Können Pokergewinne wirklich besteuert werden?

justice scales 19863

Die Frage, ob Pokerspieler besteuert werden müssen und ob eine Besteuerung praktisch überhaupt möglich ist, beschäftigt das Finanzamt und die Spieler schon seit Jahren. Wir haben uns die rechtliche Lage genauer angesehen.

Kürzlich wurde die Diskussion, ob Pokergewinne in Deutschland versteuert werden müssen, durch die Klage von Eddy Scharf gegen das Finanzamt wieder angeheizt. In diesem Verfahren soll endgültig festgelegt werden, ob es sich bei Poker um ein Glücksspiel handelt, oder in gewissen Fällen eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt.

Sollte Scharf Recht bekommen und Poker als Glücksspiel eingestuft werden, dann wären alle Einnahmen steuerfrei. Wir wollen uns in diesem Artikel aber nicht mit dem Fall Scharf auseinandersetzen, sondern euch die aktuelle Rechtslage näherbringen.

Zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage: Müssen Pokergewinne versteuert werden oder nicht? Laut Rechtsanwalt Axel Mittig, einem der absoluten Experten auf diesem Gebiet, gilt folgende Regelung:

Axel Mittig
Axel Mittig.

„Gewinne aus Gelegenheitsspielen sind steuerfrei. Wer also in seiner Freizeit gelegentlich in die Spielbank geht und dort erfolgreich ist, hat auf die Gewinne keine Steuern zu entrichten. Ein „Profispieler“ hat seine Gewinne dagegen zu versteuern. Der Bundesfinanzhof hat dies zwar nicht ausdrücklich für den Fall eines Pokerspielers entschieden. Jedoch ist kein Grund ersichtlich, weshalb diese Rechtsprechung nicht auf das Pokerspiel übertragen werden sollte.“

Doch genau darin liegt das Problem. Wie will man festlegen, ob jemand Poker professionell oder hobbymäßig betreibt? Hierzu existieren derzeit noch keine konkreten Richtlinien.

Das Finanzamt hat lediglich ein paar Anhaltspunkte, die es bei der Kategorisierung heranzieht:

  • Wie hoch ist der Zeitanteil des Pokerns an der gesamten Arbeitszeit?
  • Wie oft spielt die Person? (täglich, wöchentlich, monatlich)
  • Handelt es sich bei Poker um die Haupteinnahmequelle?
  • Um welche Einsätze wird gespielt?
  • Liegt eine ernsthafte Gewinnabsicht vor?

Falls jemand anhand dieser Kriterien als Profispieler eingestuft wird, hat er den Status eines Freiberuflers. Und das bringt uns schon zum nächsten Problem, denn dann müsste nicht nur der letztlich erzielte Gewinn versteuert, sondern auch die betriebsbedingten Ausgaben angerechnet und davon abgezogen werden. Das bedeutet, professionelle Pokerspieler können ihre Kosten für Buy-Ins, Reise- und Hotelkosten geltend machen. Allerdings gestaltet sich das in der Realität äußerst schwierig.

Während Reise- und Hotelkosten relativ problemlos abgesetzt werden können, ist das bei den Buy-Ins schon deutlich komplizierter, denn längst nicht jedes Casino stellt Quittungen darüber aus, und zu allem Überfluss werden diese nicht immer vom Finanzamt anerkannt.

Rechtsanwalt Robert Kazemi, der seit Jahren Mandanten im Glücksspielrecht vertritt, sagt dazu: „Die Buy-Ins werden oft schwer nachzuweisen sein, es ist mehr als zweifelhaft, ob Casinos Quittungen hierüber ausstellen. Auch bei Cash Games dürften Nachweise der Kosten jeglicher Art schwer zu führen sein.“

In der Tat ist die Berechnung des erzielten Gewinns beim Cash Game sehr problematisch. Man müsste sich ja praktisch jeden gewonnenen und verlorenen Pot quittieren lassen, was derzeit einfach nicht möglich ist. Somit geht diese Regelung auf Kosten der Cash Game Spieler, denn wer etwas absetzen will, muss dies auch belegen können.

Bei den Pokerturnieren ist die Vorgehensweise des Finanzamts ebenfalls mehr als fragwürdig, denn aktuell werden nur Pokerturniere berücksichtigt, bei denen man Gewinn macht.

Das verstößt gegen die gesetzlichen Bestimmungen, denn wenn Pokergewinne der Gewerbe- bzw. Einkommensteuer unterliegen, dann muss man auch die Möglichkeit haben, Verluste geltend zu machen. Das Absurde daran ist, dass der betroffene Bürger beweisen muss, dass die veranschlagten Einnahmen nicht der Wahrheit entsprechen.

EddyScharf
Eddy scharf, als Poker noch kein Glücksspiel war.

Das Ganze zieht aber noch viel weitere Kreise. Wenn Poker gewerblich gespielt werden kann, dann ist es offiziell kein Glücksspiel mehr. Falls das Gericht der Meinung ist, das es sich bei Poker um ein Geschicklichkeitsspiel handelt, werden die Betreiber der Online-Pokerräume mit Sicherheit darauf drängen, Online Poker zu legalisieren.

Zudem bleiben einige Fragen unbeantwortet. Was ist, wenn sich jemand online über ein Satellite für ein großes Liveturnier qualifiziert? Werden dann nur die Kosten für das Satellite angerechnet oder das komplette Buy-In?

Ein weiterer Sonderfall ist der Verkauf von Shares. Inzwischen ist es gang und gäbe, dass die Pros Teile des Buy-Ins und daraus entstehende Gewinne an Freunde und Bekannte weitergeben, um die Varianz zu senken. Muss das ebenfalls versteuert werden oder betreiben die Anleger möglicherweise sogar Glücksspiel?

Wie ihr seht, ist die aktuelle Rechtslage sehr undurchsichtig und es ist höchste Zeit, dass klare Verhältnisse geschaffen werden. Nun ist es am Finanzgericht Köln, darüber zu entscheiden, ob der Erfolg beim Poker vom Glück oder vom Können abhängt. Eddy Scharf will beweisen, dass Poker ein Glücksspiel ist. Damit wären alle Gewinne steuerfrei.

Das Finanzamt sieht das allerdings ganz anders. Dem Spiegel sagte ein Sprecher, dass „Scharf persönliche Fertigkeiten und ein tieferes Spielverständnis nutze und sich nicht auf sein Glück verlasse.“

Das Verfahren gilt als Musterprozess und wird richtungsweisend sein. Scharf kämpft dabei nicht nur für sich, sondern für alle professionellen Pokerspieler in Deutschland. Deshalb sollte er die volle Unterstützung der Community bekommen. Ein Urteil wird noch in diesem Jahr erwartet.

 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Viktor 2013-01-22 11:21:49

Wenn sich jemand näher mit diesem Thema auseinandersetzen möchte:

http://www.grin.com/de/e-book/203459/gluecksspiele-und-einkommensteuer-ein-kritischer-blick-auf-die-gesetzlichen