Poker und Golf – eine verhängnisvolle Affäre

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27 Mai 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand , Featured
Poker und Golf – eine verhängnisvolle Affäre

Der Golfplatz war schon für die Pokerspieler der ersten Stunde das zweite Zuhause. Das liegt an den vielen Gemeinsamkeiten dieser auf den ersten Blick so unterschiedlichen Welten.

„Golf-Wetten sind für einen Poker-Pro die schönste Nebensache der Welt. Eine unglückliche Karte kann dich beim Poker töten, aber beim Golf beträgt der Glücksfaktor maximal zwei Prozent.“

Dieser Satz stammt von Daniel Negreanu und sagt schon Vieles über eines der beliebtesten Hobbys der Poker-Community aus. Egal was man über die Gewohnheiten, seltsamen Spleens und skurrilen Side-Bets von Brunson, Ivey & Co gehört hat, Golf ist irgendwie immer mit dabei.

In den USA gab es auf dem Höhepunkt des weltweiten Pokerbooms die überaus populäre High Stakes Golf Tour, in der sich die bekanntesten Pokerspieler der Welt Duelle auf dem Green lieferten, und auch in Europa wurde um das Jahr 2007 die Kombination Poker und Golf immer beliebter.

dirk nowitzki golf
Auch Dirk Nowitzki greift gerne mal zum Schläger.

Unter dem Motto „Golf meets Poker“ wurden zum Teil hohe fünfstellige Preise ausgelobt. Hermann Pascha bat 2011 in Zusammenarbeit mit dem Wiener Montesino ebenso zum Poker+Golf wie Michael Keiner 2012 und 2013 im Kings Casino in Rodzvadov.

Und Golf-Legende Tiger Woods veranstaltete in diesem Jahr in Las Vegas den bereits 15. „Tiger Jam“, der traditionell mit einem High Stakes Pokerturnier eröffnet wird.

Doyle Brunson, Phil Ivey, Daniel Negreanu, Dan Shak, Mike Sexton, sowie Kid Rock, Milliardär Mark Cuban und der deutsche Basketballer Dirk Nowitzki blätterten dafür jeweils 10.000 Dollar Buy In auf den Tisch.

Die Spiele mit den Karten und dem weißen Ball scheinen sich perfekt zu ergänzen. Dabei weisen Golf und Poker auf den ersten Blick nicht allzu viele Gemeinsamkeiten auf. Was also zieht die Poker-Pros so verführerisch auf das Green und zumindest die Gambler unter den Golfspielern ebenso zwangsläufig an den Pokertisch?

Für Dan Spiller, Spielanalytiker an der Ohio State University in Columbia liegen die Schnittpunkte beider Spieler klar auf der Hand:

„Der Spielfluss beim Poker wie auch beim Golf wird durch die verschiedenen Setzrunden beziehungsweise Schlagpausen unterbrochen. Das eröffnet den Kontrahenten immer wieder die Möglichkeit, den Verlauf einer Partie durch Ansagen, Side-Bets oder Bluffs zu beeinflussen.“

Gerade in den 20er und 30er Jahren, als der professionelle Golfsport in den USA noch in den Kinderschuhen steckte und auf der Major-Tour vergleichsweise geringe Summen verdient werden konnten, waren die Vereinshäuser der Golfclubs Ziel professioneller Gambler, Abzocker und auch der Pokerspieler.

Amarillo Slim Preston
Amarillo Slim nutzte den Wetterbericht zu seinem Vorteil.

Die ausschließlich auf ihre technischen Fähigkeiten fixierten Golf Pros, als auch die in den Clubs verkehrenden Millionäre wurden so immer wieder Opfer spektakulärer Wetten.

Alvin Clarence Thomas, besser bekannt, als „The Unsinkable“ oder „Titanic Thompson“ und wohl der Grandfather aller Golfhustler erinnerte sich später an diese Zeit:

„Rein technisch war ich vielen Gegnern auf dem Golfplatz weit unterlegen.

Doch durch Poker hatte ich gelernt, dass zu einem erfolgreichen Spiel auch Strategie und vor allem Psychologie gehören.

Gerade wir Pokerspieler waren in der Lage sämtliche, noch so unbedeutend scheinenden Faktoren zu unseren Gunsten zu nutzen und damit den Gegner mental unter Druck zu setzen.“

So nahm Titanic einem für seine langen Drives berühmten Champion um 20.000 Dollar ab, indem er ihm drei Drives pro Loch zugestand – der Mann war schon bald zu erschöpft, um noch einen sauberen Abschlag hinzubekommen.

Amarillo Slim gewann eine hoch dotierte Golfwette, weil er den Wetterbericht zu Rate gezogen hatte und wusste, dass für den nächsten Tag Schneefall vorausgesagt war und Johnny „The Boss“ Moss, ebenfalls ein versierter Golfhustler gewann auf Ansage ein Spiel mit nur einem Schläger, weil er sein vereinbartes Wedge zu einem 5-er Eisen hatte umbiegen lassen.

Der Einfallsreichtum der Gambler auf dem Golfplatz kannte keine Grenzen. Und es gab eine Menge Geld zu verdienen. Ein Wunder war es deshalb nicht, dass zahlreiche spätere WSOP-Champions ihre Karriere auf dem Green begannen.

Berry Johnston, Gewinner des Main Events von 1986 verdankte nach eigenen Angaben einen Großteil seines psychologischen Gespürs für den Gegner seinen frühen Jahren auf dem Golfplatz.

„Wir hingen mit Anfang 20 von früh bis spät in Golfclubs herum und spähten unsere Opfer aus. Wenn wir eins gefunden hatten, setzten wir jegliche erdenklichen Bluffs ein, um unsere wirkliche Spielstärke zu verschleiern.

golf fans
Golf-Fans - Side-Bets und dumme Sprüche.

Beim Spiel dann setzten wir die Kontrahenten durch permanente Side-Bets und dumme Sprüche mental unter Druck. Obwohl wir nicht gerade exzellente Golfspieler waren, verließen wir den Platz nur selten als Verlierer.“

Die Tage der Golf Hustler waren mit der weitgehenden Professionalisierung des Sports gezählt. Doch den Pokerspielern von heute haben sie neben der Liebe zum Green auch jene für spektakuläre Side-Bets hinterlassen. Nur nehmen die Pokerspiele heute nicht mehr Profis der PGA oder Millionäre aufs Korn, sondern lieben es, sich mit Ihresgleichen zu messen.

Dabei kann es pro Loch schon mal um einen Betrag von einer Million Dollar gehen. Beim „Doyle Brunson & Dewey Tomko Invitational Turnier“, dem Eröffnungsturnier der High Stakes Entertainment Golf Tour 2007 in Las Vegas hatten Phil Hellmuth, Daniel Negreanu, Phil Ivey, Eric Lindgren und noch einige andere bekannte Pokerspieler jeweils 200.000 Dollar eingezahlt.

Zum Wahnsinn um die Golf-Leidenschaft der Pokerspieler passt auch die folgende Anekdote von Mike Sexton:

„Während der WSOP 1995 wurde Doyle Brunson an denselben Tisch gelost wie Howard Lederer und Huck Seed. Beide spielten damals eine Menge Golf und hatten Doyle schon länger im Visier. Brunson, der es satt hatte, vorgeführt zu werden, willigte schließlich in einen Wettkampf ein und erklärte sich bereit, mit mir gemeinsam in einem „Scramble-Match“ anzutreten. (Das bedeutet, beide Partner schlagen jeweils ab und der bessere Ball wird jeweils weitergespielt).

Die Partie sollte drei Wochen nach der World Series stattfinden. Der Wetteinsatz von ursprünglich 20.000 Dollar wurde vom Altmeister Schritt für Schritt auf sagenhafte 800.000 Dollar erhöht. Am Tag des Showdowns folgten uns dann 50 Spieler während des ganzen Kurses.

Es sah aus wie bei einem PGA-Tour-Event. Und obwohl Doyle schon damals über 60 war und kaum ohne Krücken laufen konnte, gewannen wir das Match.

Doyle Brunson
Weiß, wie man mentalen Druck ausübt - Doyle Brunson.

Der Druck, den Dolly wochenlang sowohl finanziell, als auch medial auf die beiden ausgeübt hatte, ließ Seed und Lederer während der ganzen Partie nie zur Normalform finden.“

Die Partien der Poker Pros hatten in ihrer Form eigentlich nie sehr viel mit dem klassischen Golf zu tun gehabt, sondern waren mehr ein Spiel mit Randbedingungen und mentalen, wie physischen Drucksituationen.

So schaffte es eine Golfwette sogar in den Hollywood-Film Lucky you mit Eric Bana: Erick Lindgren wollte nach dem Ausscheiden beim 50.000 Dollar H.O.R.S.E.-Event 2007 eigentlich bei einer Runde Golf entspannen. Daraus wurde allerdings nichts.

Nach einer durchzechten Nacht mit Kumpel Gavin Smith ließ sich Lindgren auf eine monströse Wette ein. Er wettete um 340.000 Dollar, dass er an einem einzigen Tag vier volle Runden auf Vegas härtesten Golfplatz spielen könne!

Die Wette wurde allerdings mit einem kleinen Handicap versehen: Der damals 31-jährige durfte pro Runde nur eine Flasche Wasser trinken, musste seine Golfschläger selbst tragen und solle unter 100 Schlägen pro Runde bleiben.

Lindgren schaffte die ersten beiden Runden mit Leichtigkeit. Doch in den Nachmittagsstunden kletterte das Thermometer auf 38 Grad Celsius. Völlig am Ende verwandelte Lindgren in den frühen Abendstunden seinen letzten Putt und gewann die Wette.

Allerdings gab er später zu: „Der Tag hat mich fast acht Kilo Gewicht und wahrscheinlich ein paar Jahre meines Lebens gekostet.“

Sogar Bernhard Langer, deutscher Golfprofi und zweimaliger Gewinner der US-Open äußerte sich im renommierten „CigarAficionado“-Magazine über den Zusammenhang von Poker und Golf:

„Sowohl Golf als auch Poker sind Spiele für Individualisten. Der Spieler kann sich nicht hinter einem Partner verstecken und ist deshalb einem immensen psychologischen Druck ausgesetzt.“

Schon ein kleines Zittern in der Hand (bei den Golfern auch als „Yips“ bekannt) könne einen Riesen in einen Zwerg verwandeln. Gerade Pokerprofis seien Meister darin, einen Kontrahenten psychologisch zu zerstören.

daniel negreanu golf
Ein einziger Schlag beim Golf kann glücklich machen.

„Wenn ein professioneller Golfspieler gegen einen halbwegs versierten Pokerprofi auf dem Green antreten und der Einsatz eine gewisse Grenze überschreiten würde, würde ich nicht mehr unbedingt darauf wetten, dass der Golfer gewinnt.“

Aber es gibt noch einen anderen Grund, der die meisten Pokerspieler auf das Green treibt:

„Du sitzt den ganzen Tag am Tisch oder vor dem Computer und siehst, wenn du nicht aufpasst, das Sonnenlicht eigentlich nie“ beschrieb einmal die Berliner Pokerspielerin Sandra Naujoks ihre Liebe zum Golf.

„Auf dem Golfplatz bist du dann an der frischen Luft und kannst, gerade wenn du alleine spielst, extrem gut relaxen. Ein gelungener Drive kann manchmal glücklicher machen, als der Gewinn eines großen Potts.

Columbia-Professor Dan Spiller packt das dann auch in eine einfache Formel: „Die Erfolgserlebnisse innerhalb einer mehrstündigen Pokerpartie sind rar gesät. Dafür musst du dann die ganze Zeit hochkonzentriert arbeiten. Eine Golfpartie hingegen kann dich an jedem Loch und bei jedem Schlag belohnen.“

 

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