„Poker ist wie eine Liebesaffäre"

vicky coren

Vicky Coren hat keinen Job, aber zwei Hobbys, liebt Turnierpoker und Twitter.

PZ: Wie verändert sich die Dynamik eines langen Turniers von Tag zu Tag?

VC: Dafür gibt es keine Faustregel. Ich versuche, am ersten Tag billig viele Flops zu sehen und viele Hände zu spielen, um ein paar Chips zu gewinnen, wenn es denn funktioniert. Wenn ich aber keine Karten bekomme, lehne ich mich einfach zurück und warte. Dann stelle ich mein Spiel komplett um. Es ist wie in einer Liebesaffäre, manchmal wird es sehr leidenschaftlich, aber es gibt auch Phasen, in denen fast gar nichts passiert.

PZ: Poker hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Wie passt man sich an?

VC: Die größte Unterschied zu früher besteht darin, dass es heut einfach viel mehr gute Spieler gibt. Die Leute tauschen sich aus, lesen Bücher, chatten, kennen die mathematischen Aspekte, also wird es einfach schwieriger, zu gewinnen.

PZ: Muss man aggressiver spielen, um sich durchzusetzen?

coren hairabedian
Es zahlt sich aus, jemanden auflaufen zu lassen.

VC: Manchmal vielleicht eher weniger aggressiv. Es zahlt sich oft aus, auf eine gute Hand zu warten und jemanden auflaufen zu lassen.

PZ: Ok, die nächste Frage ist unvermeidlich. Sollten mehr Frauen Poker spielen?'

VC: Poker ist keine Frage des Geschlechts, sondern eher der Persönlichkeit. Viele Frauen fühlen sich durch die maskuline Atmosphäre, die in einem Pokerraum herrscht, immer noch eingeschüchtert. Ich persönlich bin da anders, ich finde die Leute alle freundlich und lustig. Grundsätzlich halte ich Poker für ein Spiel, in dem Frauen von Natur aus gut sein sollten. Dass dies ein Spiel für Männer ist, ist ein Mythos, aber einer, der schwer auszuräumen ist.

PZ: Zwar sehen viele in Vicky Coren nur die Spielerin, aber eigentlich sind Sie ja von der schreibenden Zunft. Was sehen Sie als Ihren Hauptberuf an?

VC: Ich habe eigentlich überhaupt keinen Beruf. Ich habe zwei Hobbys, Poker und Schreiben, und ich habe das Glück, mit beiden Geld verdienen zu können. Mit dem Wort Beruf verbinde ich, in einem Büro gefangen zu sein, sich ständig zu langweilen und sich immer zu wünschen, dass bald Wochenende ist. Aber Schreiben ist natürlich mehr Arbeit als Poker. Manchmal wache ich morgens auf und weiß nicht, was ich schreiben soll, aber ich muss etwas zu Papier bringen. Bei Poker kann so etwas einfach nicht passieren.

PZ: Sie schreiben für den Guardian und den Observer, haben Radiosendungen und Fernsehshows moderiert. Wie sieht ein Tag im Leben von Vicky Coren aus?

vicky coren
Manchmal deprimiert und langweilig.

VC: Vergessen Sie mein Buch nicht! Es stimmt, ich bin vielbeschäftigt, aber das bin ich gern. Und dann ist das das psychologische Moment. Wenn ich vier Dinge gleichzeitig tue, und drei davon gehen schief, habe ich immer noch etwas, das funktionieren kann. Wenn ich schlecht spiele, kann ich mir immer sagen, macht ja nichts, ich bin ja eigentlich Autorin. Oder umgekehrt.

PZ: Auf Twitter folgen Ihren Kommentaren ungefähr 20.000 Personen. Stehen Sie gerne in der Öffentlichkeit oder ist das einfach nur schmeichelhaft?

VC: Klar schmeichelt mir das, wenn Leute hören wollen, was ich zu sagen habe, denn warum sollten sie? Andererseits ist Twitter natürlich auch ein Bluff. Ich mag das Prinzip, weil man sich kurz fassen muss und ein Gefühl der Gemeinschaft entsteht, aber ich würde dort nie über persönliche Dinge sprechen. In einem solchen Netzwerk kann jeder ziemlich frei bestimmen, wie seine Persönlichkeit rüberkommen soll. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch eine Seite an mir gibt, die langweilig und deprimierend ist.

PZ: Wieso gibt es „Vicky Coren" gleich vier Mal auf Facebook?

VC: Eigentlich gibt es überhaupt keine Vicky Coren auf Facebook, weil ich da gar nicht aktiv bin. Und logischerweise sind vier Corens gefälscht. Das stört mich aber nicht weiter, weil alle vier wahrscheinlich bessere Facebook-Freunde sind als ich.

PZ: Wie sind Sie überhaupt in diese hohen Buy-in-Turniere hineingerutscht?

VC: Ich war als Kommentatorin einer Pokershow im britischen Fernsehen tätig, aber ich wurde vor der EPT London nicht gesponsert. Ich bin damals auf PokerStars zugegangen und habe sie gefragt, ob sie mich nicht vielleicht unterstützen wollen. Es hieß ja damals schon, dass man mehr Frauen auf der Tour haben wollte, weil diese so sehr in der Unterzahl sind. Sie sagten also gut, wir lassen dich aber nur dieses eine Turnier spielen, und dann sehen wir ja, wie du dich hältst.

PZ: Und dann setzen Sie sich hin und gewinnen  das ganze Event?

VC: Na ja, das musste ich ja wohl.

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