Poker 2012 - der Rückblick (4)

Barcelona Poker Floor
EPT-Auftakt in Barcelona.

Das letzte Quartal des Jahres war geprägt vom lang erwarteten Neustart von Full Tilt. Das Geld war noch da und alle waren glücklich. Die anfängliche Euphorie löste sich jedoch schnell in Wohlgefallen auf, denn mittlerweile leidet der Pokerraum unter starkem Spielerschwund. Dafür fand ein überaus erfolgreiches Jahr aus deutscher Sicht mit dem Sieg von Marvin Rettenmaier beim „Bluff Player of the Year Ranking“ seinen krönenden Abschluss.

Oktober

Der Oktober stand ganz im Zeichen des Final Tables beim WSOP Main Event.

Aber der Reihe nach, denn auch auf dem europäischen Kontinent gab es mit der EPT San Remo und der 23. Poker EM in Baden bei Wien zwei Events der Extraklasse.

San Remo zählt traditionell zu den größten Tourstopps, und auch in diesem Jahr fanden wieder 797 Spieler den Weg an die Côte d'Azur.

Zwar schaffte es mit Ismael Bojang einer unserer Vertreter an den Final Table, doch leider musste er diesen schon als Erster wieder verlassen. Der Sieg und die Prämie in Höhe von €744.910 gingen an den Franzosen Ludovic Lacay.

lacay spindler
Ludovic Lacay, Benny Spindler.
 

Dafür lief es beim High Roller Event umso besser. Mit Igor Kurganov, Philipp Gruissem und Benny Spindler waren gleich drei Deutsche am Finaltisch. Letzterer setzte sich am Ende auch durch und durfte über €253.000 jubeln.

Gegen Ende des Monats folgte mit der 23. Poker EM in Baden bei Wien schon das nächste prestigeträchtige Turnier. Mit der CAPT Baden und der Europameisterschaft im No-Limit Hold’em und im Pot-Limit Omaha hatte man gleich drei Highlights zu bieten.

Die CAPT Baden war ganz klar das Turnier der Schweizer, denn sie feierten einen Dreifacherfolg. Daniel Marquis stand am Ende ganz oben auf dem Treppchen.

Mit dem Titel des Europameisters dürfen sich der Franzose Aubin Cazals (PLO) und der Rumäne Andrei One (No-Limit Hold’em) schmücken.

In den Schatten gestellt wurden die beiden oberen Events aber natürlich vom WSOP Main Event Final Table. Aus den November Nine wurden die October Nine, denn zum ersten Mal seit der Einführung des verlegten Finaltisches des Main Events im Jahr 2008 fann dieser schon im Oktober statt. Der Grund für die Vorverlegung waren die amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Andrei One
Andrei One.
 

Die Besetzung des Finaltisches entsprach nicht gerade unseren Vorstellungen, da mit dem Ungarn Andras Koroknai nur ein Europäer Platz nehmen durfte. Alle anderen kamen aus den USA.

Der neue Weltmeister und Nachfolger von Pius Heinz heißt Greg Merson. Er setzte sich im Heads-Up gegen seinen Landsmann Jesse Sylvia durch und sackte unglaubliche $8.531.853 ein.

November

Pokerspieler in der ganzen Welt hatten diesem Tag sehnsüchtig entgegengefiebert. Nach einem mehr als eineinhalb Jahre anhaltenden Auf und Ab war der große Tag endlich gekommen.

Am 6. November ging Full Tilt wieder online und der Start war sehr verheißungsvoll, denn in der ersten Woche verlor Full Tilt, verglichen mit den Zahlen vor dem Black Friday, nur 11% seiner Spieler.

Ein Durchschnitt von 8.500 Cash Spielern bedeutete ganz klar Platz 2. Inzwischen hat sich das Ganze jedoch relativiert und man musste Einbußen von fast 60% hinnehmen.

Ole Schemion
Ole Schemion.
 

Im aktuellen Ranking von Pokerscout.com wurde Full Tilt nun sogar von PartyPoker überholt und belegt aktuell nur noch Platz 3.

Ein Grund dafür ist mit Sicherheit das neue Rakeback-System, welches zu den schlechtesten auf dem Markt gehört. Selbst Vielspieler können während der Happy Hour maximal 35% Rakeback bekommen. Im Vergleich dazu erhalten Supernova Elite Spieler auf PokerStars bis zu 71%.

Ein weiterer Grund ist, dass es keine wirklichen Nosebleed-Limits mehr gibt und bei $400/$800 Schluss ist. Vor dem Black Friday waren die High Stakes das absolute Steckenpferd von Full Tilt und Matches wie „durrrr“ gegen „Isildur1“ lockten Tausende vor die Rechner.

Die FTOPS XXI war dagegen ein voller Erfolg und glänzte mit riesigen Teilnehmerfeldern. Die Preispools wurden bis auf ganz wenige Ausnahmen deutlich überschritten.

Dennoch zeigt der Trend ganz klar nach unten und die Verantwortlichen werden sich etwas einfallen müssen, um sich am hart umkämpften Online Poker Markt zu behaupten.

Es war ein grandioses Jahr für Ole Schemion. Nur zwei Monate nach seinem Sieg bei der Partouche Poker Tour für knapp 1,2 Millionen Euro gewann er die Master Classics of Poker in Amsterdam und konnte seiner Bankroll weitere €286.000 hinzufügen. Somit hat er allein 2012 mehr als zwei Millionen Dollar an Preisgeldern gewonnen.

mind sports
Mind Sports in Prag.
 

Dezember

Zum Abschluss des Jahres wartete mit dem Prag Poker Festival noch einmal ein sehr interessantes Event.

Das Prager Poker Festival hatte so einiges zu bieten.

Neben einer WPT, einer EPT und einer GSOP fand nämlich zeitgleich auch noch das Prague Mindsport Festival statt bei dem der Denksport im Mittelpunkt stand. Spielefans kamen also voll auf ihre Kosten.

Wir möchten uns an dieser Stelle aber auf Poker konzentrieren. Den Auftakt machte die WPT Prag und wir durften uns gleich Hoffnungen auf einen deutschen Sieg machen.

Bodo Sbrzesny ging als klarer Chipleader an den Final Table. Der Deutsche hatte das ganze Turnier über sehr souverän gewirkt, überspielte dann aber eine Hand und musste sich am Ende mit Platz 3 und $179.246 zufrieden geben. Den Titel holte sich der Pole Marcin Wydrowski.

Das Main Event der EPT Prag verlief aus deutscher Sicht enttäuschend, dafür hatte es das High Roller Event in sich.

Die Ausgangsituation war fast aussichtslos, denn Marvin Rettenmaier musste schon gewinnen, um Dan Smith in der „Bluff Player of the Year“ Wertung noch zu überholen.

MarvinRettenmaier2
Marvin Rettenmaier.
 

Marvin machte seinem Spitznamen „Mad Marvin“ alle Ehre und ihm gelang das Unfassbare. Beim größten High Roller Event der EPT Geschichte ließ er 112 Pokercracks hinter sich und nahm €365.300 mit nach Hause.

Doch damit nicht genug, denn dadurch fing er Dan Smith in letzter Sekunde ab und darf sich nun „Player of the Year 2012“ nennen.

Als erstem Spieler überhaupt gelang es ihm zwei WPTs nacheinander zu gewinnen, darunter die WPT World Championship im Bellagio für sage und schreibe $1.196.858.

Dazu kommen noch mehrere Cashes bei der WSOP und einige Final Tables bei High Roller Events, sodass der Leonberger sich den Titel „Spieler des Jahres“ reglich verdient hat.

Wir gratulieren Marvin zu dieser phänomänalen Leistung und hoffen, dass die deutschen Spieler ihren guten Lauf auch im Jahr 2013 fortsetzen können.

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Igor Soukharyev 2012-12-30 08:18:15

Fantastisch! Online-Poker-Seiten fordern (oder niedrigst bitten?:D) erstes Deposit machen, nur dann wird das Echtgeldkonto aktiviert. Die Begründung: "Nach dem Deposit wird Ihre Identität sicherer."
Aber wer ist ein mehr talentierter Idiot? Der, wer blind vertraut und "deponiert" was im schwarzen Loch des Netzes, oder der, wer fordert, sich mit einem anonymen PaySafeCard zu authentifizieren ?