Tightes Spiel – So machen Sie sich Entscheidungen leichter

Allen Kessler
Allen "Chainsaw" Kessler - Spezialist für tightes ITM-Spiel.

Es ist nicht nur der Lieblingsspruch von Mike Sexton, Pokerbotschafter und Gesicht der WPT: Man braucht nur fünf Minuten, um Poker zu lernen, aber ein Leben lang, um es zu beherrschen.

Wahre Worte, gelassen ausgesprochen. Ein Großteil der Spieler spielt viel zu viele Hände und hält diese auch dann noch, wenn es schon längst keinen Zweck mehr hat. Das gilt vor allem für Anfänger.

Zu den ersten Dingen die man lernt, wenn man ein Winning Player werden will, gehört die Lektion, weniger Hände zu spielen – also „tight“. Der Grund dafür ist, dass starke Hände sich auf späteren Straßen einfacher spielen lassen.

Tightes Spiel ist ein elementarer Bestandteil profitablen Pokers. Ich schreibe hier absichtlich „profitables“ Poker, weil zwar jeder weiß, wie man Poker spielt, aber nur wenige, wie man auch gewinnt.

Ob wir mit einer Hand fortsetzen wollen oder nicht, entscheiden wir vor dem Flop.

Im Gegensatz zu Flop und Turn, die wir vielleicht ein oder zweimal pro Orbit spielen, müssen wir eine Pre-Flop-Entscheidung in jeder einzelnen Hand treffen. Wer zu viele Hände spielt, bezahlt jedes Mal Geld, wenn eine Hand dabei ist, die man nicht spielen sollte.

Deshalb ist es für jede Pokerstrategie von entscheidender Bedeutung, zunächst vor dem Flop tight zu spielen, bis man eine Strategie wirklich beherrscht.

Mike Sexton
Mike Sexton meint es ernst: Es dauert ein Leben lang...

Vor dem Flop sollten wir nur die besten Starthände spielen. Wir suchen nach Monstern – AA, KK, QQ – und Top Pair Händen. Das sind Hände, die auf dem Flop das höchste Paar treffen können und außerdem einen guten Kicker haben.

Zu diesen gehören z. B. A-K, A-Q, K-Q usw. Hinzu kommen ein paar spekulative Hände, die große Pots gewinnen können, wenn sie den Flop richtig treffen, z. B. T-9s, 9-8s, kleine Pocket Paare usw.

Alle anderen Hände sollten wir als Anfänger meiden wie der Teufel das Weihwasser. Sie haben nicht nur eine negative Gewinnerwartung, sondern sind nach dem Flop auch schwierig zu spielen.

Eine Hand wie K-5s mag vielleicht gut aussehen – immerhin ist ein König dabei, und suited ist die Hand auch. Der Eindruck täuscht. Das ist eine sehr schwache Hand.

Wenn wir damit die Fünf treffen, ist das selten das höchste Paar. Treffen wir dagegen den König, haben wir nur die Fünf als Kicker und werden häufig im Showdown gegen einen höheren Kicker verlieren.

Das ist das Problem mit Händen wie dieser: Sie machen Poker zu einem Ratespiel. Man weiß nie genau, wo man steht. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, beide Karten für eine Straight zu verwenden.

Vielleicht denken Sie jetzt, dass diese Nachteile durch einen potenziellen Flush ausgeglichen werden. Das ist aber nicht der Fall. Dass die Karten suited sind, erhöht die Gewinnwahrscheinlichkeit nur um 2%.

Gus Hansen
Gus Hansens looses Pre-Flop-Spiel sieht einfach aus, führt aber zu komplexen Entscheidungen.

Grob gesagt: Eine Hand, die Sie offsuit folden, sollten Sie meistens auch suited folden. Es gibt Flushes so selten, dass es sich einfach nicht lohnt, schwache suited Hände zu spielen. Also limpen Sie nicht herum, nur weil Ihre Karten suited sind.

Sehen wir uns zum Vergleich eine Hand wie A-K an. Trifft man damit den Flop, hat man automatisch Top Pair mit Top Kicker. Man wird im Showdown nie von einem besseren Kicker geschlagen. Diese Hand kann man mit Selbstvertrauen spielen, denn man weiß zumeist, wo man steht. Man muss relativ wenig „abschätzen“.

Deshalb machen gute Hände das Spiel auf den späteren Straßen leichter. Wir können zum Showdown gehen und wissen dabei, dass wir selten einen Suck-out bekommen.

Spielen wir ausschließlich Hände mit einem positiven Erwartungswert, macht das die ganze Geschichte einfacher. Eine gute Pre-Flop-Hand erweitert sich auf dem Flop zu einer guten Post-Flop Hand. Je mehr schlechte Hände wir nicht spielen, desto leichter treffen wir unsere Entscheidungen auf den späteren Straßen.

Auf die Spitze getrieben hieße das, wir spielen nur Asse, Könige und Damen. Damit wäre das Spiel vor und auf dem Flop viel einfacher. Wir müssten fast überhaupt nicht mehr überlegen.

Johnny Lodden
Denken Sie daran, Sie sind nicht Johnny Lodden. Als Amateur riskieren Sie mit jedem Fehler Ihren Stack.

Mit einem Overpair zum Board würden wir setzen, ansonsten treten wir auf die Bremse. Es gäbe keine marginalen Entscheidungen mehr. Nur noch schwarz und weiß.

Natürlich bringt das gar nichts, weil dieser Stil extrem leicht zu durchschauen und auszunutzen ist. Es geht mir hier nur darum klarzustellen, dass tightes Spiel Entscheidungen auf Turn und River vereinfacht.

Ich würde niemandem dazu raten, nur Asse und Könige zu spielen, aber das wäre immer noch besser, als jede Hand zu spielen. Die Wahrheit liegt mal wieder irgendwo in der Mitte. Schlechte Hände sind zu folden, gute energisch zu spielen.

Vor allem Anfänger sollten sich folgendes vor Augen halten: Jeder Fehler an einem NLHE-Tisch kann die gesamte Bankroll kosten. Amateure und unerfahrene Spieler machen in jeder Session mehrere Fehler.

Je mehr marginale Hände wir spielen, desto schwieriger werden unsere Entscheidungen, und desto mehr Fehler begehen wir. Und je mehr Fehler wir machen, desto häufiger riskieren wir, unseren ganzen Stack zu verlieren.

Deshalb spielen wir zunächst nur gute Hände. Alles andere kommt erst später.

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