Poker in der Schweiz – Casinomonopol wird zum Fiasko

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Zwei Jahre nach dem Pokerverbot außerhalb von Casinos lautet das Fazit: Schweizer Spieler proben den Aufstand durch Boykott.

Der Prozess vor dem Bundesgericht war mit Spannung verfolgt worden. Die offizielle Frage lautete, ob im Poker das Glück oder das Geschick überwiegt, aber tatsächlich ging es darum, ob Pokerturniere auch von privaten Veranstaltern durchgeführt werden dürfen.

Es war gleichsam ein Kampf zwischen den staatlichen Casinos und den privaten Poker-Lounges, die in den vorhergehenden Jahren wie Pilze aus den Alpentälern geschossen waren.

Nachdem sowohl die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK als auch das Bundesverwaltungsgericht der Schweiz zu dem Ergebnis gekommen waren, dass der Geschicklichkeitsfaktor überwiegt, griffen die Spielbanken zu ihrem letzten Mittel und legten Beschwerde vor dem Bundesgericht ein.

Dieses gab in letzter Instanz der Beschwerde statt. In der Begründung hieß es nicht etwa, es sei erwiesen, dass der Glücksfaktor das Spiel maßgeblich bestimme, sondern nur, dass eben nicht das Gegenteil erwiesen werden könne. In einem Strafverfahren hätte man von einem „Freispruch zweiter Klasse“ gesprochen.

Die Casinos wähnten sich am Ziel. Ihnen war die private Konkurrenz schon lange ein Dorn im Auge gewesen. Nun würden Zigtausende Pokerspieler in die Casinos stürmen und dort eine Pokerszene entstehen, wie man sie aus Österreich kennt.

Zwei Jahre später zeigt sich, dass die Eidgenossen sich nicht gerne so herumschubsen lassen. Poker ist in der Schweiz massiv eingebrochen. „Wir hätten einen höheren Zulauf erwartet“, sagt ein enttäuschter Martin Vogel von Swiss Casinos. Die Turniere sind nicht ausverkauft, und die Turniergebühren wiegen kaum die Personalkosten auf.

Hinzu kommt, dass Pokerspieler wenig Geld für Getränke ausgeben. „Die Spieler trinken praktisch keinen Alkohol, weil sie einen klaren Kopf behalten wollen“, lautet die bemerkenswerte Erklärung von Michael Favrod, Geschäftsführer des Airport Casino Basel. Bemerkenswert deswegen, weil ein klarer Kopf ja nicht wirklich notwendig ist für ein Glücksspiel. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass man nüchtern besser Lotto spielt.

Gute Erfahrungen machen Casinos mit starkem Pokerangebot, etwa das Casino Baden, wo auch die Schweizer Pokermeisterschaft stattfindet. Die Mehrzahl der Spielhallen aber, und das hat die Poker-Community erwartet und längst durchschaut, nutzt Poker lediglich als Anreiz, um die Spieler hernach dazu zu verlocken, Casinospiele mit sattem Hausvorteil zu spielen.

Die Schweizer Pokerspieler sind not amused. Es herrscht die einhellige Meinung, dass die Casinos ausschließlich aus eigennützigen Motiven vor dem Bundesgericht geklagt haben. Aussagen wie die, dass man nur im Casino sicher sein könne, nicht über den Tisch gezogen zu werden, ernten Hohn und Spott.

Schon die Einrichtung der Casinos zeige, dass dem Casino weder an Spielerschutz noch an Suchprävention gelegen ist. Schließlich müsse man grundsätzlich an Blackjack- und Roulette-Tischen sowie dem Automatenbereich vorbei, um den Pokerfloor überhaupt zu erreichen.

Außerdem hätten Buy-ins um 150 Franken nicht mehr mit den Spielen um niedrige Einsätze zu tun, die das Gros der Hobbyspieler bevorzugt.

Es sieht also so aus, als erwiese sich der juristische Erfolg der staatlichen Casinos als Pyrrhus-Sieg. Die Spieler sammeln sich lieber in Home Games oder spielen online, statt sich ausgerechnet den Spielhallen zuzuwenden, die ihnen das reguläre Spiel quasi „weggenommen“ haben.

„Mit der Klage und dem entsprechenden Urteil haben sich die Casinos ihr eigenes Pokergrab geschaufelt und einen privaten Geschäftszweig, sowie Arbeitsplätze kaputt gemacht. Die Reaktion der Pokergemeinde war abzusehen. Beiße nie die Hand die dich füttert!“, schreibt ein Kommentator auf der Webseite 20min.

Trotz des insgesamt schwachen Ergebnisses lassen sich die staatlichen Spielbanken nicht beirren. Sie wollen unter allen Umständen am Monopol festhalten. Schließlich habe man Auflagen zu erfüllen. Wäre das für private Veranstalter genauso, „würden sie die Finger von Pokerturnieren lassen, weil sie nicht rentieren“ (Aumüller, Casino Bern). Klingt so die Stimme von Organisatoren, die das Wohl der Spieler im Blick haben?

Der Nationalrat soll nun darüber befinden, ob Pokerturniere außerhalb von Casinos „mit kleinem Einsatz und Gewinn“ durchgeführt werden dürfen, ähnlich den früher so populären Sachpreisturnieren in Deutschland. Die Forderung nach einer klaren Gesetzesgrundlage geht quer durch alle Parteien. Der Casinoverband spricht sich strikt dagegen aus.

Heute wird abgestimmt.

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