Alarm, Kamikaze-Angriff!

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10 August 2011, Von: The Brain
Geposted in: PokerZeit Blog
Alarm, Kamikaze-Angriff!

„Wir Pokerspieler haben alle einen an der Klatsche!“, pflegt mein Kumpel Thomas zu sagen. So weit würde ich nicht gehen. Ein Phänomen allerdings macht mir schwer zu schaffen. Ich nenne es das Kamikaze-Syndrom. Spieler, die ohne Rücksicht auf Verluste des eigenen oder fremder Stacks mit x-beliebigen Holecards Gas geben, als hielten sie die Rockets. Diese „Any two can win“- Mentalität gab es auch schon früher. Vereinzelt.

Gegen die klassische Spielweise war es jedoch nur eine Frage der Zeit, wann diese Kamikaze abgeschossen wurden wie einst die japanischen Piloten, die sich in WW II aus Verzweiflung auf amerikanische Schiffe stürzten, um größtmöglichen Schaden anzurichten. Eigentlich bedeutet Kamikaze „Götterwind“, der zwei mongolische Invasionsflotten vernichtete. Aber dies sei nur am Rande bemerkt.

Meiner groben Schätzung nach sind es mittlerweile bereits mindestens 20 Prozent aller Spieler, die vorsätzlich pokertechnischen Suizid in Kauf nehmen. Bei R/A – Turnieren sind die Vertreter der „Old school“, also die regelbuchkundigen Vertreter der klassischen Spielweise, heute bereits oft in der Minderheit.

Die Sturzkampfbomber rekrutieren sich aus allen Altersklassen, Nationalitäten und Präferenzen, also Cashgamer ebenso wie Turnier-, Internet- oder Homerunden-Spieler. Sie pushen „Any two“ wie z. B. 9-3 o, als seien es A-K oder ein hohes Pocket. Bereits Pre-flop Action pur: Raise, Reraise, Rereraise. Oder Q-4 o.

Beim Showdown darauf angesprochen heißt es dann beispielsweise: „Ich spiel’ die Dame. Muss kommen. Was ist Kicker?“ oder „Bruder, was hast Du? Wenn ich treffe, habe ich ’ne tolle Auszahlung!“. Auch  „Das ist das Geburtsdatum meiner Tochter. Bringt Glück.“ oder „Das ist meine Lieblingshand, damit kann ich nicht verlieren!“ schaffen es locker in die Top-Ten der „beknacktesten“ Move-Begründungen.

Ehrlich, viel zu oft macht es keinen Spaß mehr!

Viele Hunde sind des Hasen Tod. Klassische Reads sind kaum noch möglich. Ebenso wenig die halbwegs exakte Zuweisung einer Range für solch einen „Selbstmord“-Kandidaten. Höchststrafe ist dann noch, wenn sich durch einen Show-down als solcher geouteter Kamikaze in der nächsten Hand ein echtes Monster auf der Hand hat und dieses hält.

Vielleicht wage ich den Poker-Wiedereinstieg in den USA. Dort kann man durch die Höhe des Turnier-Buy-Ins ziemlich genau steuern, gegen welchen Spielertyp man antreten will. Den besoffenen Touristen, Homerunden-Amateure, Profis oder die sich fast sklavisch an die Lehrbücher haltenden Traditionalisten. Solche, denen Begriffe wie „Outs“, „Pot-Odds“, „Tells“ sowie Wahrscheinlichkeiten noch etwas sagen und die zumindest die Grundrechenarten noch beherrschen. Bis die Tage!

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Steel Way 2011-12-25 16:58:37

was heißt hier "lass doch die armen kamikaze...blablabla...". ich find's echt zum kotzen wenn ich pre flop meine asse raise (dreifacher big blind) und denne ein "all in" calle (1000 chips) um mir könig, zwei off suded anzuschauen, was sich dann zu nem king drilling entwickelt und mich aus dem turnier kickt. war noch dazu die erste hand und ich flog als erster raus und das durfte ich so ähnlich noch ein paar mal erleben. das hat mit pokern nix mehr zu tun. desshalb spiele ich nur noch im realen leben (no more internet) und sobald ich bei einem spieler diese spielweise bemerke, verlasse ich sofort den tisch , und das sogar bei tunieren. basta.

Mausi 2011-08-11 09:00:17

Nun lasst doch die armen Kamikaze ehrenvoll HARAKIRI begehen -grins-

Berni 2011-08-11 04:29:46

Recht haste! Denen könnte man statt Karten auch Würfelbecher in die Hand geben.