder ein Deep-Stack-Casinoturnier. Online-Gambling zu Hause erfordert wegen der fehlenden Kontrollmechanismen große Selbstdisziplin, um mit Suchtmitteln nicht exzessiv umzugehen. Ist Rauchen am Tisch erlaubt, gibt es für den Nikotinsüchtigen kein Problem. Andernfalls verpasst er je nach Suchtlevel etwa 5 bis 10 Prozent aller Starthände, ein echtes Handicap!

Ein stark angetrunkener Spieler hat keine reelle Chance. Er wird zur leichten Beute für die Nüchternen.

betrunken
Leichte Beute für die Nüchternen.

Aber erkläre mal einem Münchener oder einem Dortmunder (früher einmal besaßen diese beiden Städte die meisten Brauereien), dass Bier Alkohol enthält. „So ein Quatsch, das ist unser Grundnahrungsmittel!". Solange die Konzentration und die realistische Einschätzung der Spielsituation nicht leiden, die feinen Antennen und Sensoren noch funktionieren, ist gegen wenige Glas Bier auch nichts einzuwenden. Das gilt eigentlich für alle Suchtstoffe.

In einer Studie der britischen Regierung rangieren die beiden legalen Drogen Alkohol (5.) und Tabak (9.) in den Top-Ten der schädlichsten Suchtmittel.

Hinter Heroin und Kokain, aber noch deutlich vor LSD und Ecstasy.

Ebenfalls weit vorn befinden sich die Alltagsdrogen in der Rangliste, was das Abhängigkeitspotenzial anbelangt. Von maximal 9 möglichen Score-Punkten erreichen Alkohol 5,54 und Tabakprodukte 4,86 Punkte.

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Zahnausfall durch Kautabak - Poker im Wilden Westen.

Leider habe ich in Las Vegas nicht darauf geachtet, ob in den Casinos noch

Spucknäpfe stehen wie in den Saloons der Western-Filme. Gekaut wird der Tabak jenseits des großen Teiches jedenfalls heute noch. Der Stoff ist so stark, dass durch den Konsum im Extremfall die Zähne ausfallen. Aber einerlei, ob nun geschnupft, gekaut oder inhaliert: Nikotin hat ein extrem hohes Sucht- und Schädigungspotenzial, obgleich frei verkäuflich.

Obwohl Teein streng genommen eine Form von Koffein ist, werden dem grünen oder wie auch immer farbenen Tee Gehirntätigkeit anregende Eigenschaften zugesprochen. Er sei nicht Herz- und Kreislauf belastend wie koffeinhaltige Getränke, beispielsweise Kaffee, Cola oder Energy-Drinks. Die letztgenannten, unter Namen wie „Relentless", „Monster", „Burn" oder „Red Bull" vertriebenen

Muntermacher enthalten als aktive Wirkstoffe neben dem bekannten Wachmacher Koffein auch Glucuronolacton und Taurin. Beide Substanzen werden in kleinsten Mengen auch vom Körper produziert und können so die Barriere zum Gehirn passieren.

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Umstrittene Energy Drinks - nur ein Placebo-Effekt?

Außerdem sollen sie die Wirkung von Koffein verstärken, was jedoch unbewiesen und umstritten ist. Teilweise wird lediglich ein Placebo-Effekt angenommen. Der Trinker eines Energieboost bilde sich also nur ein, „Körper und Geist zu beflügeln". Mir schmeckt das Zeug nicht, ich ekele mich davor. Zu süß, zu teuer, zu überschätzt, was die Wirkung anbelangt. Dann schon lieber eine Cola, die bis 1906 einen Extrakt aus Cocablättern enthielt, pro Liter 250mg reines Kokain. Zwar sind es seither nicht mehr die wirkungsintensiven Alkaloide, aber Inhaltsstoffe des Coca-Strauch sind bis heute Teil der Rezeptur.

Um nicht in den Verdacht zu geraten, mit erhobenem Zeigefinger den Besserwisser spielen zu wollen, bekenne ich ehrlich, dass ich ein „gebranntes Kind" bin, was den Konsum von Drogen anbelangt. Alkohol, Nikotin, Koffein, Tabletten. Ganz der Typ „Mein Frühstück besteht aus Kaffee und Zigarette!".

Poker und Drogen - die Serie

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Izzo 2010-10-27 02:14:35

Na dann laß deinen Sohn diesen Artikel besser nicht Lesen, der sah noch ziemlich frei von dem Zeig aus!

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Ein deutscher Hobbyspieler ohne WSOP-Allüren, aber mit Sinn fürs Detail.

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