Rainer raist - Wo ist der neue Isildur?

gus hansen viktor blom
Wir brauchen mehr Action, wie sie Gus Hansen und Viktor Blom veranstalteten.

Die goldenen Zeiten des Highstakes-Poker im Internet sind vorbei. Gerade einmal fünf Jahre ist es allerdings erst her, dass an den teuren Tischen von Full Tilt Poker die Fetzen flogen – und das jeden Tag mit Pötten im sechsstelligen Bereich.

Als heutiger Beobachter hat man jedoch längst das Gefühl, dass diese Highstakes-Schlachten aus einer anderen, fast vergessenen Zeit stammen. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

Der Status Quo

Spätestens seit dem Ausscheiden von Viktor Isildur1 Blom und Gus Hansen als Team Pros auf Full Tilt sieht es auf den Highstakes ziemlich düster aus.

Heiße NLHE- oder PLO-Partien mit hohen Blinds und gewaltigen Pots entwickeln sich nur noch selten, wenn überhaupt wird nur noch Triple Draw um höhere Summen gespielt – doch diese Variante ist wegen ihrer Setzstruktur weniger spektakulär und kaum publikumswirksam.

Hinzu kommt, dass die chinesischen Wale seit der letzten WSOP in Konflikten mit der amerikanischen Gerichtsbarkeit stecken und seitdem fast vom Erdboden verschwunden sind. Spieler wie samrostan und MalACEsia lockten immer die Regulars an und sorgten für einigen Schwung an den teuren Tischen.

Und damit ist es kein Wunder, dass es weniger Railbirds und damit weniger Traffic auf den großen Seiten Full Tilt und PokerStars gibt, die einst für die dramatischen Highstakes-Duelle standen.

Ein Rückblick

Werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf diese sagenhafte Zeit, als tagtäglich die Fetzen flogen und das Chatfenster von Full Tilt sich in der Geschwindigkeit eines Düsenjets füllte.

In ein vorhandenes Umfeld, das vor allem aus amerikanischen Top-Spielern wie Phil Ivey, Tom Dwan und Phil Galfond sowie einigen wenigen Europäern wie Patrik Antonius und Gus Hansen besteht, dringt ein unerschrockener Jüngling ein, dessen Identität zunächst nicht geklärt ist.

Bald ranken sich Mythen um den Spieler schwedischer Herkunft, doch das Entscheidende ist, dass er den Betrieb auf den Highstakes auf Hochtouren bringt und massenhaft Zuschauer anzieht.

Er schert sich nicht um Bankroll-Management, er setzt sich keine Verlustgrenzen und letztlich verliert er die Millionen, die er zuvor in wenigen Wochen gewonnen hat, in ein oder zwei Tagen.

Unterm Strich tat er also genau das, was sich der etablierte und gediegene Pokerprofi immer verkneifen muss – er ließ die Sau raus und scherte sich einen Dreck um das Morgen.

Ein Ausblick

Genau ein solcher Spieler muss wieder her. Es wäre übertrieben, von einem aseptischen Klima im Spitzenpoker zu sprechen, aber es fehlt definitiv die Würze, kurzum es fühlt sich bisweilen an, als wäre Bayern München gerade zum 34. Mal in Folge Deutscher Fußballmeister geworden.

Wo also ist der Spieler, der die Highstakes aufmischt? Der Spieler, der sich mit Glück und Können durch die Limits grindet und sich seinen Weg nach oben bahnt? Der sich, dort angekommen, weiterhin wenig um solides Bankroll-Management schert, sondern aus purer Lust auf das Zocken, auf das Risiko und auf den geistigen Wettstreit in epische Duelle mit der Weltklasse verstrickt?

Vermutlich sind die heutigen Zeiten im Internet-Poker so hart, dass es schwer wird einen solchen Spieler zu finden, zumal das Niveau immer mehr steigt.

Und doch sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben, denn ein solcher Spieler wäre ein Segen für die gesamte Pokerbranche – und das nicht nur ökonomisch.

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