Poker Software Stats und wie man sie interpretiert

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Wenn man seine Online Poker Gewinnrate steigern will, lohnt sich oft der Einsatz von Poker Tracking Software. Natürlich muss man wissen, wie man damit umgeht.

Programme wie z. B. Poker Tracker und Hold'em Manager zeichnen nicht nur die eigenen Gewinne und Verluste genau auf, sie verfolgen auch jeden Move jedes einzelnen Gegners.

Mithilfe des HUD (Heads-up Display) kann man die Informationen in leicht verständliche Statistiken umwandeln und neben dem Namen bzw. Avatar der Gegner in Echtzeit am Tisch anzeigen lassen.

Das HUD zeigt detailliert, welche Spielweise die Gegner an den Tag legen, und wenn man die Zahlen richtig interpretiert, kann das die eigene Winrate dramatisch beeinflussen.

Alle Winning Player arbeiten zu einem bestimmten Grad mit Statistiken, aber nur wenige nutzen sie wirklich aus. Wer seine eigenen Waffen aber richtig beherrscht, kann damit auch richtig große Gewinne machen.

Gehen wir die wichtigsten Daten mal kurz durch:

Preflop Stats

VPIP%

Dieser Wert zeigt an, wie häufig der Gegner „freiwillig" Geld in den Pot bezahlt. Dies umfasst pre-Flop Raises, Cold Calls, Auffüllen zum Big Blind usw.

Je höher der VPIP-Wert, desto looser der Spieler. Je niedriger der VPIP, desto tighter der Spieler.

In 6-max NLHE liegen die meisten regelmäßigen Spieler (Regs) zwsichen 19 u. 25% VPIP. Werte darüber oder darunter können zwar porfitabel spielen, sind aber mit Sicherheit nicht optimal.

Das Schaubild unten zeigt, wie das Spielverhalten eines Spielers mit 19% VPIP vor dem Flop ungefähr aussieht.

Fasll Sie mit dem Hilfsprogramm PokerStove nicht vertraut sind, finden Sie hier mehr darüber (English required!).

PFR%

Dies ist der Pre-Flop-Raise-Wert und erklärt sich damit selbst. Er gibt an, wie oft der Gegner vor dem Flop erhöht.

Bei der Mehrheit der Spieler liegt der PFR um 4-6% unter dem VPIP. Ein Spieler mit 20 VPIP% hat meistens einen PFR von 14-19%.

Je größer die Diskrepanz zwischen VPIP und PFR, desto häufiger die Cold Calls des Spielers.

Weist ein Spieler z. B. einen VPIP von 35% und einen PFR von 10% auf, bedeutet das eine Cold-Call-Range von 25%. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen Fisch.

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37; PFR.#

3b%

Dieser Wert gibt an, wie oft der Gegner vor dem Flop re-raist.

Ein Spieler mit 3% 3-Bets erhöht nur mit AA-TT, AKs-AQs und AQo. Light §-Bets sind in seiner Range nicht vorgesehen. Darauf kann man sich gut einstellen.

F3

Dieser Wert erklärt, wie oft jemand auf ein Re-Raise foldet. Ein äußerst hilfreicher Wert für die Auswahl der Hände, mit denen man 3-bettet oder vor dem Flop bezahlt.

Einen Spieler mit einem hohen F3-Wert kann man natürlich gnadenlos light 3-betten. Einen Spieler mit einem niedrigen F3-Wert kann man dagegen mit einer breiteren Range für Value 3-betten.

Dies sind die wichtigsten Werte für pre-Flop-Play. Zwar ist den meisten Spielern klar, was die Werte bedeuten, aber nur wenige machen sich die Mühe, sie auch in Verbindung zueinander zu setzen.

Z. B. wird ein Spieler, dessen VPIP und PFR nahe beieinander liegen, normalerweise einen hohen F3-Wert aufweisen, da er selten coldcallt.

Dagegen hat ein Spieler mit einer großen Lücke zwischen VPIP und PFR eine breite Coldcalling-Range, zu der dann auch viele marginale Hände gehören.

Es genügt nicht, die einzelnen Werte zu kennen. Man muss verstehen, wie die Werte anzuwenden sind, um daraus auch Schlussfolgerungen über die Gegner ziehen und tatsächlich Profit machen zu können.

Post-Flop-Stats

AG

Hierbei handelt es sich um den Aggressionsfaktor. Er zeigt an, wie aggressiv der Gegner spielt. Die meisten Spieler weisen einen Wert 1-3 auf. Ein niedrigerer Wert ist sehr passiv, ein höherer zeigt einen sehr aggressiven Spieler an.

Erhöht ein Spieler, der einen Wert von 0,5 zeigt, ist dies wahrscheinlich kein Bluff, und man benötigt eine sehr starke Hand, um forstsetzen zu können.

Wenn andererseits ein Spieler mit dem Wert 6 erhöht, ist Top Pair wahrscheinlich bereits ziemlich stark.

WTSD%

Gibt an, wie oft der Gegner vom Flop bis zum Showdown mitgeht. Die meisten Spieler haben einen Wert zwischen 20 und 32%.

Ein niedriger WTSD-Wert kann zwei verschiedene Ursachen haben: Entweder lässt der Spieler sich oft ohne Showdown zum Fold bewegen, oder er bewegt selbst seine Gegner oft zum Fold.

Man sollte den WTSD immer im Zusammenhang mit dem AG betrachten. Ist der Gegner passiv und geht häufig nicht bis zum Showdown mit, handelt es sich um einen Spieler vom Typ weak-tight.

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Aaron Jones kalkuliert statistische Werte.

Ist der Gegner aggressiv und weist einen niedrigen WSTD-Wert auf, bringt er andere Spieler sehr oft vor dem Showdown zum Fold. Ein Wert von mehr als 35% bedeutet, dass er sehr gerne Showdowns erlebt.

Auch hier müssen Sie den WTSD-Wert und die Aggression miteinander verknüpfen, um sich ein Bild von dem gegnerischen Spiellstil machen zu können.

Ist der Aggressionswert niedrig, setzt er oft nicht genug, wenn er die Kontrolle hat, und er bringt seine Gegner intuitiv häufiger zum Showdown kommen als es ihnen lieb sein kann.

Ein aggressiver Spieler, der auch einen hohen WTSD-Wert aufweist, bezahlt zu oft mit schlechten Händen auf dem River.

Daten darüber zu kennen, wie oft ein Spieler zum Showdown geht ist hilfreich, aber aus eine Zahl herauslesen zu können, warum er bis zum Showdown geht ist unbezahlbar.

CB

Dieser Wert gibt an, wie oft der Gegner c-bettet, wenn er vor dem Flop erhöht hat.

Die meisten Spieler setzen in 55-85% derFälle auf dem Flop eine Continuation Bet an.

Den CB-Wert sollte man grundsätzlich in Kombination mit dem PFR-Wert betrachten. Grund dafür ist, dass ein niedriger PFR-Wert auf starke Hände schließen lässt. Je stärler die Hände vor dem Flop sind, desto größer die Chance, dass sie auf dem Flop zu sehr starken werden, die eine C-Bet wert sind.

Je höher der PFR-Wert, desto wahrscheinlicher verpasst er den Flop, da er auch mit marginalen Händen pre-Flop erhöht. Hat dieser Spieler trotzdem einen hohen CB-Wert, bedeutet das, dass er auch ohne Hand auf dem Flop weitersetzt. Dieses Verhalten kann man ausnutzen.

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Gibt an, wie oft der Gegner auf dem Turn weitersetzt, wenn die Flop-Bet gecallt wird.

Dieser Wert muss natürlich in Zusammenhang mit dem CB-Wert gelesen werden. Hohe Prozentzahlen für Flop- und Turn-Bets weisen daraufhin, dass dieser Spieler häufig blufft. Deshalb sollte man mit mehr Händen callen.

Hat der Gegner nur eine C-Bet in seinem Arsenal, wird man plötzlich zum überzeugten Floater.

FC

Gibt an, wie oft der Gegner auf C-Bets foldet.

Je höher der FC-Wert eines Spielers, desto eher ist er ein „Fit or fold"-Spieler, d. h. er bezahlt grundsätzlich nur, wenn er den Flop auch gut getroffen hat. In allen anderen Fällen foldet er.

In Verbindung mit dem VPIP-Wert erhält man einen Gesdamteindruck von der gegnerischen Spielweise.

Ein Spieler mit einem hohen VPIP-Wert in Kombination mit einem niedrigen FC-Wert versucht, möglichst viele Flops und Turns zu sehen. Hier könnte es sich um einen Fisch handeln, den man entsprechend anspielen kann.

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Die Daten zeichnen ein Bild des Gegners.

Andererseits sollte man, wenn es sich um einen „Reg" mit einem niedrigen FC-Wert handelt, im Pop-up-Menü nachsehen, wie häufig er setzt, wenn zu ihm gecheckt wird. Ist dieser Wert hoch, hat man es mit einem Gegner zu tun, der sehr gerne floatet.

F2

Gibt an, wie oft der Gegner auf eine Turn-Bet foldet. Manche Fische bezahlen gerne pre- und auf dem Flop, aber nicht mehr auf dem Turn, es sei denn, sie haben eine sehr starke Hand. Diesen Typ Spieler erkennt man sehr schnell an ihrem niedrigen FC- und hohen F2-Wert.

Natürlich muss man solche Spieler durch häufigere zusätzlich Bets betrafen.

Datenmenge

Das Problem mit Statistiken ist, dass sie äußerst irreführend sein können, wenn sie nicht auf einer ausreichend großen Datenmenge basieren. Hold'em ist ein Spieler mit großer Varianz, deshalb können die einzelnen Werte kurzfristig stark variieren.

Es wäre der größtmögliche Fehler, einen Spieler auf der Basis einer zu kleinen Datenmenge eiunzuschätzen und sich auf die Werte zu verlassen. Schnell und schmerzhalft kann die Erekenntnis kommen, dass dieser Gegner tatsächlich völlig anders spielt.

Man sollte niemals voreilige Schlüsse ziehen. Die Spielweise eines Gegners kann man erst einschätzen, wenn man genügend Daten gesammelt hat.

Was „genügend" bedeutet, hängt von dem einzelnen Wert ab. 100 Hände können ausreichen, um die Werte für VPIP und PFR einzuschätzen, aber es sind bei Weitem nicht genug, um den WTSD- oder den 3B-Wert zu verstehen und Rückschlüsse auf die Setzfrequenz zu ziehen.

Insgesamt gilt wie bei allem in Poker: Je größer die Datenmenge, desto besser.

Ein Hilfsmittel, aber keine Krücke

Statistiken sind Hilfsmittel, aber keine Gehhilfen. Es gibt zu viele Spieler, die sich nur auf ihre Statistiken verlassen. Sie scheren zu viele Gegner über einen Kamm, obwohl jeder von ihnen anders spielt.

Man kann drei grundverschiedene Spieler am Tisch haben, die ähnliche statistische Werte aufweisen. Trotzdem kann einer der Spieler sein Level für 4BB/100 schlagen, der Zweite spielt gerade so break even und der dritte gewinnt vielleicht 1BB/100.

Behandelt man diese Spieler auf dieselbe Weise, begeht man einen großen Fehler. Wer sich zu sehr an Statistik orientiert, spielt letztlich ABC-Poker, handelt automatisch und hört auf, sich weiterzuentwickeln.

Stats sind für einen erfolgreichen Spieler nur ein Hilfsmittel von vielen. Er setzt sie in Kombination mit Beobachtungen und Reads ein.

Stats zeigen nur die durchschnittliche Spielweise eines Gegners gegen alle möglichen unterschiedlichen Spieler an.Wied dieser Spieler gegen einen selbst spielt, muss man schon selbst herausfinden, und das geht nur, indem man sich Notizen macht und sehr genau aufpasst.

Erst wenn man in der Lage ist, statistische Informationen zu verinnerlichen und daraus abzuleiten, welche Spielstile die Gegner zeigen, erst wenn man die Werte als Gesamtbild betrachtet und die Bezeihungen zwischen den einzelnen Werten kennt, kann man den inneren ABC-spieler überwinden und sein Spiel verbessern.

Falls Ihnen dies gelingt - während Sie sich auch noch Notizen über Ihre Gegner machen, die nichts mit Statistik zu tun haben - werden Sie zu einem Spieler, der am Tisch gefürchtet sein wird.

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Sascha Mühlen 2016-02-12 19:44:10

hallo ich hatte vorher nen kommentar geschrieben das ich auf HM2 umsteige, das war vor der zeit als HM2 dauernd abgestürzt ist bleibe nun bei poker office also bitte beide kommentare nicht mehr veröffentlichen.

DANKE!!!!!!!!!!!!!!!! bye

Sascha Mühlen 2016-02-11 17:50:22

Top Tutorial, genau das was ich gesucht habe :-) Lob an Daniel für die ganze Mühe. Steige gerade von PO auf HM2 um und es ist der Burner....Grüße

Chris 2012-04-24 05:12:55

Hallo,
ich bin soweit mit meinen Einstellungen und der Konfiguration des HM fertig.
Allerdings weiß ich nicht genau welcher Wert hier mit "2B" gemeint ist, bzw. finde den in den Displayed Stats nicht zur Auswahl. Finde den "TB" im Allgemeinen, aber der ist nicht gemeint, oder?

"Gibt an, wie oft der Gegner auf dem Turn weitersetzt, wenn die Flop-Bet gecallt wird."
- Wenn die Flop-Bet von wem gesetzt wurde, bzw. von wem gecallt wurde?

Beim AG sieht es bei den Einstellungen so aus, als würde er mir den Wert %-ual ausgeben. Wie bekomme ich den auf einen Faktor?

Vllt. könnt ihr mir hier weiterhelfen.
Vielen Dank.

LG Chris