Poker - Wer gewinnt wirklich?

Deathmatch at the Rio
Sie gehören vermutlich zu den Gewinnern.

Alle Pokerspieler sind Gewinner - jedenfalls bekommt man diesen Eindruck, wenn man ihnen zuhört.

Gewinnen. Das ist das wichtigste Thema auf allen Websites und in allen Pokerblogs, Chat Rooms und Foren. Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und dafür auf einigen dieser Schauplätze umgesehen.

Meine Pokerkollegen sind recht erfolgreich und kennen sich in dem Spiel sehr gut aus. Dieser Artikel ist also auch Ergebnis zahlreicher Diskussionen, für die Schlussfolgerungen bin jedoch ausschließlich ich verantwortlich.

Ich erwarte nicht, dass jeder meiner Meinung ist. Wenn Sie eine andere Meinung haben, ist das Ihr gutes Recht. Uneinigkeit ist ein guter Ausgangspunkt für fruchtbare Diskussionen.

Zunächst ist von entscheidender Bedeutung, auf welchem Level gespielt wird. Diese Frage ist von so gravierender Bedeutung, dass ich das Thema aufteilen möchte: „Levels" bezieht sich hier im Übrigen auf Können, nicht auf Geld. Man findet sehr gute Spieler auf niedrigen Limits und wirklich schlechte auf hohen.

Zweitens unterscheidet sich eine private Pokerrunde dramatisch von Pokerclubs, Live von Online und shorthanded von Full Ring Games.

Ich werde mich hier ausschließlich auf Ring Games beziehen, die in einem echten Casino stattfinden, und bei denen ein professioneller, beim Casino angestellter Dealer die Karten gibt.

Für die anderen Situationen sind andere Maßstäbe anzulegen - doch das ist eine andere Geschichte, und sie wird an anderer Stelle erzählt werden.

OMG Clay Aiken!!!1
Auch OMGClayAiken hat klein angefangen.

Niedrige Level: Grenzen des Low Limit Spiels

Ich spreche hier von den niedrigsten Limits, die regelmäßig angeboten werden, angefangen von 50c/$1 Limit (auch wenn diese nur selten angeboten werden) bis zu der weiter verbreiteten $1/$2 Partie bis zu dem sehr populären $2/$4.

Auf diesem Level spielen sehr viele Spieler. Ich vermute, dass etwa 80-85% der Spieler nie über diesen Level hinauskommen.

Es gibt nach meiner Kenntnis keine No Limit Partien, die in dieser Kategorie anzusiedeln sind. Die günstigsten Partien laufen normalerweise mit $1/$2 Blinds und einem Maximum Buy-.in von $100, und das ist eindeutig nicht den niedrigsten Limits zuzuordnen.

Ich bin ziemlich sicher, dass es unter den regelmäßigen Spieler auf diesem Level auf lange Sicht keine Gewinner gibt. Null, niemand, nada, keinen einzigen. Dieses Level kann auf Dauer nicht geschlagen werden.

Das Problem ist hier die natürliche Varianz (auch „Glück" genannt), aber es gibt noch weitere Faktoren. Dazu gehört das Rake - es liegt im Allgemeinen bei $3-$5 (manche Cardrooms berechnen sogar %6) pro Hand - das Trinkgeld für den Dealer und der „Bad Beat Jackpot", der heutzutage in vielen dieser Low Level Partien aufgemacht wird.

Damit steigen die Kosten auf bis zu $8 bei jedem einzelnen Pot. In einer $1/$2 Partie entspricht das 4 BB pro Stunde.

Unter diesen Umständen 1 oder 2 BB/h zu gewinnen, ist ein hehres, letztlich aber unerreichbares Ziel, und selbst wenn Sie gut genug sind, um es zu erreichen, dann sind da auch noch die Bedienung, das Benzin und das leibliche Wohl, die bezahlt werden wollen.

Partien auf diesem niedrigen Level sind etwas für Spieler, die nur zum Spaß und zur Erholung spielen. Wenn Sie in einer solchen Partie nur wenig verlieren, sagen wir 1 BB/h, können Sie mit sich selbst hochzufrieden sein.

William Hung
William Hung spielt manchmal niedrige Limits.

Sie spielen ein großartiges Spiel und haben Spaß mit Freunden und Gleichgesinnten, und das Ganze kostet Sie nicht einmal so viel wie ein Abendessen in einem guten Restaurant oder der ein oder andere Kinobesuch. Das Leben ist schön.

Niedrige bis mittlere Limits: Die Fünfprozenter

Ich beziehe mich nun auf den Bereich $4/$8 bis $10/$20, höchstens $15/$30 bei Limit-Partien und $1/$2 No Limit bei einem Maximum Buy-in von $200.

Auf diesem Level ist es möglich, auch langfristig beständig zu gewinnen, aber das ist eine geradezu herkulische Herausforderung. Rake, Trinkgeld und Bad Beat Jackpots schlagen auch hier dramatisch zu Buche.

Es ist schwer zu sagen, wie jemand auf dieser Ebene einen positiven Erwartungswert erzielt. Meiner Meinung nach sind es nicht einmal 5%, denen es gelingt, auf diesem Level in einem Cardroom langfristig Geld zu verdienen.

Manche, wirklich gute Spieler mit gutem Bankroll-Management, die praktisch Tilt-resistent sind, machen vielleicht 1 oder 2 BB/h, aber diese Spielerexemplare findet man höchstselten.

Mittlere bis semi-hohe Limits: Auftritt der Profis

Diese Partien laufen auf $20/40 bis $80/$160 Stakes Limit Poker bzw. $2/$5 bis $10/$20 No Limit Partien. Auf diesem Niveau ändern sich die Verhältnisse. Meiner Schätzung nach sind 10-15% der regelmäßigen Spieler auf diesem Level langfristige Gewinner (vielleicht auch etwas mehr, das ist schwer zu sagen).

Das Rake spielt nun keine große Rolle mehr, viel wichtiger aber ist, dass man auf diesem Niveau die ersten regelmäßigen „Geldgeber" trifft, Leute mit dickem Portemonnaie und Lust zum Gamblen.

Regelmäßige Spieler, die auch mit schwarzen Chips Craps spielen und mit violetten Chips am Blackjacktisch stehen, spielen auch gerne eine Runde Poker, haben aber keinen Spaß daran, auf niedrigen Levels zu spielen. Sie stellen für gute Spüieler meistens keine echte Hürde dar und sind deshalb wichtige für den Profit.

Es ist keine Überraschung, dass hier die ersten Pokerpros auftauchen.

Guy Laliberte
Guy Laliberte gehört in die folgende Kategorie.

High Stakes: Angriff auf die Reichen

Unter High Stakes verstehe ich alles, was über den bisher angesprochenen Limits liegt. Hier findet eine weitere Verschiebung der Bedingungen statt. Nach meiner bescheidenen Meinung ist mehr als die Hälfte der Spieler auf lange Sicht erfolgreich.

Wie in der vorhergehenden Kategorie sind dafür einige (wenige) finanzkräftige Sponsoren verantwortlich.

Es gibt viele Millionäre, die sich nach ein wenig Action sehnen - wahrscheinlich würden Sie einige Namen wiedererkennen, würde ich sie hier nennen. Oft sind sie auf niedrigeren Levels durchaus gute Spieler, sie wollen aber lieber mit den Besten am Tisch sitzen. Ohne solche Spieler würden sich die Top-Profis nur gegenseitig die Chips zuschieben.

Insgesamt sind wohl nur etwa 5% der regelmäßigen Spieler auf lange Sicht erfolgreich. Dieser Anteil ist allerdings sehr ungleich auf die gesamte Bandbreite der Levels verteilt.

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