Die Steiermarker Razziaposse

life of brian
"Razzia ist doch Firlefanz."

Die Polizei stürmt ein Casino und verplombt die Spieltische, um jegliches weiteres Kartengedöns unmöglich zu machen. Das Casino reagiert jedoch mit einem raffinierten Trick...

Der Österreicher an sich gilt nicht gerade als Hysteriker. Neubeschlossene Gesetze werden erstmal eingehend ignoriert, abgeschätzt und durchdiskutiert, bevor man einfach so losgehorcht.

Entsprechend fand auch das neue Glücksspielrecht, das am 1. Januar inkraft trat und nur noch eine Lizenz für Poker in Österreich erlaubt, die den Asutria Casinos zugeschlagen wurde, zunächst eher distanziertes Interesse.

Die anderen Card Clubs und Casinos, die nun diese spezielle Lizenz nicht mehr verfügten, erkannten sofort, dass sie nun die Grenze zur Illegalität überschritten haben könnten, ließen ihre Türen aber sicherheitshalber erstmal offen.

Einfach so hopplahopp zuzumachen käme ja einer Übersprungshandlung gleich, und man muss ja auch erstmal sehen, was passiert.

Immerhin wuchs die Unsicherheit. Erst vor einem Monat entschied sich die WPT kurzfristig, ihren österreichischen Tourstopp vom Wiener Montesino ins Casino (Austria) in Baden zu verlegen.

Lieber nahm man in Kauf, dass sich viele Spieler dann gegen eine Teilnahme entscheiden würden, als zu riskieren, dass während des Main Events plötzlich Unformierte durch den Spielsaal stürmen, um womöglich ein Exempel zu statuieren.

Und nun ist das tatsächlich passiert. In Graz fand am Wochenende eine Razzia statt, und es gelang 25  tapferen Gesetzeshütern, eine zwielichtige Pokerrunde auszuheben und unschädlich zu machen.

alpha casino
Gefährliche Pokerhöhle?

Genauer gesagt, die Teilnehmer eines €50-Turniers wurden fotografiert und mussten einen Fragebogen ausfüllen, in dem so gemeine Fangfragen versteckt waren wie „Welchen Eurowert hat Ihr Chipstapel“.

Nicht einfach zu beantworten, wenn alle gleichviel bezahlt haben, aber unterschiedlich viele Chips. Egal. Alle, was mehr als zehn Euro kostet, ist Glücksspiel. Woher das Glück weiß, um wie viel Geld es geht, ist unbekannt.

Besopnders lustig: Laut dieser Regelung sind Cash Games bis zu Stake €5/€10 überhaupt kein Problem. Schließlich beträgt der Einsatz ja nicht mehr als ... genau. Wie groß der Pot nach dem River ist, interessiert nicht. Weiß man ja auch vorher nie. Kann ja der Gesetzgeber nichts für, wenn einer plötzlich grundlos raist.

Nachdem die Täter aufgenommen und archiviert waren, entschloss sich die Ordnungsmacht zur weiteren konsequenten Umsetzung derselben. Leider beging man dabei einen kleinen, aber nicht unerheblichen Denkfehler.

Da Poker als Glücksspiel zu betrachten sei, so wie Geldspielgeräte, müsse man die Tische auch so behandeln wie Automaten. Ergo, folgerte die Polizei, müsse man die Tische auch verplomben, auch wenn an ihnen nichts zu öffnen oder zu bedienen ist.

Danach zog sie ab, die Hundertschaft, mit dem beruhigenden Gefühl, dem frevlerischen Treiben ein endgültiges Ende bereitet zu haben.

Aber man hatte nicht mit der Listigkeit des Casinopersonals gerechnet. Nachdem der Samstag so abrupt geendet hatte, zog man sich bei Alpha einen Tag zur Beratung zurück und reagierte dann am folgenden Abend, indem man die Tische zur Seite räumte und neue aufstellte.

Innerhalb von Minuten wurde aus dem lahm gelegten Spielsaal wieder ein ganz normales Casino.

Was als Demonstration amtlicher Stärke und Durchsetzungsfähigkeit geplant war, wurde zur Steiermarker Provinzposse.

Die täglichen Turniere laufen derweil wie gewohnt weiter. Man muss ja nicht gleich den Zeitplan umschmeißen. Erstmal abwarten.

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