Ausblick auf das Pokerjahr 2014

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Was das zu Ende gehende Pokerjahr brachte, können Sie in unserem vierteiligen Jahresrückblick nachlesen, doch an dieser Stelle richten wir bereits den Blick nach vorne und widmen uns der Frage, was das Pokerjahr 2014 bringen wird. Wie wird sich die Branche entwickeln, welche entscheidenden Knackpunkte gibt es und wie wird das Jahr aus deutscher Sicht?

1) Die sportlichen Perspektiven der deutschen Spieler

Beginnen wir mit dem vermutlich erfreulichsten Teil. Die deutschen Spieler sind nicht erst seit gestern in der Weltspitze angekommen, vielmehr war 2013 ein Jahr der Bewährung.

Die Schemion, Gruissem, Rettenmaier, Finger & Co. unterstrichen eindrucksvoll, dass man bei den großen Turnieren die Rechnung nicht ohne die Deutschen machen kann.

Auch im Online-Cashgame ist Deutschland an der Spitze angekommen, der mit Abstand erfolgreichste Spieler war mit Gewinnen von über 6 Millionen Dollar Niklas ragen70 Heinecker.

Für ein Land, in dem Poker vor zehn Jahren noch nicht einmal Randsportart war, ist diese Entwicklung überragend. Im Highroller-Turnier-Bereich mischen die Deutschen nicht nur mit, sondern haben sogar das weltweite Kommando übernommen.

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Es spricht also alles dafür, dass die deutschen Spieler auch im kommenden Jahr wieder EPTs, WPTs, Super-Highroller-Turniere und WSOP-Bracelets gewinnen werden.

Und wer weiß, vielleicht wird einer von ihnen sogar der ganz große Champion 2014 und gewinnt das Big One for One Drop, bei dem dieses Mal vermutlich ein Preisgeld von 20 Millionen Dollar für den Sieger fällig wird.

Großer Wermutstropfen aus deutscher Sicht ist die ziemlich überraschende Absage der EPT Berlin, die uns zum zweiten Punkt bringt.

2) Die rechtlichen Perspektiven

Die rechtliche Lage in Deutschland ist weiterhin sehr verworren, da schlicht nicht eindeutig geklärt. Genaue Gründe wurden für die Absage der EPT Berlin nicht genannt, doch ist klar, dass die zwangsläufige Verbindung eines solchen Großereignisses mit einem Online-Anbieter (PokerStars) in einem Staat, in dem Online-Poker sich in einer Art rechtsfreiem Raum bewegt, Nachteile mit sich bringt.

Für die Entwicklung des deutschen Poker ist diese Absage sehr von Nachteil. Zumindest im ersten Halbjahr 2014 wird es in Deutschland kein großes Pokerturnier geben, das bedeutet, dass auch der damit verbundene Medienhype sowie eine Unmenge von Online- und Live-Satellites ausfallen.

Eine vernünftige politische Lösung, wie sie in Frankreich, Italien oder Spanien gefunden wurde, ist in Deutschland leider mittelfristig nicht in Sicht, doch trotz der insgesamt mäßigen Perspektiven gibt es eine riesige Chance.

Im hohen Norden scherte das Bundesland Schleswig-Holstein Anfang 2012 aus dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag aus und vergab jeweils für sechs Jahre insgesamt 49 Lizenzen an private Sportwetten-Anbieter und Online-Casinos.

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Die neue Regierung ist mittlerweile zwar wieder in den Länderbund eingeschert, doch die unter CDU/FDP-Ägide geschlossenen Verträge gelten natürlich weiterhin.

Genau hier liegt die kurzfristige Zukunft (wenn man fünf Jahre in diesem Geschäft so bezeichnen will) für große Pokerturniere in Deutschland.

In Schleswig-Holstein gibt es keine rechtlichen Probleme mit Online-Qualifikanten und die beiden Ausrichter der größten internationalen Turnierserien EPT und WPT, bwin/PartyPoker und PokerStars, haben sich die entsprechenden Lizenzen gesichert.

Noch ist nichts spruchreif, doch sickerten Informationen durch, wonach es schon Ende nächsten Jahres in Schleswig-Holstein zum ersten Großereignis kommen könnte.

Spielbanken, die als potentielle Austragungsorte zur Verfügung stehen können, sind durchaus vorhanden, nun gilt es nur noch, die notwendige Infrastruktur innerhalb der Häuser zu schaffen.

Entsprechende Beschlüsse wurden gefasst – eine erstaunliche, aber auch erfreuliche Entwicklung, gerade vor dem Hintergrund der Berliner Absage, wo die Spielbank im kommenden Jahr auf den Millionenumsatz verzichten muss, den die EPT mit sich brachte. 

3) Die wirtschaftlichen Perspektiven

Natürlich ist es auch wirtschaftlich von Bedeutung, ob ein Großereignis in Deutschland stattfindet, oder nicht. Deutschland ist mittlerweile einer der wichtigsten Märkte für Poker, doch gilt es das Ganze im Gesamten, sprich im internationalen Markt zu sehen.

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Unterm Strich war im Jahr 2013 ein deutlicher Rückgang im Online-Poker festzustellen. Um etwa 10 Prozent sank der Traffic, und das obwohl Ende vergangenen Jahres alle Spieler außer den US-Amerikanern von Full Tilt Poker ihre Bankrolls zurückbekamen.

Schon verloren geglaubtes Geld kehrte in den Markt zurück, doch der Abwärtstrend hielt an. Ebenfalls sehr ungünstig wirkt es sich aus, dass für den internationalen Spielermarkt eine Art Monopol entstanden ist. Ein Angebot für alle Varianten und Limits, das rund um die Uhr stattfindet, gibt es nur noch bei PokerStars.

Der Neuauftritt von Full Tilt Poker wurde zu einem Desaster, aktuell rangiert die frühere Nummer 2 im Markt sogar hinter 888 und dem iPoker-Netzwerk. Hätte PartyPoker seine Spieler nicht gleich mehrfach verprellt, wäre für den früheren Branchenprimus eine deutlich bessere Platzierung drin gewesen als der fünfte Rang.

Perfekt reguliert sind die Märkte in Frankreich, Italien und Spanien, wobei vor allem der westliche Nachbar Deutschlands über eine gute Anbieterstruktur verfügt. Weiterhin dümpelt das Online-Poker in den USA vor sich hin.

Immerhin in zwei Bundesstaaten, Nevada und New Jersey, ist Online-Poker mittlerweile legalisiert, doch wird dort noch mit sehr kleiner Flamme gekocht.

Kommen weitere Staaten dazu, wird sich das gesamtwirtschaftlich positiv für Poker auswirken, doch muss man sich immer im Klaren sein, dass die US-Amerikaner nach aktuellem Recht (wie die Franzosen, Spanier und Italiener) nur untereinander spielen können.

Erst wenn die Gesetzeslage wieder zulässt, dass Amerikaner und Europäer an einem virtuellen Tisch sitzen, wird es einen kräftigen Schub für die Online-Pokerszene geben.

 

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