"Poker ist leichter als Big Brother, überhaupt kein Vergleich" – Kevin Martin

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Kevin Martin hat Big Brother gewonnen

Pokerspieler und Realityshows, das ist eine schwierige Angelegenheit. In der Vergangenheit haben sie immer wieder verloren – und das trotz ihrer Fähigkeiten im Bereich Psychologie und Spieltheorie. Anders war es bei Kevin Martin, der dieses Jahr Big Brother Kanada gewonnen hat und satte 100.000 Dollar Siegprämie kassierte.

Bei Kevin Martin geht es seit dem spektakulären Sieg steil bergauf, die Zuschauerzahlen auf seinen Twitch-Kanal gehen nach oben und schon vor seinem TV-Triumph war er bei Pokerstars unter Vertrag.

Auch bei uns in Deutschland wird es demnächst wieder Big Brother geben. Ab 11. August 2017 läuft auf dem Fernsehsender Sat1 Promi Big Brother und zwölf mehr oder weniger prominente Teilnehmer werden um den Einzug ins Finale bzw. den Sieg kämpfen.

PokerListings hat BB-Sieger Kevin Martin in einer Pause beim Main Event der WSOP getroffen und mit ihm über Big Brother, Twitch und natürlich Poker gesprochen.

"Ja, ich war regelrecht besessen"

PokerListings: Kannst Du ein bisschen über den Sieg bei Big Brother sprechen? Ich habe gehört, dass Du es als den "besten Tag im Leben" bezeichnet hast. Was hat diese Erfahrung für dich bedeutet?

Kevin Martin: Ich mag einfach die Competition und als die Macher der Fernsehshow auf mich zukamen, war ich sofort begeistert. Ja, ich war regelrecht besessen.

Als ich in der dritten Staffel teilgenommen hatte und es nicht schaffte – ich war ja völlig abgeschlagen – war ich am Boden zerstört. Ich dachte, dass das meine einmalige Chance im Leben war und war vorher so zuversichtlich. Vielleicht war ich zu verbissen.

Und dann zwei Jahre später wieder den Anruf zu bekommen. Ich wollte wiederkommen und die Geschichte erfolgreich beenden. Teilweise war es sehr unschön und sehr hart, ich habe aber gewonnen.

Am Ende war ich überglücklich, meine Wahl zum Sieg war einstimmig und ich hatte 100.000 Dollar gewonnen. Es war ein Segen.

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Martin bei seinem Big-Brother-Sieg

PokerListings: Was hat es dir persönlich gebracht, teilzunehmen und zu scheitern und dann noch mal zurückzukommen und das Ding zu gewinnen?

Kevin Martin: Ja genau. Die Erfahrung war wichtig, genau wie im Poker, wo man viel Zeit investieren und jede Menge Hände spielen muss, um gut zu werden.

Die Erfahrung beim zweiten Mal war entscheidend, einige meiner Mitbewohner haben zum ersten Mal gespielt und deswegen hatte ich einen Riesenvorteil. Ich wusste ungefähr, welche Herausforderungen kommen würden und wie die Show läuft. Deswegen konnte ich meine Aktionen besser planen.

Es war aber auch ein harter 'grind' und ich bin im Endeffekt froh, dass sie mir eine zweite Chance gegeben haben. Es gab so viele Leute, die sie hätten auswählen können.

PokerListings: Woran liegt es, dass Du in Sachen wie Poker, Streaming und auch bei Reality-Shows so erfolgreich bist? Es sieht ja so aus, als gäbe es eine Skills, die in all diesen Disziplinen von Nutzen sind.

Kevin Martin: Naja, es kommt vor allem darauf an, einen guten Lauf zu haben. Ich hatte das Glück, zu Beginn im Poker mit tollen Menschen zu tun zu haben. Ich kannte viele Spieler, die besser waren als ich. Das hat mir geholfen.

"Ich hatte den Willen zum Erfolg"

Ja, natürlich muss man Glück haben, ich habe aber auch sehr hart gearbeitet. Ich hatte den Willen zum Erfolg. Es ist einfach cool, was wir erreicht haben. Ein Sponsoring bei Pokerstars, ein guter Stream auf Twitch und dazu noch ein YouTube-Channel. Es gibt aber noch viel zu tun, wir sind noch nicht fertig.

PokerListings: Warum sagst Du "wir?

Kevin Martin: Ich benutze das Wort nur für mich und die Leute, denen ich wichtig bin. Die Fans, die die Streams und Videos schauen und sich für mich und mein Leben interessieren. Ich sage "wir", weil ich das Gefühl habe, für die Community, die mich unterstützt, zu spielen.

PokerListings: Poker ist ja eine sehr individuelle Beschäftigung. Aber so, wie Du darüber sprichst, klingt es überhaupt nicht so. Wie wichtig ist es, dass Du ein Team hast?

Kevin Martin: Absolut wichtig. Fast alles, was ich erreicht habe, schulde ich den Menschen, die mich sehen wollen. Ich könnt jetzt einige Namen nennen, die Community als Ganzes war einfach großartig.

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Kevin Martin

Wenn Du auf Twitch Poker spielst und dabei deine Karten zeigst, ist es zwar immer noch ein Individualsport, es fühlt sich aber so an, als hätte man ein Team hinter sich.

Wenn man in einem großen Turnier weit kommt, schauen ungefähr 2.000 bis 5.000 Menschen zu. Das treibt mich an, ich habe das Gefühl, als müsste ich durchhalten, weil all diese Leute ihre Zeit damit verbringen, mir zuzuschauen. Das jahrelange Streamen hat mir diese Mentalität verschafft.

"Mir fehlen die Stoffe im Gehirn, die dafür sorgen, dass einem etwas peinlich ist"

PokerListings: Viele Leute fürchten sich davor, ihr Pokerspiel öffentlich zu streamen. Man ist doch sehr exponiert und das Internet kann manchmal ein unfreundlicher Ort sein. Hattest Du am Anfang deiner Karriere als Streamer Angst und wie bist Du damit umgegangen?

Kevin Martin: Ja, es gab Höhen und Tiefen. Es gab wirklich harte Momente. Das werden dir alle Streamer sagen. Alle, die Content produzieren und alle Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, werden Dir folgendes sagen: Im Internet wirst Du geliebt und gehasst zugleich.

Von beidem gibt es eine Menge und ich habe jede Menge Respekt für all die Leute im Business, die so etwas machen.

Am Anfang habe ich zum Beispiel bei Jaimie Staples gedacht, dass er seine Zeit verschwendet und lieber Live-Poker spielen sollte. Er hat mich damals aber überzeugt, dass Twitch groß wird und dass ich es machen muss.

Ich war aber auch immer ein offener Typ, mir fehlen die Stoffe im Gehirn, die dafür sorgen, dass einem etwas peinlich ist (lacht). Das erlaubt mir, in die Öffentlichkeit zu gehen, dort zu scheitern oder zu siegen und alles ist irgendwie o. k.

PokerListings: Siehst Du einen Vorteil darin, dich derart zu exponieren?

Kevin Martin: Klar, es wird jetzt sehr tiefsinnig, aber darum geht es doch im Leben. Hinauszugehen und Risiken auf sich zu nehmen. Wenn man nur herumsitzt und nichts tut, kann es langweilig und lasch werden. Geht raus und macht etwas!

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Streamer-Kollege Jaimie Staples von PokerStars

PokerListings: Muss man sich klarmachen, dass Erfolg nicht nur darin besteht, dass man die ganze Zeit gewinnt, sondern dass man auch Niederlagen einsteckt?

Kevin Martin: Ja, da kannst Du wirklich jeden fragen. Nehmen wir zum Beispiel Daniel Negreanu. Er könnte dir eine riesige Liste an Misserfolgen präsentieren, mit denen er aber irgendwie klargekommen ist.

Man muss sich für diese Tiefschläge nicht schämen, man muss lernen, sie zu akzeptieren. Schließlich sind wir alle Menschen und man kann nicht immer alles perfekt machen und jeden Pot gewinnen.

PokerListings: Es scheint, als hättest Du von Jaimie Staples viele gute Ratschläge bekommen. Streaming explodiert ja momentan und das nicht nur im Poker. Wie siehst Du die Zukunft der Streamer?

Kevin Martin: Es ist toll, da so eine Menge neue Leute an die Pokertische kommen. Auch von Big Brother habe ich viele Zuschauer mitgenommen, die sich jetzt für Poker interessieren.

Alle, die streamen, z. B. Jcarver und TonkaaaaP, sie alle bringen neue Leute zum Poker und das braucht dieses Spiel. Es ist unheimlich aufregend, streamen ist ja grundsätzlich etwas sehr Intimes.

Poker sieht man ja normalerweise im Fernsehen und verpasst viele Momente. Auf Twitch ist alles live und sehr fragil. Es gibt zwar eine dreiminütige Verzögerung, trotzdem ist alles aber sehr direkt und wenn ich viel Geld verliere, zeige ich auch meinen Frust. Alles ist da draußen.

PokerListings: Es ist also sehr ehrlich?

Kevin Martin: Ja, sehr sehr ehrlich. Und das ist es, was die Leute mögen.

PokerListings: Ist das auch, was Du an Big Brother magst?

Kevin Martin: Ja! Die Kameras laufen rund um die Uhr. Der Mangel an Privatsphäre nimmt einem den Atem. Es gibt keine Situation wie diese, man ist bis auf die Knochen nackt. Poker ist viel leichter als Big Brother. Big Brother war das Härteste, was ich je gemacht habe.

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