Poker Tipps vom Pro: Handanalysen von Bracelet-Gewinner und Onlinelegende Calvin “cal42688” Anderson

Calvin Anderson

Calvin “cal42688” ist einer der erfolgreichsten Onlineturnierspieler der Welt. Außerdem gewann er bei der WSOP ein Bracelet beim Stud Hi/Lo, einer der komplexesten Pokervarianten, die es gibt. Für uns analysierte er ausführlich drei sehr interessante Hände unseres Kollegen Lee Davy, bei denen man einen Einblick in die Denkweise eines absoluten Topspielers bekommt.

Hand #1 - Blinds 25/50

Der Starting Stack bei der 888 Local Series Dublin betrug 25.000 Chips und die Levels dauerten 30 Minuten.

Ich raise UTG mit Pocket Achten auf 150 und bekomme vier Caller.

Der Flops ist      

Ich mache eine Contibet in Höhe von 350 und werde von einem Gegner gecallt, der Position auf mich hat.

Am Turn kommt die   und ich entscheide mich für einen Check/Fold, da sich meiner Meinung nach zu viele Buben in seiner Range befinden.  

Die Frage

Das ist eine absolute Standardsituation, die relativ häufig auftritt. Da mein Preflop-Raise von vier Spielern bezahlt wurde, ging ich davon aus, dass seiner von ihnen einen Buben hat, aber Pocket Eigths einfach so zu folden fand ich zu weak.

Deshalb habe ich gebettet, hätte ich Check/Fold spielen sollen?

Calvin Anderson: Versuche dir immer schon vorher einen Plan für die gesamte Hand, Preflop bis River, zurechtzulegen.

Wenn du dich für eine Contibet entscheidest, dann hängt dein nächster Zug davon ab, wie viele Caller du bekommst oder ob jemand raist. Falls zwei Gegner callen, dann würde ich Check/Fold spielen, da einer von ihnen definitiv den Buben hat.

888Live Local Series London
Alle Hände stammen von der 888 Local Series in Dublin.

Falls nur ein Gegner bezahlt, dann kommt es darauf an, um welchen Gegnertypen es sich handelt. Folgende Fragen solltest du dir stellen: Ist dieser in der Lage zu floaten, ist er aggressiv, spielt viele Hände und foldet ungern?

Wenn ja, dann würde ich hier noch nicht aufgeben, handelt es sich jedoch um einen tighten Spieler dann ist das auf jeden Fall ein Fold.

Gegen einen aggressiven Gegner würde ich auf dem River dann  erneut Check/Call spielen, falls dieser kein Kreuz ist.

Da es sich um ein Low-Buy-In-Turnier (Buy-In €220) handelt, denke ich nicht, dass er gut genug ist, um mit einem Buben noch einmal zu betten, und würde ihn auf einen Bluff setzen.

LD: Wenn Preflop vier Spieler callen, dann gebe ich hier auf, da ich davon ausgehe, dass der Gegner nach seinem Call auf dem Flop einen Buben haben muss.  

CA: Bei vier Callern stimme ich dir zu. Die Bet ist ebenfalls nachvollziehbar, weil du deine Hand gegen Overcards und Straight Draws schützen musst und möglicherweise noch Value von schwächeren Händen bekommst.

Checken solltest du dann, wenn du entweder aufgeben möchtest oder davon überzeugt bist immer noch die beste Hand zu halten und Bluffs induzieren willst.

Das Entscheidende ist, dass du genau weißt, warum du etwas machst.

LD: Ich habe das Pokerspielen mithilfe von Starting Hand Charts gelernt, was es nun erschwert sich als Pokerspieler weiterzuentwickeln, da meine Spielweise ziemlich festgefahren ist. Ich habe ein Pocketpair in einer bestimmten Position und mache ein Raise unabhängig von der Dynamik am Tisch.

CA: Solange du dir dessen bewusst bist, macht das nicht viel aus, da du dies relativ einfach ändern kannst. Schlimm wäre wenn du UTG mit jedem Pocketpair raisen würdest, und davon überzeugt wärst, dass dies das richtige Play ist.

LD: Da ich aus dem Cash Game Bereich komme setmine ich mit kleinen und mittleren Paaren nur. Wenn ich kein Set oder einen Straightdraw treffe, gebe ich die Hand einfach auf.

Calvin Anderson
"Versuche dir schon vorher einen Plan für die gesamte Hand zurechtzulegen", empfiehlt Anderson.

CA: Es ist sehr schwer sich von Cash Games auf Turniere umzustellen. Ich setmine mit Pocketpairs nur sehr selten. Das macht nur dann Sinn, wenn die Stacks mindestens 60 bb deep sind.

Man kann Turniere in drei Phasen unterteilen: Die frühe Phase (sie kommt dem Cash Game Spieler entgegen, da die Stacks deep sind), die mittlere Phase (bevorzugt den Turnierspieler) und die späte Phase (sie kommt dem Sit and Go Spieler entgegen).

Ich gehöre in keiner der drei Phasen zu den Besten, spiele aber alle drei recht pasabel.

Hand #2 - Blinds 25/50

Ein Spieler openraist auf 350 und ich calle aus dem Small Blind mit Pocket Tens.

Der Flop bringt      

Ich check-calle die Contibet in Höhe von 350.

Der Turn   wird von uns beiden gecheckt.

Am River kommt der   und wir teilen den Pot.

Die Frage

Hätte ich auf dem Flop raisen sollen? Bei der World Series bin ich in einer ganz ähnlichen Situation ausgeschieden, als ich All-In ging und mein Gegner die Nuts hielt.

CA: Das ist ein Problem von vielen Leuten. Wir erinnern uns gut an sehr emotionale Momente – egal ob positiv oder negativ.

Bei der WSOP hast du ein Set gefloppt, und gegen eine bessere Hand verloren. Allerdings passiert das nur äußerst selten.

Du weißt, dass du die Hand richtig gespielt hast, und dennoch hast du verloren. Das ist dir in Erinnerung geblieben und hat dich hier negativ beeinflusst. Wenn ich ein Turnier spiele und in einer Hand, wo ich alles richtig gemacht habe ausscheide, dann ist das ok für mich.

Scheide ich dagegen durch einen Fehler aus, macht mich das sehr wütend. Das hält aber nicht lange an, da ich mich dann darauf fokusiere mir anzuschauen, was falsch gelaufen ist, um in der Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.

LD: Hätte ich am Flop also raisen sollen?

Calvin Anderson
"Es gibt beim Poker kein richtig und falsch", sagt Calvin Anderson.

CA: Beim Poker gibt es kein richtig oder falsch. Es kommt immer auf die Situation an. Deshalb versuche ich dir zu sagen, was in 80-90% der Fälle der richtige Spielzug ist, und das ist zu raisen. Gegen 10-20% der Gegner sollte man callen.

Die Gründe für ein Raise sind, dass man Value von Händen wie AK, AJ, AT, AQ, J9 und QT und nur gegen drei Hände QQ, KJ und AA verliert.

Aufgrund dessen trifft man dann seine Entscheidungen. Ohne zusätzliche Informationen wie Reads oder History sollte man raisen.

LD: Hätte ich am Turn Bet/Fold spielen sollen?

CA: Nein, ich würde hier nie bet-folden, da deine Hand jede Menge Equity hat. Selbst wenn er einen König haben sollte, dann kannst du immer noch ein Full House oder Quads machen. Außerdem ist es eher unwahrscheinlich, dass der Gegner mit einem König raist. Deshalb würde ich diese Hand am Turn nicht folden.

Hand #8 - Blinds 1.000/2.000 Ante 300

Ich habe 40bb und ein Spieler, der mich covert raist aus Middle Position auf 4.300, und ich calle mit     Nun 3-bettet ein schwächerer Spieler aus dem Cut-Off auf 16.000. Andy Black bezahlt am Button, der ursprüngliche Raiser foldet, und ich calle ebenfalls.

Der Flop ist T84 rainbow und Andy Black und ich folden auf das All-In des Reraisers.

Die Frage

Ich weiß, dass ich nach dem Reraise hätte folden sollen, habe aber gecallt, weil ich eine Hand hatte, die gegen zwei Gegner sehr gut trifft. Ich riskierte etwas weil ich ein Cash Game Spieler bin und keine Edge auf meine Gegner hatte. Außerdem kann man mit 20-25 bb immer noch gut spielen. Ist diese Vorgehensweise in Ordnung?

Calvin Anderson: Wenn du genau wissen willst, ob das ein mathematischer Fehler war, dann kannst du es mithilfe von Flopzilla ausrechnen. Du musst jedoch immer die Range deiner Gegner und deine relative Position beachten. Du sitzt zwischen dem Reraiser und Andy, wirst also gesqueezed.

Die irische Pokerlegende Andy Black saß in Dublin am Final Table
Auch die irische Pokerlegende Andy Black war in eine unserer Hände verwickelt.

Auf den meisten Flops wird der Raiser eine Contibet machen, und dann ist Andy immer noch nach dir an der Reihe. Wenn der Flop z.B. T96 bringt, dann stehst du vor einer sehr schwierigen Entscheidung.

Der Raiser macht eine große Bet und Andy Black sitzt hinter dir, also brauchst du eine sehr starke Hand. In den meisten Fällen verpasst man den Flop jedoch, oder floppt eine marginale Hand.

Zu wissen, wie man auf einem solchen Board weiterspielt, ist sehr wichtig.

LD: Das wusste ich. Der Plan war mit jedem Draw All-In zu gehen oder andernfalls zu folden.

CA: Wenn du weißt, dass du nicht zu den besten Spielern am Tisch gehörst, dann ist es ok in einem solchen Spot zu gambeln.

Falls man kein Small Ball spielen und die Chips herausgrinden kann, dann ändert sich die Spielweise ganz erheblich.

Etwas zu riskieren, um viele Chips zu gewinnen, ist in Ordnung. Ich mache das selbst häufig in der frühen Phase des Turniers, um schnell einen großen Stack aufzubauen, und im weiteren Verlauf davon profitieren zu können.

Es ist sehr wichtig seine Spielstärke im Vergleich zu den Gegnern richtig einzuschätzen, damit man weiß, wann man etwas riskieren sollte und wann nicht. Darüber hinaus sollte man das Potential seiner Starthände genau kennen, und nur große Pötte spielen, wenn man genug Equity hat.

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