Poker kontrovers - Anonyme Flamer nerven

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Rainer Gottlieb spielt schon seit 20 Jahren Poker und ist ein Urgestein der Berliner Pokerszene. Er ist regelmäßiger Gast bei Turnieren und Cash Games in der ganzen Welt. Rainer hat viel gesehen und sowohl die guten alten Zeiten als auch die Zeit nach dem Pokerboom mitgemacht. In seiner Kolumne wird er sich kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt des Pokers auseinandersetzen. Dieses Mal sagt er euch, warum ihm anonymes Geflame im Internet mächtig auf den Zeiger geht.

Im Internet tummeln sich eine Menge eigenartiger Gestalten. Nun könnte man sagen, „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“, und dabei versuchen, Toleranz walten zu lassen.

Mir fällt das nicht ganz leicht. Es existiert leider das verabscheuenswürdige Phänomen der Postings von anonymen Nutzern in Diskussionsforen oder in den Kommentarfunktionen auf Newsseiten.

Und natürlich ist davor auch unsere Domäne, das Pokerspiel nicht gefeit. Ein Spiel was per se Konflikte enthält und manchmal auch fördert, aktiviert offenbar auch niedere Instinkte.

Es gibt zahllose Diskussions- und Nachrichtenseiten zu Poker und auch dort werden Spieler übel beleidigt, ihre Leistungen geschmäht, und das Ganze oft aus feiger Anonymität heraus.

Eine Steigerung war vor Kurzem nach einer Berichterstattung zum Finale des „The BIG BIG“ Turniers in der Berliner Spielbank am Fernsehturm zu lesen:

Da wurden mal eben sämtlich Finalisten als „Fische“ bezeichnet. Gepostet hat es ein dubioser Zeitgenosse, der sich hinter dem wirklich originellen Namen „Niemand“ versteckt.

Dieser Niemand verunglimpft zehn Spieler, die es nach ca. 16 Stunden Turnierspiel über zwei Vorrundentage an den Finaltisch geschafft haben. Einige dieser als Fische bezeichneten Spieler sind übrigens recht häufig an den Finaltischen in Berlin zu finden.

Die Begründung für seine zweifelhafte Erkenntnis versucht "Niemand" mit der Schilderung einer länger zurückliegenden Einzelbeobachtung zu einem der Spieler zu liefern.

Wenn jemand über so lange Turnierspielzeit an den Final Table gelangt ist, dann muss er oder sie größtenteils richtige Entscheidungen gefällt haben. Selbstverständlich waren nicht alle optimal hinsichtlich Gewinnmaximierung und Verlustminimierung, aber insgesamt dürfte die Mehrzahl der Entscheidungen richtig gewesen sein und die Finalisten sind nicht ohne Grund dort gelandet.

Und selbstverständlich hat das Glück (oder die positive Varianz) in entscheidenden Turniersituationen eine wichtige Rolle gespielt. Ohne eine Portion Glück geht es nämlich nicht voran im Turnier, das dürfte allen erfahrenen Turnierspielern bekannt sein.

Für Flamer-Schwachmaten ist aber offensichtlich jede/r, der in einer Turniersituation Glück hat, einen Drei-, Zwei- oder Einouter trifft, Runner-Runner Straights oder Flushes erwischt, ein Fisch. Diese/r hat für den Flamer keine Ahnung von Poker und hat nach dessen verquerer Logik nichts in einem Turnier zu suchen.

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"Das anonyme Gemoser ist nicht nur stillos, sondern zeugt auch von charakterlichen Defiziten", sagt Rainer Gottlieb.

Ein derart anonymes Gemoser ist nicht nur stillos, sondern es zeugt auch von - vorsichtig formuliert - charakterlichen Defiziten. In einem gelungenen Kommentar zum oben genannten Bericht streicht und vertauscht „Mafi“ ein paar Buchstaben des Namens und so wird aus „Niemand“ „Neid“(hammel).

Es freut mich zu lesen, dass sich auch Daniel Negreanu über Flamer beschwert: "Die einzige Kritik kommt aus den Foren. Dort herrscht eine sehr streitlustige Stimmung, die keinem hilft."

"Ich könnte nicht jeden Tag in diese Foren gehen, da ich mich nicht ständig mit dieser Negativität umgeben möchte.

Dort halten sich Menschen auf, die ein armseliges Leben führen, und andere, die sie nicht einmal persönlich kennen, runtermachen müssen, um sich selbst besser zu fühlen.

Ich kann mich ganz gut in sie hineinversetzen, dennoch umgebe ich mich lieber mit positiven Menschen, die gute Ideen haben und versuchen Barrieren abzubauen."

Gut gesprochen, Daniel!

Manchmal wünsche ich, einen dieser Flamer tatsächlich mal sprechen zu können, um ihm/ihr face to face sagen zu können, wie ich sein/ihr Verhalten finde. 

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Rainer Gottlieb 2015-06-03 18:05:16

Na, es klappt doch! Kaum ist der Text veröffentlicht, meldet sich ein Flamer. Bin ich da jemandem auf den Schlips getreten? Wenn Du schon kritisieren willst, dann bitte mit Substanz, so bleibt es einfach nur Gemoser. Und - falls Du Berliner bist und dich im Pokerfloor aufhältst - gib Dich zu erkennen, ich diskutiere gern mit Dir. Falls dann etwas mehr Substanz dazukommt, werde ich das vielleicht als Anregung aufnehmen...
Rainer Gottlieb

Christian Wölfel 2015-06-01 19:57:31

wow, die kollumne von rainer gottlieb unterbietet sich qualitativ mit gruseliger regelmäßigkeit jedes mal aufs neue. wie lange gebt ihr diesem langweiligen, überflüssigen, sich längst überlebten kropf noch eine plattform? das soll kein flame sein, btw.

liebe grüße,

Christian