Poker - Nichts für Dummies Teil 13 (Beispiele): Ablenkung

Jason Mercier
Jason Mercier nimmt sich immer Zeit zum Nachdenken.

Fernsehen, Freunde, MSN, leicht bekleidete Mädels, Email, Telefon, SMS … unabhängig davon, wo man spielt, gibt es immer eine Reihe von Ablenkungen, die die Konzentration stören.

Wer auf Dauer gewinnen will, muss sich zu 100% dem Spiel widmen, und zwar ununterbrochen.

Wir reden hier nicht nur über die Hände, die man spielt. Manchmal sind die Hände, die man nicht spielt, noch viel wichtiger.

In dem Abschnitt Poker - Nichts für Dummies: Passen Sie auf! haben wir diskutiert, warum sich Ablenkungen ruinös auswirken können. Jetzt werden wir etwas näher darauf eingehen, wie es dazu kommt.

Das Königsproblem

Sie spielen $1/$2 No Limit und erwischen Pocket Könige am Cut-Off. Mehrere Spieler limpen, und Sie erhöhen auf $15 (ein Standardraise für den Tisch, an dem Sie sitzen).

Es kommt nur ein Call aus mittlerer Position, ein Typ Mitte 40 mit einem schmutzigen alten Cowboyhut.

Flop:

Der Hut checkt, und Sie setzen $25. Call.

Turn:

Noch ein Check, Sie setzen nun $65. Call.

River:

Der Gegner geht sofort mit $250 all-in. Das sind $40 mehr als im Pot sind. Nun beginnen Sie nachzudenken, ob da vielleicht ein Nut Flush Draw mit einem Ass saß, dass er nun auf dem River getroffen hat. Außerdem kommt ein Two-Pair in Frage oder ein Set, wobei Sie sich nicht erklären können, wieso er das auf einem so gefährlichen Board nur gecheckcallt hat.

Hat er aber das Ass getroffen, kann er sich trotzdem nicht sicher sein, die beste Hand zu halten, also riecht das Ganze stark nach einem massiven Bluff.

Was tun also?

Hätten wir in den letzten Minuten vor dieser Hand besser aufgepasst, fiele die Antwort sehr viel einfacher aus.

Fünf Hände zuvor

Als unser Cowboy am Button saß, verwickelte er sich in eine Hand, die uns alle Informationen geliefert hätte, die wir benötigen, um unsere Hand hier richtig zu Ende zu spielen.

UTG erhöht auf $12, Sie folden irgendeine schwache Hand und der Cowboy callt.

Flop:

UTG setzt $20, Cowboy erhöht auf $50, Call UTG.

Turn:

UTG checkt, Cowboy setzt $75, UTG bezahlt.

River:

UTG checkt, Cowboy setzt $100, UTG erhöht all-in mit $225.

Der Cowboy denkt eine Weile nach und foldet dann offen 8 8, und ein überraschter UTG gewinnt den Pot.

Hätten Sie bei dieser Hand besser aufgepasst, dann wüssten Sie, dass der Cowboy ein sehr furchtsamer Spieler ist, der sich nur wohlfühlt, wenn er die Nuts hat, aber sonst nicht seinen Stack riskiert. Hier hätte er nur gegen ein besseres Set verloren oder gegen einen Backdoor Flush Draw.

Zwar konnte der Cowboy nicht wissen, ob er noch vorne lag, aber es gibt eine Reihe von Händen, die genauso gespielt werden, und die er schlägt (ein niedrigeres Set, zwei Paare, Top Paar, Bluff). Im Übrigen bekommt er 6:1 für sein Geld, und damit war das ein einfacher Call.

Ein Spieler, der so tight und schwach spielt, wird auf einem solchen Board niemals bluffen. Aufpassen spart uns hier $250.

Das wilde All-in

Sie sitzen mit $280 in einer $1/$2 No Limit Hold'em Partie, sehen Bundesliga im Fernsehen und haben außerdem ein Auge auf die Bedienung geworfen. Sie versuchen gerade, ihre Telefonnummer zu bekommen und bekommen stattdessen T T am Button.

Sie beenden das Gespräch freundlich und bezahlen einen Raise von $15. Zu dritt erreichen Sie den Flop.

Flop:

Der erste Spieler geht sofort von vorne all-in mit $115. Der zweite Spieler foldet und Sie müssen nun eine Entscheidung treffen.

Sie müssen $115 bezahlen, um $160 zu gewinnen, also bekommen Sie 1,4:1 für Ihr Geld. Keine großartigen Odds, aber Sie halten ein Overpair und das Board sieht ziemlich ungefährlich aus.

Machen Sie den Call oder warten Sie lieber auf eine bessere Gelegenheit?

Zwei Hände zuvor

Hätten Sie Sie nicht versucht, der Bedienung in den Ausschnitt zu schauen, wäre Ihnen möglicherweise aufgefallen, dass derselbe Spieler gerade pre-Flop mit einer 3-Bet für $60 all-in gegangen ist. Er hielt 9 4, traf auf dem Turn eine 9 und schlug damit A K seines Gegners. Dabei hatte er schon die Jacke auf dem Arm und war im Grunde auf dem Weg nach Hause.

Wäre Ihnen bewusst gewesen, dass dieser Spieler eigentlich gehen will und deshalb darauf spekuliert, entweder noch schnell zu verdoppeln oder eben alles zu verlieren (das kommt viel häufiger vor, als Sie denken), dann wüssten Sie auch, dass Sie selbstverständlich mit einem Paar Zehnen bezahlen können.

Natürlich ist es möglich, dass der Gegner ein höheres Paar hält, aber es ist viel wahrscheinlicher, dass er blufft, auf einem Draw sitzt oder ein Paar getroffen hat. Die Chancen stehen gut, dass Sie vorne liegen, und deshalb brauchen Sie auch nicht auf die Odds zu achten, um zu bezahlen.

Schlussfolgerung

Je mehr Sie auf die Kleinigkeiten achten, je mehr Hände Sie verfolgen, überdenken und analysieren, wenn Sie am Tisch sitzen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die richtige Entscheidung treffen, wenn Ihr eigenes Geld auf dem Spiel steht.

Konstant erfolgreiche Spieler bemühen sich ständig, das Spiel ihrer Gegner zu studieren. Letztlich weiß ein Phil Ivey auch nicht mehr über Odds und Outs als jeder regelmäßige Online-Spieler mit einem Schrank voller Pokerbücher.

Was er ihnen voraus hat, ist dass er besser aufpasst und mehr Informationen am Tisch sammelt als jeder andere Spieler der Welt. Bei Poker geht es um Aktion und Reaktion, also muss man genau verstehen, was die Gegner tun, um sich darauf einzustellen und die profitabelste Reaktion zu finden.

Also passen Sie auf, auch wenn Sie nicht wissen, worauf Sie eigentlich achten sollten. Merken Sie sich, welche Spieler wann setzen oder callen und welche Hände Sie danach zeigen.

Sie nehmen unbewusst viel mehr Informationen auf, als Sie denken, und entwickeln so die Intuition, die Sie irgendwann benötigen werden. Also beobachten und reflektieren Sie ununterbrochen. Poker ist ein Spiel für Leute, die nachdenken, nicht für Müßiggänger.

Die Serie "Poker - nichts für Dummies":

  1. Poker - Nichts für Dummies Teil 1: Spielen Sie weniger Hände!
  2. Poker - Nichts für Dummies Teil 2: Spielen Sie in Position!
  3. Poker - Nichts für Dummies Teil 3: Zählen Sie Ihre Outs!
  4. Poker - Nichts für Dummies Teil 4: Berechnen Sie Ihre Odds!
  5. Poker - Nichts für Dummies Teil 5: Passen Sie auf!
  6. Poker - Nichts für Dummies Teil 6: Sie brauchen eine Benkroll!
  7. Poker - Nichts für Dummies Teil 7: Hören Sie auf zu bluffen!
  8. Poker - Nichts für Dummies Teil 8: Halten Sie den Mund!
  9. Poker - Nichts für Dummies Teil 9: Schreiben Sie's auf!
  10. Poker - Nichts für Dummies Teil 10: Diskutieren Sie!
  11. Poker - Nichts für Dummies Teil 11: (Beispiele) ABC-Poker
  12. Poker - Nichts für Dummies Teil 12: (Beispiele) Position
  13. Poker - Nichts für Dummies Teil 13: (Beispiele) Ablenkung
  14. Poker - Nichts für Dummies Teil 14: (Beispiele) Outs zählen

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