Poker kontrovers - Verschont mich mit Nicknames!

Verschont mich

Rainer Gottlieb spielt schon seit 20 Jahren Poker und ist ein Urgestein der Berliner Pokerszene. Er ist regelmäßiger Gast bei Turnieren und Cash Games in der ganzen Welt. Rainer hat viel gesehen und sowohl die guten alten Zeiten als auch die Zeit nach dem Pokerboom mitgemacht. In seiner Kolumne wird er sich kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt des Pokers auseinandersetzen. Dieses Mal sagt er euch, warum ihm die Flut an Nicknames bei Liveturnieren mächtig auf den Zeiger geht, und eine authentische Berichterstatung kaum noch möglich macht.

Robbie Quo, geschätzter Kollege von der Pokerfirma und unermüdlicher Turnierblogger, muss es geahnt haben, als er vor kurzem in seiner Print-Kolumne mit leicht ironischem Unterton schrieb: „Ein paar Tage später, bei der Triple A in Berlin geht es dann wieder um den originellsten Nickname der Hauptstadt.“

Robbie sollte Recht behalten. Am letzten Wochenende war Berlin Tourstandort der DPM, und Robbie musste nicht bis zum nächsten Triple A-Turnier im Dezember warten, um sich bestätigt zu sehen.

Aus dem Buy-In von 250 Euro machten 301 Entries den stolzen Preispool von 72.250 Euro. Sehr viel mehr an Klartext-Information war leider wieder nicht verfügbar.

Wie üblich zog ein Großteil der Teilnehmer es vor, seine/ihre Identität durch Nicknames zu kaschieren. Ein paar Beispiele gefällig? El Fuego, Airballer, Würger, Rudi27. Rindergulasch ist mir diesmal nicht aufgefallen, vielleicht ist er trotz sonst exzellenter Spielweise früher ausgeschieden.

Und wieder haben diese Leute den Informationswert der Turnierberichterstattung nahe an die Nullmarke gebracht.

Ich frage mich erneut, was das soll. Und offenbar bin ich nicht der Einzige, wie die Kommentare zur Turnierberichterstattung zeigen:

„Der Berichterstatter kann nun wirklich nichts dafür, aber diese Nickname-Orgie ist einfach nur grotesk.“

 German Poker Tour in der Spielbank Berlin
Beim letzten Stopp der German Poker Tour in der Spielbank Berlin traten mehr als 90% der Teilnehmer mit einem Nickname an!

„Ramon…es ist ganz und gar nicht grotesk und eigentlich mehr als verständlich. Ausserdem bringt es eine Menge Spass zusätzlich mit rein , weil alle sich untereinander kennen. ;-)….freies Land…freie Meinung….freie mehr oder weniger coole Nicknames. Also beschäftige dich lieber mit den wirklich grotesken Sachen in unsere Pokerwelt. Davon gibt es genug.“

„Nein er hat vollkommen recht. Es nervt extrem. Jeder 0815 Losingplayer meint er muss mit Nickname antreten, weil er sonst sofort vom Finanzamt verhaftet wird. Wird langfristig dafür sorgen, dass es weniger Berichterstattung gibt. Wer will lesen “Papa Schlumpf im Heads-Up gegen xx? Finde ich sehr schade.“

„Ah, mal wieder fast nur Nicknames. sehr interessant “

Man könnte jetzt grundsätzlich fragen, welchen (außer lokalen) Informationswert und welchen Sinn die Berichterstattung über kleine und Kleinstturniere überhaupt noch hat?

Aber die DPM ist kein kleines Turnier, man beachte den Preispool. Und man bedenke, es gibt auch Regionalzeitungen, die über Schützenfeste und Kleintierzüchtervereinstreffen berichten, für die kein überregionales Interesse besteht.

Ich bin da wirklich hin- und hergerissen. Einerseits schätze ich die Berichterstattung, denn ich interessiere mich für die Entwicklung der Pokerszene in Berlin, für Ergebnisse, für die Performance der lokalen und angereisten Spieler. Andererseits habe ich aber weder Lust noch Zeit, Detektivarbeit zu betreiben, indem ich versuche, die richtigen Namen hinter den Spitznamen herauszufinden.

Übrigens: Ich erlaube mir, über dieses Thema zu meckern, weil mein Name im Klartext auftauchte – nur leider wieder nicht bei den Gewinnern. :o(. 

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