Poker kontrovers - Kann man Poker ohne Geldeinsatz spielen?

Macht es Sinn Poker ohne Geldeinsatz zu spielen?

Rainer Gottlieb spielt schon seit 20 Jahren Poker und ist ein Urgestein der Berliner Pokerszene. Er ist regelmäßiger Gast bei Turnieren und Cash Games in der ganzen Welt. Rainer hat viel gesehen und sowohl die guten alten Zeiten als auch die Zeit nach dem Pokerboom mitgemacht. In seiner Kolumne wird er sich kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt des Pokers auseinandersetzen. Dieses Mal setzt er sich mit der Frage auseinander, ob es Sinn macht Poker ohne Geldeinsatz zu spielen.

Poker ist nur vermeintlich ein Kartenspiel. 1995 formulierte Dan Harrington in „Harrington on Hold’em“ eine interessante Definition: „Wie alle Pokervarianten scheint auch No-Limit Hold’em ein Kartenspiel zu sein. Streng genommen ist es aber nicht so. NLHE ist tatsächlich ein Wettspiel mit unvollständiger Information, bei dem Karten nur dazu dienen, die Wettsituationen zu erzeugen.“

Letztlich geht es darum, in einer gegebenen Situation mit unvollständiger Information die Informationslücke zu minimieren und daraus die optimale Entscheidung abzuleiten.

Dabei werden schlechte Entscheidungen (zumindest auf lange Sicht) bestraft. Entweder indem man Geld zahlt, ein Kleidungsstück abgibt oder die Räume der Studenten-WG auf Hochglanz bringen muss.

Dies gehört zu den wichtigsten Aspekten jeder Form von Poker. Falsche Entscheidungen müssen wehtun. Und der „Schmerz“ wird durch den Verlust eines Wertes erzeugt.

Stefan S.
Der Gründer des Poker Clubs Bad Beat Berlin, Stefan Schuettler, ist davon überzeugt, dass man Poker auch ohne Geldeinsatz spielen kann.

In meinem Berliner Homegame hat vor etwa acht Jahren vorübergehend ein gewisser Stefan S. teilgenommen. Eines Abends stellte er die kühne Behauptung auf, es wäre genauso gut möglich, Poker ohne Geldeinsatz zu spielen. Er wurde ein wenig belächelt, keiner aus der Runde nahm das wirklich ernst und Stefan S. ward alsbald nicht mehr als Gast gesehen.

Trotzdem hat er seine Behauptung in gewisser Weise wahr gemacht und den Verein „Bad Beat Berlin e.V.“ (BBB) gegründet. Im BBB treffen sich Pokerbegeisterte zu Spielabenden, bei denen sie kein Geld oder andere Werte riskieren und manchmal werden dort auch Absurditäten wie „No-Limit Omaha High-Low Split 8 or Better“ gespielt. Selbstverständlich ohne Geldeinsatz.

Es gibt mittlerweile landauf landab vergleichbare Gruppierungen und Vereine. Allen gemeinsam ist, dass es (offiziell) statt um Geld um Punkte geht und irgendwelche Monats-, Quartals- und Jahreswertungen ausgespielt werden, die man mit Urkunden oder Pokalen belohnt.

Und ohne Frage lernen die wirklich Interessierten dort das Spiel. In Gesprächen habe ich von Leuten, die ohne Geld spielen schon bemerkenswerte spieltheoretische Analysen hören können.

Grundsätzlich kann man derlei Aktivitäten begrüßen, denn über diese Gruppierungen werden Novizen an das Pokerspiel herangeführt. Es ist vergleichbar zu den Playmoney Games online. Und ein Teil der Neulinge findet früher oder später den Weg zum Pokerspiel um echtes Geld.

Robert Werthan
„Um Poker eine neue Zukunft geben zu können, muss Poker vom Casino gelöst werden – und vom Geldeinsatz", glaubt Robert Werthan.

Das österreichische „Poker-Magazin“ widmet sich in den ersten beiden Ausgaben dieses Jahres dem Thema recht umfangreich. Einige interessante Gedanken formuliert Robert Werthan in der Ausgabe 24“: „Um Poker eine neue Zukunft geben zu können, muss Poker vom Casino gelöst werden – und vom Geldeinsatz. Poker muss sich von der Glücksspielumgebung und von Geldeinsätzen trennen, um überhaupt erst für internationale Konzerne (als Sponsoren, Ergänzung des Autors) interessant zu werden.“

Es muss allerdings ergänzt werden, dass Werthan die satten Preisgelder von den Sponsoren finanziert haben möchte.

In Ausgabe 25 werden die bekanntesten Pokervereine und Sachpreisveranstalter vorgestellt und es kommen bekannte europäische Spieler zu Wort. Deren Meinung ist aber unisono, dass Poker ohne Geldeinsatz für sie wenig Sinn macht.

Fazit

Um neue Einsteiger zu finden und Erstinteressierte für Poker zu begeistern sind alle Bestrebungen sinnvoll und ich begrüße sie.

Aber machen wir uns nichts vor. Das Pokerspiel ist aus zwei elementaren menschlichen Triebfeder entsprungen: Der Gier und dem Bestreben, andere zu besiegen. Für beide bedarf es eines Maßstabs. Und das sind sicher nicht Ranglistenpunkte.

Dazu zwei eigene Erfahrungen: 1.) Eine meiner ersten Beobachtungen bei einer der Auftaktveranstaltung des Poker Club Bad Beat Berlin war vor vielen Jahren, dass sich viele Spieler heimlich bei den S&Gs um Punkte verabredeten. Jeder bunkerte einen Zehner als Anreiz unter dem Tisch. Wer zum Schluss alle Chips hatte, bekam das Geld.

2.) Der Betreiber eines anderen Berliner Pokervereins hat von einigen Jahren in nur etwa zweihundert Metern Luftlinie von der Vereinskneipe entfernt einen illegalen Pokerclub betrieben. Es gab regen Mitgliederaustausch zwischen beiden Lokalitäten.

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