Die Poker-Highlights 2011

Silvester poker

Das ablaufende Pokerjahr war ohne Frage DAS Jahr der deutschsprachigen Pokerszene. Im Wochentakt wurden Erfolgsmeldungen mit dem Prädikat „german“ versehen. Ob EPT, SCOOP oder IFP-Team-Wettbewerb - überall triumphierten Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Weltmeistertitel von Pius Heinz war das Sahnehäubchen auf glorreiche zwölf Poker-Monate. Wir lassen sie noch einmal Revue passieren.

I. 24. März, Saalbach-Hinterglemm, Vladimir Geshkenbein gewinnt das EPT-Snowfest

PKR-Pro Vladimir Geshkenbein war bereits Mitte Februar aufgefallen. Bei den German Highrollern war er aufgrund einer Empfehlung von PokerStars Pro Johannes Strassmann eingeladen worden und hatte nicht nur durch wahnsinnige Moves von sich Reden gemacht. Auch sein offensichtliches Faible für Hochprozentiges gab ihm einen hohen Wiedererkennungswert.

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Vladimir Geshkenbein.

Und den steigerte der in Malta lebende, Schweiz-Russe wenige Wochen später, ebenfalls im Alpine Palace noch einmal kräftig. Vom ersten Tag des EPT-Snowfestes war Geshkenbein in den Top-Platzierungen des Chipcounts zu finden und ließ vor allem am Finaltisch keine Gelegenheit aus, um seinem frisch erworbenen Ruf alle Ehre zu machen. „Ich wette, du würdest nicht mal lächeln, wenn du Erster wirst“, war noch einer der harmloseren Sprüche. Bevorzugte Zielscheibe war der Belgier Kevin Vandersmissen.

Die beiden erklärten auf Twitter, den jeweils anderen nach „Value Town“ mitgenommen zu haben. Dabei bezeichnete Geshkenbein seinen Gegner bevorzugt als „fetten Belgier“ während dieser sich mit der Äußerung „russischer Alkoholiker“ revanchierte. Am Ende war es Geshkenbein, der sündhaft teuren Dom Perignon bestellte, EPT-Titel und 390.000 Euro einstrich und ein spektakuläres Jahr für die deutschsprachige Pokerszene einläutete.

II. 10. April & 4.Mai – Max Heinzelmann wird „back to back“ Zweiter bei EPT Berlin und EPT San Remo

Schwabe Max Heinzelmann hatte sich in der Online-Welt als MTT-Grinder längst einen Namen gemacht, als er im April auch in den Fokus der Live-Poker-Welt geriet. Erst unterlag er in Berlin beim Main Event der EPT erst im Heads-Up Ben Wilinovsky (erster Live-Cash überhaupt) aus Kanada und nahm 500.000 Euro mit nach Hause. Und dann, noch nicht mal vier Wochen später bei der nächsten EPT, diesmal in San Remo gelang ihm dieses Kunststück gleich noch einmal. Allerdings war es dieses Mal eher so, wie beim Knockout des FC Bayern im Champions League Finale 1999 gegen Manchester United.

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Max Heinzelmann.

Heinzelmann hatte an einem unheimlich aggressiven  Finaltisch lange Zeit Katz und Maus mit seinen Gegnern gespielt und musste am Ende nur noch den Briten Ruppert Elder eliminieren, auf den er einen 2:1 Chiplead hatte. Nach einem Flop von 7 6 9 und einem A am Turn waren alle Chips in der Mitte. Heinzelmann hielt T 8 für die Straight, und Elder 6 6 zum Midset. Doch das Quentchen Glück am River wollte der Pokergott, Heinzelmann nicht zugestehen. Dort schlug das A ein. Full House für den Briten, der wenig später auch den Sieg holte. Heinzelmann hingegen schob noch einmal 600.000 Euro auf seine Bankroll und wird wohl als einziger „back to back“ Runner-up in die EPT-Geschichte eingehen.

III. Ende Mai – die Deutschen dominieren die SCOOP 2011

Auch bei der SCOOP setzte sich die deutsche Erfolgswelle fort. George Danzer führte am Ende die ewige Bestenliste souverän an. Auch bei den Preisgeldplätzen sprachen die Zahlen eine deutliche Sprache: Mit fast 7.600 Plätzen ITM hatte Deutschland rund 1.500 mehr Cashes zu verzeichnen als Russland auf Platz zwei und Großbritannien (ca. 4.800) auf Platz drei. Diese Tendenz zog sich durch bis an die Finaltische.

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George Danzer.

Deutschland war die einzige Nation, die mehr als 100 Spieler an die letzen Tische schickte. Auch bei den Siegern stand Germany ganz oben. Mit 18 Siegen distanzierte man Briten (14) und Russen (12) klar. Fairerweise muss natürlich angemerkt werden, dass  nach dem Black Friday,  Deutschland mit über 50.000 Spielern das mit Abstand größte Teilnehmerfeld in die Serie geschickt hatte.

IV. 20. Juli, Las Vegas – Pius Heinz schafft es als erster Deutscher ein November Niner zu werden

Ein vorher völlig unbekannter Spieler schaffte es beim WSOP Main Event tatsächlich als erster Deutscher seit Einführung der November Nine, und als Zweiter überhaupt an den Final table.

Der erst 22-jährige Pius Heinz, von dem nicht viel mehr als sein Heimatort Köln und sein Online-Name mastap89 bekannt waren, spielte sich in den Fokus der gesamten Pokerwelt.

Mit seinem loosen, fast zu loosen Stil bekam er mehr Action als seine Gegner ihm eigentlich hätten geben sollten. In der letzten Nacht legte er den Schalter um und beutete sein Image über längere Zeit perfekt aus. Am Ende war Heinz auch wegen seines Äußeren und seines seltsamen Namens wegen zum Liebling der Journalisten geworden.

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Ronny Kaiser.

Unter der Kapuze seines weißen Hoodys sah der Student aus, wie ein pokernder Mönch. Sein Vorname Pius (lat.: der Fromme), den vor ihm auch diverse Päpste trugen, tat sein Übriges, um dem Deutschen zu einem der charismatischsten Teilnehmer der November Nine zu machen.

V. 7. August, Tallinn – der Schweizer Ronny Kaiser gewinnt den EPT-Auftakt in Estland

Mit einem Start-Ziel Sieg setzte der Schweizer Ronny Kaiser in der 8. EPT Saison gleich zum Auftakt eine erste Duftmarke für die deutschsprachige Pokerszene. Als überlegener Chipleader hatte er den Final table des Main Events der EPT-Tallinn geentert und am Ende Sieg und 275.000 Euro Preisgeld geholt. Dabei war der PLO-Online-Grinder eben erst 21 geworden. Wenige Wochen vorher hatte er seine erste WSOP gespielt und dabei, ähnlich wie vorher außerhalb der USA auf keine großen Live-Erfolge blicken können.

Kaiser hatte sich trotz seines jungen Alters als einer der wenigen deutschsprachigen Spieler auf die höchsten Limits bei PokerStars und vorher auch bei Full Tilt getraut. Die vergleichsweise überschaubare Siegesprämie war deshalb wohl nicht mehr, als ein schönes Zubrot. Allerdings darf er sich jetzt bis in alle Ewigkeit als erster Schweizer bezeichnen, der ein Turnier der European Poker Tour gewonnen hat.

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Martin Schleich.

VI. 2. September, Martin Schleich gewinnt die EPT -Barcelona

Die zweite EPT der Saison und Fokus der gesamten Pokerwelt, der deutsch sprach. Martin Schleich war vorher live nie groß in Erscheinung getreten, hatte sich aber seit 2006 online bereits seine Meriten verdient. In Barcelona aber cashte der 29-jährige Münchner groß. Der erste deutsche EPT-Sieg seit Martin Eilers Triumph in Wien ungefähr ein Jahr zuvor brachte Schleich einen Gewinn von 850.000 Euro.

Und er besiegte im Heads Up einen Spieler, der irgendwie für den Sieg bestimmt schien. Der ukrainische Amerikaner Eugene Katchalov war als Short Stack ins Finale gegangen und hatte sich nach einer Stunde den Chiplead erspielt. Ein Sieg hätte ihn in den illustren Club der Triple-Crown-Gewinner (Titel bei der WSOP, der WPT und EPT) aufsteigen lassen. Stattdessen gewann der schweigsame Deutsche, der mit seiner stoisch ruhigen Art vor allem die Interviewer nach der letzten Hand ratlos zurückließ.

VII. 7. Oktober – Benjamin Spindler dominiert Highstakes und EPT-London

Schon Mitte September hatte Benjamin Spindler für dieses an deutschen Erfolgen so reiche Jahr Einzigartiges vollbracht. Unter seinem Online-Nick toweliestar hatte er als erster und einziger Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem Gewinn von $306k eine unserer Highstakes-Wochen-Bilanzen angeführt.

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Benny Spindler (Mitte).

Wenige Tage später führte er schon wieder an, und zwar die Eroberung der britischen Insel durch deutsche Pokerspieler. Er selbst gewann nach tagelangem Chiplead den Main Event der EPT London und 750.000 Pfund. Der Chemnitzer Andre Klebanov wurde Dritter und gewann 275.000 Pfund. Die Krone im Highroller-Event setzte sich Phillip Gruissem auf. Er besiegte im Heads Up den Münchner Igor Kurganov.

Damit nicht genug: Khiem Nguyen aus Wiesbaden färbte mit seinem Sieg auch den £2.000 Mixed Event NLHE/PLO in Schwarz-Rot-Gold. Nach diesem Multi-Erfolg der deutschsprachigen Szene war endgültig klar, dass in der laufenden Saison nicht ohne das Prädikats-Siegel „made in germany“ gehen wird.

VIII. 7. November, Las Vegas – Pius Heinz wird Poker-Weltmeister

Die Sensation war perfekt: Ein 22-jähriger Kölner Student schlägt im letzten Kapitel des Main Events den Tschechen Martin Staszko und wird erster deutscher Poker-Weltmeister.

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Pius Heinz.

Sechs Stunden lang duellierten sich die beiden letzten Kontrahenten eines fast 8.000 Spieler umfassenden WSOP-Main Events. Dann kam es zu einer entscheidenden Hand, in der Heinz mit A Q gegen Staszko mit Q 9 antrat. Der Flop, auf dem die Chips in die Mitte gingen, zeigte T 7 K, Staszko verpasste seine Outs, und Heinz ging weit in Führung.

Das Ende kam nur wenige Hände später, als Pius mit A K das All-in von Staszkos T 7 bezahlte. Auf dem Board erschien keine Hilfe, das Turnier war vorbei und Deutschland hatte einen neuen Superstar. Auch in den Wochen danach war der frisch gebackene Poker-Weltmeister in aller Munde.

Sein Sieg wurde nicht nur in der „tagesschau“ angesagt und war Thema bei „SternTV“ sondern war ebenso im Fokus der Poker-Community. Von seinen acht Millionen Dollar Gewinn soll ein Großteil der Investoren-Gruppe um den russischen Spieler Max Katz gehören.

IX. 19. November, London – Deutschland gewinnt die erste Team-Weltmeisterschaft

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Das deutsche Team bei der IFP.

Ganze zwölf Tage war der Erfolg von Pius Heinz her, da gelang den Deutschen der nächste Streich. Die International Federation of Poker (IFP) hatte zur ersten offiziellen Team-Weltmeisterschaft gerufen und ganz oben stand am Ende: Deutschland. Frankreich und Brasilien wurden auf die Plätze verwiesen. Mit einem Start-Ziel Sieg hatte man wahre Dominanz gezeigt und so trotz aller Pannen in der Organisation und der Abwesenheit von Weltmeister Pius Heinz den Titel ganz verdient und ohne großes Glück gewonnen.

Zum Team des ersten offiziellen Mannschafts-Weltmeisters zählten: der nicht-spielende Kapitän Stefan Kalhamer, Sandra Naujoks, Tobias Reinkemeier, Hans Vogl, Konstantin Bücherl, Sebastian Ruthenberg, Moritz Kranich und Tim Reese.

X. 10. Dezember, Prag – Martin Finger aus Chemnitz gewinnt letzte EPT des Jahres

Es war nicht nur die größte EPT, die je in Prag gespielt worden war, sondern das größte und teuerste Poker-Turnier in Tschechien überhaupt. Und es konnte einem fast schon peinlich sein. Denn der Gewinner kam bereits zum dritten Mal aus Deutschland. Sein Name, Martin Finger aus der Nähe von Chemnitz.

Martin Finger
Martin Finger.

Sein Lauf, der ihn schon am zweiten Tag in die Top 10 des Chipcounts getragen hatte, führte ihn bis zum Heads-up gegen den Holländer David Boyaciyar. Sein Titel brachte ihm 775.000 Euro und der deutschsprachigen Pokerszene den vierten EPT-Titel in dieser noch jungen Saison.

Nach Fingers Triumph musste man zwangsläufig an Gary Linekers Fussball-Definition („22 Spieler laufen hinter einem Ball her und am Ende gewinnen immer die Deutschen“) denken. Nach dem Jahr 2011 muss es für Poker, zumindest bezüglich der European Poker wohl heißen: „Hunderte Spieler leisten den Buy In und am Ende gewinnt immer ein Deutscher.“

Das PokerZeit-Team wünscht allen Lesern schöne Feiertage!


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