Poker kontrovers – Poker und Sozialleistungen

Poker und Sozialleistungen

Rainer Gottlieb spielt schon seit 20 Jahren Poker und ist ein Urgestein der Berliner Pokerszene. Er ist regelmäßiger Gast bei Turnieren und Cash Games in der ganzen Welt. Rainer hat viel gesehen und sowohl die guten alten Zeiten als auch die Zeit nach dem Pokerboom mitgemacht. In seiner Kolumne wird er sich kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt des Pokers auseinandersetzen. Dieses Mal setzt er sich kritisch mit dem Thema Poker und Sozialleistungen auseinander.

Vor einigen Jahren musste man im Pokerfloor Berlin Hasenheide bei der Turnieranmeldung noch Schlange stehen und es kam regelmäßig zu längeren Wartezeiten mit Unzufriedenheit bei den Turnierinteressierten. (Nur am Rande, mittlerweile ist der Turnierzugang deutlich besser organisiert).

Ich wurde während des Wartens in der Schlange damals einmal unfreiwillig Zeuge einer Unterhaltung zweier Spieler.

„Das ist hier ja schlimmer wie im Jobcenter“, ließ ein junger Typ vor mir hören. Mein erster Gedanke dazu war: „Komparativ immer mit „als““. Das eigentlich Interessante ergab sich allerdings im weiteren Gespräch der beiden.

Der Unterhaltung war eindeutig zu entnehmen, dass beide „Kunden“ des bezirklichen Jobcenters Neukölln waren und von dort Sozialleistungen bezogen.

Nun sind nach meiner Information diese Sozialleistungen („Hartz IV“) bewusst knapp bemessen und die Knappheit der Mittel erlaubt es nicht, daraus die Buy-Ins für Pokerturniere oder Bares für Cashgames abzuzweigen.

Woher also kam das Geld? Vermutlich aus Pokeraktivitäten oder irgendwelchen anderen Verdiensten. Die beiden beschrieben sich gegenseitig ihre spielerischen Erfolge in Online-Pokerräumen. Und sie feixten darüber, dass diese Einkünfte ihnen als Ergänzung zu den Zahlungen der Jobcenter ein durchaus angenehmes Leben ermöglichen.

Unabhängig davon, dass mir Berichte über Online-Pokergewinne bei den meisten Zeitgenossen eher suspekt sind, muss hier Folgendes deutlich gesagt werden:

Die zwei berichteten in ziemlich naiver Weise davon, dass sie massiv Sozialbetrug betrieben, indem sie Einkünfte aus Pokerspielen den Sozialbehörden nicht miteilten. Dazu sind Sozialleistungsempfänger aber nach gültiger Rechtslage verpflichtet, denn jede Form von Einkünften, die die Sozialtransferzahlungen schmälern könnten, müssen der Behörde gemeldet werden.

Wer das nicht tut, begeht nicht etwa ein Kavaliersdelikt sondern Betrug und das ist eine Straftat.

Ähnliche Informationen habe ich in den letzten Jahren vielfach aufschnappen können. Viele pokerspielende Mitmenschen beziehen Sozialgelder, können es sich aber offensichtlich leisten, nebenher dem Kartenspiel um Geld zu frönen. Gewinne werden wie selbstverständlich nicht angemeldet, unweigerlich auftretende Verluste können offenbar verkraftet werden. Es existiert keinerlei Unrechtsbewusstsein.

zuerich verzeichnet mehr ausgaben fuer die sozialhilfe symbolbild
Wer Sozialleistungen bezieht und Pokereinkünfte nicht den Sozialbehörden mitteilt begeht eine Straftat, sagt Rainer Gottlieb.

Streng genommen dürften diese Leute überhaupt nicht zum Spiel zugelassen werden, denn der Besuch einer Spielbank ist an die Bedingung geknüpft, dass man sich in „wirtschaftlich geordneten Verhältnissen“ befindet. Diese Erklärung gibt jeder automatisch mit der Registrierung beim Eintritt ab. Früher, zu Zeiten von Eintrittskarten aus Papier, stand es (kleingedruckt aber lesbar) auf jedem Billet.

Wer aufgrund existenzieller Nöte in unserem Land auf Hilfe angewiesen ist, dem garantiert das Sozialrecht die Finanzierung einer Grundsicherung mit Übernahme der Kosten von Wohnraum, Kranken- und Rentenversicherung. Das ist eine grundsätzlich noble Angelegenheit und man kann froh sein, in einem Land zu wohnen, das solche Systeme eingerichtet hat.

Vollkommen inakzeptabel ist aber die Haltung gewisser Schmarotzertypen, die sich mittels Staatsknete die Grundbedürfnisse sichern lassen, dabei ihre Zusatzeinkünfte aus Pokergewinnen verschweigen und sich so ein angenehmes Nichtstuerleben ermöglichen.

Kann dagegen etwas unternommen werden? Leider ist an dieser unerträglichen Situation kaum etwas zu ändern, es sei denn die Sozialbetrüger gerieten plötzlich wegen moralischer Bedenken in eine Krise und offenbarten sich. Es wäre jedoch höchst illusorisch, einen solchen Sinneswandel zu erwarten.

Von Seiten der beteiligten Behörden kann kaum eine Änderung dieser Zustände erwartet werden. Sie können erst aktiv werden, wenn ihnen Missbrauchsfälle bekannt werden. Das jedoch würde eine Art Denunziantentum voraussetzen. Und das wäre - genau so wie Sozialbetrug - eine höchst verabscheuenswürdige Aktivität.

Ergänzend treten unsere Datenschutzrichtlinien auf die Bremse. Sie erlauben keinerlei Informationsaustausch zwischen den Spielbanken und den Sozialbehörden. 

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RG 2015-03-24 06:33:08

Tipp: Einfach den Text mal genau lesen. Besanders den fünften Absatz von unten und dann anschließend das Fettgedruckte. Es geht nicht um "Hartz IV Bashing", sondern um "Sozialschmarotzer-Bashing". Und letztlich ist es egal, ob dass Schmarotzen durch Schwarzarbeit, Vermögensverschweigung oder Nichtmeldung von Pokergewinnen geschieht. Es ist unsozial.

Beobachter 2015-03-20 14:22:53

Hartz4 Bashing und "als" (oder doch wie) viel mehr empfinde ich diesen Beitrag nicht.
Man kann ohne Bankroll - und das haben noch nicht mal die meisten Berufstätigen nicht einmal wirklich für die meisten Limits ab 2Euro/4Euro aufwärts - nicht wirklich langfristig lukrativ Pokern.

Aber wie gesagt, ich kann in diesem Beitrag keinen nennenswerten Bezug zu Poker erkennen.
Viel Spass noch mit Hartz4 Bashing