Play of the Week – Der Anfang vom Ende Anton Morgensterns beim WSOP Main Event

Anton Morgenstern
Anton Morgenstern.

In unserer neuen Serie Play of the Week präsentieren wir außergewöhnliche, wichtige, besonders interessante oder seltsame Hände (bzw. solche, auf die mehreres zutrifft) aus dem internationalen Pokerzirkus.

Zu Beginn wollen wir uns dabei eine Hand ansehen, die für die letzte deutsche Hoffnung beim Main Event der World Series of Poker 2013 verheerende Folgen hatte.

Anton Morgenstern verlor mit ihr den zu diesem Zeitpunkt größten Pots des gesamten Turniers und wurde auf dem Leaderboard von einer der führenden Positionen nach ganz hinten durchgereicht.

Hier die Situation aus Morgensterns Perspektive, aus der wir die Hand betrachten.

Noch immer liegt Morgenstern mit über 16 Millionen gut im Rennen, bei Blinds von 80k/160k/ 20k Ante bekommt er

   

und bringt im Hijack einen Standard-Raise auf 325.000. Hinter ihm callt nur Mark Newhouse auf dem Button. Der Flop bringt

     

und Morgenstern hat Trips Asse mit passablem Kicker getroffen.

Er bringt nun eine Continuation Bet über 425.000 Chips in einen Pot mit 1,03 Millionen, die er auf diesem Board vermutlich mit jeder Hand (also auch ohne Treffer) gespielt hätte.

Interessant ist nun die Reaktion von Morgensterns Gegner Mark Newhouse, der callt.

Über sein Spektrum sagt das noch nicht allzu viel aus, natürlich kann er ein (vermutlich schlechteres) Ass, jedes Paar, zwei Pik, aber auch schlicht zwei hohe Karten haben, mit denen er Morgenstern die Hand entreißen will. 

Nach Newhouse‘ Call wird auf dem Turn die

 

aufgedeckt. Aus Morgensterns Sicht ändert diese Karte nicht viel.

Vermutlich hat er weiterhin die beste Hand und sollte deshalb eine Value Bet ansetzen. Entsprechend setzt er 750.000 in den Pot mit 1,88 Millionen, doch dann folgt die Überraschung:

Newhouse raist auf 2 Millionen und gibt damit der Hand und auch seinem Spektrum eine neue Wendung.

Bis eben konnte Morgenstern davon ausgehen, dass er die beste Hand hat und fleißig Value Bets bringt, doch nun gilt es, die Sache neu zu bewerten.

Newhouse kann mit jedem Ass, mit Zweien und Dreien und allen möglichen Bluffs (z.B. Flush Draws in Pik und Herz, aber auch gar nichts) so spielen, während Hände von KK bis 44 komplett ausfallen, da der Amerikaner als guter Spieler damit nie raisen würde.

Mit einem Re-Raise auf 3,9 Millionen zwingt Morgenstern seinen Gegner nun, Farbe zu bekennen.

Wirklich überzeugend wirkt dieser Spielzug aber nicht, da nur wenige schlechtere Hände callen können und er vor allem Bluffs zum Folden bringt.

Viel wichtiger aber ist, dass Morgenstern sich quasi pot-committed, die Setzrunde erneut eröffnet und Newhouse die Chance zu einem weiteren Raise gibt.

Und genau das passiert.

Mit 10,1 Millionen geht Newhouse in die 8,53 Millionen, die schon im Pot sind, all-in und Morgenstern bekommt ziemlich exakt Pot Odds von 3 zu 1.

Das kann man mit Trips Assen schwer folden, wenngleich an dieser Stelle ziemlich klar wird, dass Morgensterns Hand geschlagen ist.

Trotzdem wäre hier angesichts der besonderen Umstände – WSOP  Main Event, letzte 20 Spieler, sowie allgemeine Stacksize-Überlegungen – auf das erste Raise von Newhouse ein Fold besser gewesen, wie die Hände nach dem Showdown deutlich belegen.

Mit

   

hatte Newhouse das Full House gefloppt, und sein Gegner Anton Morgenstern mit seinen A J nur noch sieben Outs. Der River allerdings brachte die

 

und zwei Stunden später war der letzte Deutsche beim wichtigsten Pokerturnier der Welt ausgeschieden. 

Sicher – hinterher ist man immer schlauer, und eine solch starke Hand wie Trips Asse mit Kicker Bube kann man schwer loslassen, aber ohne den Re-Raise auf dem Turn wäre die Sache womöglich noch halbwegs glimpflich für Morgenstern ausgegangen.

Dieser aber führte aus den oben genannten Gründen in die Katastrophe.

Finales Board:

Morgenstern                                                                       Newhouse

                                                                                

Board

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