Poker 2012 – der Rückblick (3)

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Ray Bitar wurde im Juli festgenommen.

Das zweite Poker-Halbjahr 2012 begann mit einem Bracelet für Deutschland, dem kostbarsten Turniersieg aller Zeiten und der Verhaftung von Ray Bitar. In den folgenden Wochen gab es zwei historische deutsche Erfolge, einen spektakulären Doppel-Auftritt von Ilari Sahamies und einen handfesten Poker-Skandal. Die Meldung des Quartals allerdings war: die FullTilt-Übernahme durch PokerStars.

Das dritte Quartal 2012 begann weiblich; und zwar mit einem Bracelet-Gewinn durch Vanessa Selbst. Weil am selben Abend allerdings auch das Pokerturnier des Jahres, das $1 Mio. BIG ONE begann, fand ihr Sieg im „Poker-Zehnkampf“, dem 10-Game quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Selbst ist nun neben Jennifer Harman die einzige Pokerspielerin, die zwei Bracelets in offenen Events gewinnen konnte.

In den WSOP-Trubel um Selbst und BIG ONE mischte sich eine, für die Pokerwelt ebenso wichtige Meldung, allerdings von der dunklen Seite der Macht.

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Vanessa Selbst.
 

Auf dem New Yorker Flughafen war FullTilt CEO Ray Bitar festgenommen worden, nachdem er sich freiwillig von seinem Exil in Dublin aus in die Heimat begeben hatte.

In einer E-Mail hatte Bitar erklärt, sich zivil- und strafrechtlichen Vorwürfen zu stellen, um einem erfolgreichen Verkauf von FullTilt nicht mehr im Wege zu stehen.

Davon völlig unbeeindruckt, gewann Dominik Nitsche, bei seiner ersten World Series-Teilnahme sein erstes WSOP-Bracelet. In einem $1.000er Massen-Event gewann er das begehrte Armband und ein Preisgeld in Höhe von $654.797.

Das Alles war allerdings nichts gegen den Poker-Buzz des Jahres. Der kanadische Multi-Milliardär Guy Laliberté hatte ein Poker-Turnier mit einem Buy In von einer Million Dollar auf die Beine gestellt und 47 andere Hasardeure zur Teilnahme bewogen.

Im BIG ONE for One Drop triumphierte am Ende Antonio Esfandiari, der den Engländer Sam Trickett im Heads Up besiegte und das höchste Sieg-Preisgeld aller Zeiten abkassierte. Mit den 18,3 Millionen Dollar ist er nun auch der erfolgreichste Live-Turnierspieler aller Zeiten (gesamt 22,3 Millionen).

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Jan "Im Jahr des Drachen" Heitmann.
 

Auch die deutsche Erfolgsstory hätte sich beim WSOP-Main Event fast fortgesetzt. An den letztlich noch drei verbliebenen Tischen des wichtigsten Pokerturniers des Jahres befanden sich noch drei Deutsche, darunter PokerStars-Pro Jan Heitmann.

Doch am letzten Turniertag lief für Team Germany dann gar nichts mehr zusammen. Nach Heitmann und Nicco Maag flog am Ende auch last german standing Wilfried Härig raus, und damit mussten die October Nine diesmal ohne einen deutschen Teilnehmer auskommen.

Danach ging die Pokerszene in die verdiente Sommerpause und die Olympischen Spiele in London dominierten auch die Schlagzeilen der Pokernews-Seiten.

Und während man mal wieder lebhaft darüber diskutierte, ob denn Poker vielleicht doch mal Olympia-Disziplin werden sollte, marschierte Tony G mit der litauischen Delegation ins Olympiastadion ein und Phil Hellmuth dokumentierte aus der Schwimm-Arena fast täglich via Twitter seine „enge“ Freundschaft zu Michael Phelps.

Mehr als Pausen-Geplänkel war das nicht. Denn am 31. Juli sprang die dickste Katze des Pokerjahres aus dem Sack.

In einer Presse-Mitteilung – veröffentlicht auf einer Pokernews-Seite – hieß es da:

Full Tilt Poker verliert alle Vermögensrechte an die US-Regierung. Einen großen Teil der Vermögenswerte erhält PokerStars.

Alle Anklagen gegen die Unternehmen FullTiltPoker und PokerStars werden fallen gelassen.

PokerStars zahlt an die US-Regierung innerhalb von drei Jahren 547.000.000 Dollar. Innerhalb der nächsten 90 Tage muss PokerStars allen Nicht-US-Spielern ihre FullTilt-Konten ausbezahlen.

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Marvin Rettenmaier.
 

Die Summe wird sich auf $185 Mio. belaufen. Die Auszahlung der US-Spieler übernimmt das DOJ.

Damit war das Ziehen und Zerren, das Warten und Bangen, um die FullTilt-Konten seit dem Black Friday endgültig beendet.

Ebenfalls seinen rechtskräftigen Abschluss fand wenig später der Überfall auf die EPT-Berlin. Sieben Jahre und drei Monate Gefängnis. So lautete das Urteil gegen Mohamed C., der im März 2010 mit vier Komplizen das Grand Hyatt Hotel, während der damals stattfindenden European Poker Tour überfallen und dabei 200.000 Euro erbeutet hatte.

Einen Beutezug der ganz anderen Art startete Marvin Rettenmaier im August. Auf Zypern entschied er das Saison-Auftakt-Turnier der WPT für sich und konnte damit zum ersten Mal in der Geschichte der World Poker Tour zwei Titel in Folge gewinnen.

Erst im Mai hatte Mad Marvin die $25k World Championship der WPT im Bellagio gewonnen. Insgesamt waren die beiden Triumphe fast 1,5 Millionen Dollar wert.

Ebenfalls mehr als eine Million Dollar war der Sieg von WCOOP-Main Event-Gewinner Maratik schwer. Der Micro-Grinder aus Russland krönte eine WCOOP mit Rekordbeteiligung. Mit lediglich 40 FPPs hatte sich der Russe in das Main Event eingekauft und diese in eine Million Dollar umgewandelt.

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"Maratiks" Erfolge, graphisch dargestellt.
 

Unvergessen: Bei Verhandlungen über einen Deal forderte Maratik einen russischen Übersetzer und unterstrich seine Forderung mit dem Ausspruch „I want Million“.

Mit ganz anderen Bandagen musste wenig später eine deutsche Poker-Legende um seine Pfründe kämpfen. „Eddy Scharf kämpft gegen das Finanzamt“, so hieß der Kriminalfall des Sommers. Scharf hatte sich hartnäckig gegen die Besteuerung seiner Pokergewinne gewehrt.

Ganz Poker-Deutschland schaute zu, wie Scharf sich in den Definitionen wand und am Ende gar behauptete, Poker sei ein reines Glücksspiel.

Den Gegenbeweis trat schon wenig später der Finne Ilari Sahamies an. In einer beeindruckenden „Doppel-Vorstellungen“ mischte Ilari über Tage das Feld eines hochkarätig besetzten Major-Live-Turniers (EPT Barcelona) auf und fegte in den Nächten auch noch die High Stakes leer.

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Eddy Scharf.
 

Begonnen hatte Sahamies im €50k Super High Roller Event, wo er den vierten Platz belegte und 291.900 Euro gewann.

Nachdem Ilari dann mehr als acht Stunden Tag 3 der EPT Barcelona live gespielt hatte, räumte er gegen Viktor Blom noch mal eine halbe Million Dollar in den Online-Cash Games ab.

Am Ende pflügte sich Ilari Sahamies von Tag 3 ab durch das gigantische und hochkarätig besetzte Feld des EPT-Main Events und konnte erst im Heads Up von dem Weißrussen Mikalai Pobal gestoppt werden.

Sein Preisgeld betrug 629.700 Euro womit sich die Gewinne – online und live – innerhalb von wenigen Tagen auf insgesamt 1,6 Millionen Dollar addierten.

Eine Summe, die der Franzose Patrick Partouche sicherlich im September gern zur Verfügung gehabt hätte.

Beim €8.500 Main Event der nach ihm benannten Pokertour hatten er, oder seine Angestellten eine Preisgeld-Garantie von fünf Millionen Euro und Sieggeld-Garantie von einer Million Euro abgegeben.

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Partouche-Karikatur; Quelle: 2+2.
 

Nachdem aber aufgrund von geringerer Beteiligung ein Overlay von €700k Overlay entstanden war, versuchten sich die Patrick Partouche und Co der Verantwortung zu entziehen und Beweise über Statements auch aus dem Internet zu löschen.

Ein völlig witzloses Unterfangen, da alle Webpages ständig gespiegelt und gecachet werden, und die Bilder und Aussagen in den Originalversionen problemlos erhältlich waren.

Gründer Patrick Partouche erklärte daraufhin vor laufenden Kameras, eine Garantie hätte es nie gegeben, zeigte sich von den Forderungen der Spieler gekränkt und beschloss bei der Gelegenheit, gleich die ganze Tour abzusagen.

Nachdem daraufhin auch sein Marketingleiter den Hut nehmen wollte – und vermutlich nach einem Gespräch mit seinen Anwälten, revidierte Partouche seine Entscheidung und gab bekannt, die fehlenden €700k zu begleichen.

Eine Entscheidung, die wiederum vor allem der deutschsprachigen Pokerszene in die Karten spielte. Das Turnier gewann am Ende der erst 19-jährige Youngster Ole Schemion. Durch die Zuzahlung belief sich sein Preisgeld am Ende auf über eine Million Euro.

Das dritte Poker-Quartal 2012 endete schließlich genauso, wie es angefangen hatte: mit einem Bracelet für Antonio Esfandiari. Bei der WSOPE entschied der „Magican“ das €1.100 NLHE Turnier für sich und gewann €126.207. Nur wenig später sorgte allerdings ein anderer Großsprecher für den wirklichen Paukenschlag.

Doch das erfahrt Ihr im vierten Teil unseres Jahresrückblicks von Lars Liedtke.


 

 

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