Sportler und Poker - Leidenschaft oder Spielsucht?

Michael Phelps
Michael Phelps ist der letzte prominente Sportler, der den Weg an den Pokertisch sucht.

Schon während der olympischen Spiele machten Gerüchte über eine angebliche Spielsucht von Rekord-Goldmedaillen-Gewinner Michael Phelps die Runde. Fakt ist: Der 27-Jährige liebt Poker. Aber muss diese Leidenschaft bei ehemaligen Profi-Sportlern zwangsläufig in Verschwendung und finanziellem Ruin enden? Oder sind gerade sie für eine Laufbahn als Poker Pros besonders geeignet? Der Versuch, einem Phänomen auf die Spur zu kommen.

Seine Leidenschaft für Poker ist seit Jahren bekannt. Doch nun, da Michael Phelps vor ein paar Wochen seine glanzvolle Schwimm-Karriere beendet hat, scheint sich das Thema zu verselbstständigen.

Michael denke nur noch ans Gambling, erzählte ein angeblich enger Freund kürzlich besorgt dem National Enquire. Seine „No quit before win“-Einstellung hätte beim Schwimmen perfekt funktioniert, würde ihm beim Poker aber noch „großen, großen Ärger bescheren.“

Phelps Vermögen wird auf 45 Millionen Dollar geschätzt.

Nach Meinung von Marketing-Experten könne sich das in den kommenden Jahren noch verdreifachen. Oder aber an den Poker- und Black Jack-Tischen von Las Vegas in Luft auflösen. Schon jetzt soll der „Golden Boy“ mehrere Hunderttausend Dollar an Pokertischen verloren haben. Phelps selbst gilt als Playboy und sagt über sich, dass er gern professioneller Spieler geworden wäre.

Und tatsächlich ist Poker für Phelps längst mehr als ein Hobby. Der Schwimm-Star lebt mit einem Poker Pro (Jeff Gross) zusammen und spielt einmal wöchentlich in einer festen Runde mit einem Buy In von $25.000.

Er trifft sich offenbar regelmäßig mit Phil Hellmuth und ist so in das Business involviert, dass er bei der WPT in Philadelphia im August diesen Jahres täglich Grüße an den späteren Sieger Anthony Gregg twitterte.

Boris Becker
Bcker war der erste deutsche Spitzensportler in der Pokerbranche.

Wie wichtig Poker für Michael Phelps mittlerweile geworden ist, zeigten die Olympischen Spiele von London. Der Megastar hatte die britische Hauptstadt noch vor der Abschluss-Veranstaltung verlassen, um mit seinen Pokerfreunden einen wohlverdienten Urlaub auf den Malediven zu verbringen.

Aber sind das alles wirklich schon Indizien für eine Spielsucht? Fakt ist, dass Michael Phelps einer langen Tradition folgt. Vor allem Sportler haben während oder nach ihrer Karriere immer schon ein besonderes Faible für Poker, Glücksspiel und jede Art von Wetten gehabt.

Manche, wie die Ex-Fußballer Teddy Sheringham, Andreas Krause oder der Eishockey-Spieler Greg FBT Mueller haben sich im Poker-Zirkus durchgesetzt und gelten längst als ernstzunehmende Profis. Andere, wie Basketball-Gott Michael Jordan, Kult-Profigolfer John Daly oder Deutschlands Ex-National-Torwart Eike Immel verbrannten hingegen Millionen.

Und Michael Phelps wird nun genau vor diesem Scheideweg stehen. Dabei werden ihm, als Ex-Sportler einige seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten durchaus von Nutzen sein. Aber es gibt offenbar auch einige ganz spezifische Fallstricke.

So sehen Psychologen vor allem Spitzensportler besonders gefährdet, wenn es um Spielsucht geht. Die meisten stünden während ihrer Karriere unter starkem Erfolgsdruck, erlebten dafür aber eine überwältigende Belohnung in Form von Anerkennung, Prestige und Erfolgen. Fallen diese Faktoren nach dem Karriereende weg, beginnen die Probleme.

Viele Ex-Sportler berichten, dass es ihnen schwer fällt, ohne Wettkampf zu leben. Schon mit dem Beginn ihrer Karriere treten sie in eine Parallelwelt ein, die mit dem normalen Leben wenig zu tun hatte.

Während Altersgenossen studieren oder eine Ausbildung machen, gehen vor allem bei Spitzensportlern die ersten fünfstelligen Monatsgehälter ein. Große Teile ihrer Zeit verbringen sie mit ihren Kollegen: in einer testosterongesteuerten Leistungsgesellschaft, mit viel Freizeit und viel Langeweile.

Doch Michael Phelps könnte - vorausgesetzt er hat das Talent und den Ehrgeiz - ebenso gut eine erfolgreiche Poker-Karriere bevorstehen. Beispiele, dass das auch bei Ex-Spitzensportlern gelungen ist, gibt es genug.

Vikash Dhorasoo beispielsweise: der galt lange als größer Kreativer des französischen Fußballs, hinter Zinedine Zidane und spielte für Olympique Lyon, Paris Saint Germain und den AC Mailand. Nach Beendigung seiner Fußball-Karriere widmete er sich dem Poker. Mit durchschlagenden Erfolg.

Innerhalb von kürzester Zeit gewann er eine halbe Million Euro in Live-Turnieren und sagte bezüglich seines Karrierewechsels:

„Durch Poker erhält man sich die Nähe zu den Werten des Sports. Man behält als Aktiver den Kontakt zu den Medien. Man kann sein Geld investieren und bekommt darüber hinaus einen Einblick in  die Gesetzmäßigkeiten des Geschäftslebens.“


 

Lesen Sie hier, welche Sportler den Schritt zum Poker erfolgreich absolvierten

und lesen Sie hier, wen Poker an den Abgrund des sozialen Abstiegs gebracht hat, oder sogar einen Schritt weiter.

 

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Frank Lavario 2012-09-26 21:40:28

Wer spielsüchtig ist, wird wohl kaum die Energie haben, um auf DEM Niveau zu trainieren und zu schwimmen wie Phelps dies tut.