2012 – der Rückblick (1)

Von Gewinnern und Verlieren, Mördern, Lügnern und Betrügern, der unverstandenen Justiz, Nachwuchsautoren und Jessica Kastrops rotem Kleid.

Was war das wieder für ein Jahr. Der Neustart von Full Tilt und das Big One gehören zu den wichtigsten Schlagzeilen des Jahres, aber nicht zu den ersten.

Zu Beginn des Jahres 2012 sorgten ganz andere für Gesprächsstoff.

 

Januar

Der erste wichtige Pokerevent des Jahres ist schon fast traditionell die EPT PokerStars Caribbean Adventure auf den Bahamas.

In diesem Jahr sicherte sich der New Yorker John Dibella den Titel, und das mit Faraz Jaka und Kyle Julius als letzten Gegnern.

Falls Sie Dibella nicht kennen, macht nichts, denn für mehr Aufsehen sorgte damals sowieso die Kanadierin Xuan Liu, und das nicht nur, weil sie die erste Frau am PCA-Finaltisch war.

Xuan Liu
Mit Xuan Liu auf den Bahamas. Gibt Schlimmeres.
 

Auf die PCA folgten die Aussie Millions, und auch diese hielten Überraschungen bereit.

So outete sich ein schottischer Geschäftsmann, der plötzlich bei den Aussie Millions aufgetaucht war, als Meistbietender für das WSOP Main Event Bracelet von Peter Eastgate.

Bis heute wird diskutiert, ob Eastgate wirklich das Gemeinwohl im Sinne hatte, als er die wichtigste Trophäe der Pokerwelt einfach so bei Ebay einstellte, oder ob die Gründe eher bei seinen Wettproblemen zu suchen waren.

Phil Ivey gab sich ebenfalls mal wieder die Ehre in einem Turnier, und weil er schonmal da war, gewann er es auch gleich. Natürlich nicht irgendein Event, sondern den $250k Super-Duper-High-Roller.

Während Oliver Speidel dafür sorgte, dass der Main Event Titel im eigenen Land blieb, legte Dan Smith durch seinen Triumph im $100k High Roller Event den Grundstein für ein großartiges Jahr, das am Ende mit Platz 1 im GPI enden sollte.

Für Schlagzeilen ganz anderer Art sorgte der Holländer Joran van der Sloot. Der Pokerprofi wurde in Peru wegen Mordes an einer 21-Jährigen verurteilt. Die Strafe: 28 Jahre Haft. Es war bereits der zweite Mordfall, in dem er tatverdächtig war.

Super High Roller mit Phil Ivey:


 

Februar

Da im zweiten Monat des Jahres keine ganz großen Turniere anstanden – obwohl die WSOP immerhin das BIG ONE mit einer Million Dollar Buy-in ankündigte -, richtete sich die Aufmerksamkeit der Pokerszene auf die Kapriolen rund um die Übernahme von Full Tilt.

Heute ist das Unternehmen in den sicheren Händen von PokerStars, aber vor einem Jahr schien es noch so, als sollte die Unternehmensgruppe des windigen Bernard Tapie die Kontrolle übernehmen.

Vollmundig wurde damals behauptet, das Geschäft sei schon fast in trockenen Tüchern und der Relaunch nur noch eine Frage von Wochen.

Pierre Neuville
Pierre Neuville beim Battle of Malta.
 

Inzwischen ist klar, dass es Tapie damals wohl hauptsächlich darum ging, die Software gewinnbringend weiterzuverkaufen, denn mit den ausstehenden Zahlungen an tausende wartender Spieler wollte der Franzose nichts zu tun haben.

Nicht Franzose, sondern Belgier ist nicht nur Hercules Poirot, sondern auch Pierre Neuville. Der als „SerialQualifier“ berühmt-berüchtigte Doyle Brunson Europas qualifizierte sich für sage und schreibe 23 EPT Main Events in Folge und hält damit einen einsamen Rekord.

Wir überredeten ihn dazu, seine Geheimnisse preiszugeben, und Neuville gab in seiner Serie zur Qualifikationsstrategie bereitwillig Auskunft. Der zweifache Zweitplatzierte ist damit auch der älteste Nachwuchsautor in der gesamten Pokerbranche.

Im deutschen Fernsehen gab es im Februar kurz nacheinander einen wahren Höhepunkt, aber auch einen Tiefpunkt zum Thema Poker.

Der Kultursender Arte ehrte das beliebteste Kartenspiel der Welt und widmete ihm einen ganzen Themenabend. Christian Henkel hatte das Vergnügen, ihn sich anzusehen.

Dagegen war die erste Ausgabe von TV Total Poker so schlecht, dass unser Autor The Brain gezwungen war, sich mit den Augen an dem roten Kleid von Jessica Kastrop festzusaugen, dem einzig attraktiven Element dieses Februarturniers.

Vorgeschmack auf "Secrets of Poker":


 

März

So unterschiedlich können Online-Pokerräume sein: Während sich bekannte und unbekannte Investoren von Full Tilt stritten wie Hyänen um einen Karibu-Kadaver, beobachtete PokerStars die Vorgänge – noch – aus der Distanz.

Das gab dem Unternehmen Zeit, sich mal wieder die eine oder andere Aktionen auszudenken, um ein paar neue Rekorde aufzustellen.

So entstand die Idee zu den Micro Millions. Die erste 100-Turniere-in-nur-elf-Tagen-Serie startete am  14. März, und es gelang dem Marktführer, selbst bei Drei-Dollar-Turnieren noch sechsstellige Preispools zu generieren.

kurt beck
Alles positiv, Herr Beck?
 

Außerdem besetzte PokerStars nun die Lücke, die Rush Poker hinterlassen hatte. Zoom startete und zog in kürzester Zeit mehr als ein Drittel der Spieler an die Turbo-Tische.

Bei der zeitgleich in Madrid stattfindenden EPT gelang es wieder keinem Spanier, den Titel zu gewinnen. Ein Vorgang, der in Spanien inzwischen Tradition hat.

Stattdessen hieß das Heads-up Schweden gegen Schottland, und am Ende setzte sich Frederik Jensen gegen Fraser McIntyre durch und gewann mit einer halben Million den ersten großen Titel des Jahres auf europäischem Boden.

Auf nordamerikanischen Boden endete derweil der Sturzflug von Epic Poker mit einem harten Aufprall. Europa gab damit den Ton in der Live-Pokerszene an, und das sollte auch bis zum Finale des WSOP Main Events im Oktober so blieben.

Kuriosität des Monats war die Reaktion der SPD auf die Äußerungen der EU-Kommission in Brüssel.

Nachdem diese den Glücksspielstaatsvertrag in seiner damaligen Form quasi in der Luft zerrissen hatte, sprach der von der Realität offenbar völlig entrückte rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck von einem „positiven Votum“.

Er fuhr fort: „Die EU-Kommission hat heute mitgeteilt, dass sie keine Bedenken mehr gegen den unter Federführung von Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt ausgehandelten Glücksspieländerungsstaatsvertrag hat."

Ja, genau. Deshalb gibt es jetzt ja auch schon über 30 Online-Gaming-Lizenzen in Schleswig-Holstein. Tendenz stark steigend.

Im nächsten Teil: Rainer Vollmar wirft einen Blick auf den Pokerfrühling 2012.

Über den Autor: Dirk Oetzmann
Dirk Oetzmann ist leitender Redakteur bei PokerListings/Europa.

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