Das Poker-Kuriositätenkabinett 2013

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Auch in den vergangenen Monaten gab es wieder kuriose, bizarre und lustige Ereignisse innerhalb der Pokerwelt. Ein Online-High Roller gewann 4 Millionen Dollar in 4 Tagen, ein anderer verschwand auf Nimmerwiedersehen, ein dritter Pokerspieler wurde Millionär bei einem Ratespiel und Notorious Ali verschwand im Knast. Aber lest selbst in unserem Kuriositäten-Panorama 2013.

1. Viktor Bloms „sickest run of cards ever!“

Die zweifelsfrei erste Kuriosität im auslaufenden Jahr war die glanzvolle Auferstehung Isildurs auf den Online High Stakes. 2012 hatte der Schwede mit 2,6 Millionen Dollar Verlust, als drittgrößter Verlierer, hinter Guy Laliberté und Gus Hansen abgeschlossen.

Doch dann zeigte er in der ersten Woche des Jahres wozu wohl nur ein Viktor Blom in der Lage ist.

Nachdem er sich in vier aufeinander folgenden Tagen den High Stakes Dominator des Vorjahres Ben Sauce123 Sulsky sowie PLO-Gott Phil OMGClayAiken Galfond vorgeknöpft hatte, twitterte er fast ungläubig: „i am on the sickest run of cards ever! had one of biggest winning days of my life today. i'm having fun too :)“

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Es macht Spaß, Isildur zu sein.

Seine Einschätzung bezog sich auf diverse Sessions, in denen er Sensationelles abgeliefert hatte.

So brauchte er einmal nur 1525 Hände, um knapp 1,4 Millionen Dollar abzuräumen, 17! Pötte über $100k mitzuspielen und 80% von diesen zu gewinnen.

Am Ende hatte Blom in nur 100 Stunden unfassbare vier Millionen Dollar zusammengespielt, eine Summe für die Ben Sulsky ein ganzes Jahr benötigt hatte.

Für Isidur1 war das alles allerdings nur der Auftakt zu einem High Stakes-Jahr, in dem er sich mal wieder den Titel „King of Swings“ verdiente.

Von fünf Millionen Profit ging es mehrfach Richtung Zero und wieder zurück. Am Ende des auslaufenden Jahres blieben dem gerade mal 23-Jährigen nicht mehr als eine halbe Million Gewinn, worauf man gespannt sein darf, wie er wohl ins Jahr 2014 starten wird.


2. Good Bye, Ziigmund?

Kurios war zweifelsfrei auch die Rückkehr von Ilari Sahamies auf die Online High Stakes bei FullTilt.

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Ziigmund zu sein, ist auch ganz ok.

Fast zwei Jahre hatte man den schon legendären Nick Ziigmund nicht mehr in Action gesehen und dann gab der Finne einen Auftritt, welcher ganz nach dem Geschmack seiner Fans gewesen sein dürfte.

Ilari spielte einen 6-max-Tisch €25/€50 Shortstack, ging innerhalb von nur 75 Händen 14 Mal nacheinander mit komplettem Schrott all-in und verließ den Tisch mit 16.000 Euro Gewinn.

Wenig später leuchtete der Stern des größten aller Großmäuler auf den Nosebleed Limits noch einmal grell auf, dann verschwand er für immer.

Gegen den deutschen PLO-Spezialisten mTw-DaviN brauchte Sahamies lediglich eine Stunde, um 450.000 Dollar abzuräumen. Danach war von Ziigmund nicht mehr viel gesehen.

Etwas mehr als 8000 Hände - eine Frequenz, die er früher in einer Woche absolviert hätte – brachte der 30-Jährige aus Helsinki im ganzen Jahr 2013 auf die Uhr.

Das Resultat: knapp $700k Verlust. Bisher ist noch nicht bekannt geworden, womit Ilari seine freie Zeit füllt. Man kann nur hoffen, dass es nichts mit Wodka zu tun hat.


3. Pokerprofi gewinnt bei Jauch die Million

Ausgerechnet ein Pokerspieler zeigte im März, wie man ohne den Einsatz aller Joker bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ trotzdem den Hauptpreis gewinnt.

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Es war nie besser, Sebastian Langrock zu sein.

Der 36-jährige Wahlmünchener Sebastian Langrock konnte am Ende die 15. und letzte Frage beantworten, ohne die vier möglichen Antworten gesehen zu haben. Die Millionenfrage lautete: Wer sollte sich mit der „Zwanzig nach vier Stellung auskennen“?

Langrock hatte die Frage kurz vorher in einem Buch mit dem Titel „nutzloses Wissen“ gelesen und spontan gerufen „jetzt sollte ein Kellner mit dabei sein“.

Nach der Show wollte Langrock, der innerhalb der Poker-Community bis dahin ein unbeschriebenes Blatt war unbedingt seine fachspezifischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem er rückblickend erklärte: „Ich hatte von Anfang an den Plan, Jauch auf meine Seite zu ziehen, damit er mich sympathisch findet.

Außerdem hatte ich einen Read bei der 64.000-Euro-Frage. Als Jauch mich da fragte, ob ich mich mit einem Joker absichern wolle, wusste ich, dass ich richtig liege.“

Langrocks Kommentar nach dem Millionengewinn: „Jetzt habe ich die Möglichkeit ein ganz Leben lang Poker zu spielen.“


4. Fotowettbewerb offenbart bizarre Lebensformen

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Muss man jetzt nicht unbedingt sein.

Der Anreiz 50.000 Frequent Player Points auf PokerStars gratis einzustreichen, hatte im April über 700 Pokerspieler dazu veranlasst ihre bizarren Grinder-Biotope vor der Öffentlichkeit zu entblößen.

Mit der eher armseligen Kombination „Schreibtisch-13-Zoll-Monitor-leere Pizzaschachteln“ war hier natürlich kein Blumentopf zu gewinnen.

Schon eher mit der Darstellung eines völlig verrückten Russen, der eine Session nackt aus einem aufgehackten Eisloch spielte, oder von Russell rdcrsn Carson, der wohl den Set-Designer von Star Trek beauftragt hatte, um ihm eine bettgerechte Online-Grinder-Station zu entwerfen.


5. Heiliger Zorn in Betlehem

Ebenso bizarr, aber live war der Auftritt von Michael C. Wert aus Coal Township im US-Bundesstaat Pennsylvania.  Sein Ausflug ins Sands Casino Resort in Bethlehem endete dabei eher unchristlich.

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Gerade in eine schöne Runde NLHE vertieft, wurde Wert von seinem Tischnachbarn Chad Lepes etwas unsanft darauf hingewiesen dem Dealer öfter mal ein Trinkgeld zu geben.

Der Zurechtgewiesene steigerte sich daraufhin in einen heiligen Zorn und bedachte den unsensiblen Kritiker mit einer ausgiebigen Ladung Spucke mitten ins Gesicht. Damit aber nicht genug.

Nach Platzverweis gab er auch noch falsche Daten hinsichtlich seines Geburtsdatums und Wohnorts an. Der böse Bube wurde daraufhin vom Casino wegen Falschaussage verklagt und zu $750 Geldstrafe verurteilt. Im Verhältnis zum Trinkgeld klarer Minus-EV.


6. PokerStars-Chef Mark Scheinberg zahlt 50 Millionen Dollar an DoJ

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Mark Scheinberg Dritter von links.

Deutlich höher war das „Trinkgeld“, welches Mark Scheinberg, Sohn von PokerStars-Gründer Isai Scheinberg und jetziger Chef des Marktführers an das US Department of Justice im Juni bezahlte.

Nachdem PokerStars bereits für die Übernahme von FullTilt zu einer Zahlung von satten 731 Millionen Dollar „verdonnert“ worden war, zahlte der Big Boss noch mal 50 Millionen aus eigener Tasche drauf.

Damit war eine Einigung über die Beschwerde wegen Verstoßes gegen den ersten Verfassungszusatz erzielt werden. Darin wurde der Online-Poker-Gigant beschuldigt, durch ungesetzliche Zahlungsmethoden gegen den UIGEA von 2006 verstoßen zu haben.

Mit der Zahlung wurde im gegenseitigen Einvernehmen das Zivilverfahren gegen Mark Scheinberg eingestellt. Allerdings erklärten sowohl der PS-CEO, als auch das DoJ, dass die Zahlung weder notwendig war, noch einem Geständnis gleichkomme.


7. 100 Milliarden Hände

Alles Peanuts für den Marktführer, denn im selben Monat wurde bei PokerStars die unglaubliche Zahl von 100 Milliarden gedealten Händen erreicht.

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Am Abend des 13. Juni wurde die Schallmauer durchbrochen und der Spieler, welcher diese Hand gewann (microulis69), war auf einmal um 104.000 Dollar reicher.

Mit Middle Pair Buben hatte er vorher den Jubiläums-Pot in Höhe von 31,55 für sich entscheiden können.

Seine Mitspieler kassierten immerhin noch pro Kopf 13.000 Dollar. Die restlichen 830.000 Dollar zu versprochenen Million wurden an alle Cash Game-Tische verteilt, an denen ebenfalls NLHE 2c/ 5c gespielt wurde. 9471 Spieler bekamen jeweils 85 Dollar.

Die Annoncierung der 100 Milliarden-Hand hatte an diesem Tag unfassbare 400.000 Spieler an die Tische von PokerStars gelockt und einen Eindruck davon gegeben, in welch gigantische Dimensionen die Online-Poker-Community angewachsen ist.


8. Pokerfilm Runner Runner im Downswing

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Lange war der Nachfolger des Live-Poker-Klassikers „Rounders“ erwartet worden. Mit Millionen-Budget und einer Starbesetzung, um Justin Timberlake, Gemma Aderton und Ben Affleck ausgestattet, hatten die Produzenten versucht „Rounders“ ins Online-Zeitalter zu retten.

Doch Pustekuchen.

Erst fielen die Kritiker über die laue Geschichte her und dann gab es die Quittung vom Kino-Publikum. Bei dem fiel der Film von 20th Century Fox komplett durch, so dass er fast lautlos aus den Kinos in den USA und Europa verschwand.

Es dürfte schwer werden nur einen Online-Grinder auf der ganzen, weiten Welt zu finden, der „Runner Runner“ als Inspiration für seine Poker-Karriere bezeichnen wird. Ein dritter Pokerfilm dieser Machart bleibt uns hoffentlich erspart.


9. Ali im Knast

Die Augsburger Allgemeine brachte es ans Licht. Der wegen diversen Unregelmäßigkeiten (WPT Barcelona, Partouche Poker Tour, Dom Classics Utrecht) bei der Poker-Community in Ungnade gefallene Ali Tekintamgac sitzt bereits seit Ende September in Untersuchungshaft Die Polizei in Augsburg ermittelt gegen ihn und andere, wegen Betrug um ganz großen Stil.

tatjana pasalic tekintamgac
Ach, Ali...

Wie die Behörden mitteilten, wird Tekintamgac verdächtigt „eine Führungsrolle in einer international organisierten Betrügerbande” gespielt zu haben. Bei den Taten sei es zugegangen, wie in einem Hollywood-Streifen.

Vor allem im süddeutschen Raum seien Ali Tekintamgac und sein mittlerweile spurlos verschwundener Komplize Kadir Karabulut  aktiv gewesen und hätten in privaten Pokerrunden ahnungslose Opfer um mehrere zehntausend Euro betrogen.

Dabei seien vor allem mit Magnetstreifen gezinkte Karten und spezielle Empfangsgeräte, die als Feuerzeuge oder Zigarettenschachteln getarnt waren, benutzt worden.

Das System sei technisch so ausgeklügelt gewesen, dass die Mini-Computer automatisch die Reihenfolge der Spieler mit dem chancenreichsten Blatt errechnen und weitergeben konnten.

Rätselhaft blieb letztlich nur die Aussage der Polizei, dass „auch mit speziell präparierten Kontaklinsen“ betrogen worden sei. Die Poker-Community wartet dennoch gespannt, welche Details im Fall „Tekintamgac“ noch ans Licht kommen.

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