Pius Heinz exklusiv – „Es ist mehr als nur das Geld“

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Pius Heinz war einer der Shortstacks, als es an den Finaltisch des Main Events ging. Zu diesem Zeitpunkt hätte ihm nach eigenen Angaben der zweite Platz völlig genügt.

Nachdem er nun das begehrteste Bracelet der Pokerwelt am Handgelenk trägt, hat sich seine Einstellung ein wenig geändert.

„Es ist eine Ehre, Weltmeister zu sein“, erzählt der 22-Jährige in seiner Wahlheimat Wien. „Es ist mehr als nur das Geld. Das hier kann mir niemand mehr wegnehmen. In 20 Jahren kann ich meinen Kindern erzählen, dass ich den WSOP Main Event gewonnen habe.“

Seit er vor einigen Wochen Martin Stazko im Heads-up des Main Events schlagen konnte und damit den Main Event sowie 8,7 Mio. Dollar gewann, wurde Pius Heinz so von den deutschen Medien vereinnahmt, dass er kaum zum Luftholen kam.

„Es war völlig surreal“, sagt er. „Es gab ein riesiges Medieninteresse, und ich konnte viele interessante Menschen kennen lernen. Die Resonanz war überwiegend positiv.“

Zwar hat Heinz kürzlich mehr Zeit in Talkshows verbracht als mit Freunden und Familie, aber beschweren will er sich deswegen nicht.

„Man hat nur ein gewisses Maß an Kontrolle, aber es ist entscheidend für mich, jetzt ein guter Repräsentant des Spiels zu sein. Ich hoffe, ein bisschen zur Entwicklung in Deutschland beitragen zu können. Es ist ein so großartiges und psychologisches Spiel.“

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Pius Heinz - "völlig surreal".

Der Status von Online-Poker ist bis heute in Deutschland nicht eindeutig geklärt. Zwar besteht die Chance, dass es im kommenden Jahr legalisiert und reguliert wird, will sich Heinz nicht darauf festlegen, wann es soweit sein wird.

„Ich habe ehrlich keine Ahnung. Hoffentlich bald.“

Die neuen Verpflichtungen haben so viel Zeit verschlungen, dass Heinz seit dem Main Event keine einzige Hand Online-Poker gespielt hat, wie er zugibt.

„Ich nehme jetzt aber ein bisschen Urlaub und freue mich schon darauf, endlich mal wieder ein paar Hände online zu spielen.“

Kurz vor dem Main Event hatte Heinz bei PokerStars unterschrieben. Mit seinen neuen Teamkollegen Sandra Naujoks und Jan Heitmann war er aber schon früher bekannt.

„Bei PokerStars zu sein, ist eine aufregende Sache. Das ist die beste Marke der Branche, und es ist eine Ehre für mich, dabei zu sein.“

Auf jeden Fall ist es ein scharfer Kontrast zum Rivalen Full Tilt, wo Heinz auch noch einen eingefrorenen Account besitzt.

„Es ist aber nicht halb so schlimm wie bei ein paar Freunden von mir.“

Für das kommende Jahr hat Pius Heinz sich viel vorgenommen. Bei zu zehn EPT Events stehen auf seinem Programm, darunter auch die anstehende EPT Prag, von der PokerZeit.com live vor Ort berichten wird.

Die USA wird daher in nächster Zeit auf Heinz verzichten müssen. Reisen ist nämlich nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung, und als Wahl-Wiener möchte er nicht unbedingt ständig den Atlantik überqueren.

Bei der WSOP 2012 wird er aber wieder in Las Vegas sein, verspricht er lachend.

Pius Heinz beantwortete einige Fragen, die Pokerfans nach dem Main Event aufgeworfen hatten.

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Das finale Heads-up.

Zunächst: Was war mit dem weißen Hoodie, das Heinz während des Main Events trug?

Es war einfach bequem. Außerdem war es nicht einmal sein eigenes. Das hatte er an Tag 3 vergessen und sich daraufhin ein anderes geliehen. Das wurde dann zum Glücksbringer, auf den er auch am Finaltisch nicht verzichten mochte.

Das seine Fangemeinde geschlossen ebenfalls im weißen Hoodie erscheinen würde, war für Heinz völlig überraschend.

Auch mit dem Ohrwurm „Pius Pius Heinz“, den die Fans auf die Melodie von KC and the Sunshine Band’s „Give it up“ sangen, hatte er nichts zu tun.

„Ein Freund von mir aus Schottland wird ziemlich kreativ, wenn er ein paar Bier intus hat“, grinst Heinz. „Er hat sich das ausgedacht.“

Die berüchtigte Hand K-J gegen 7-7, in der Lamb den Großteil seines Stacks verlor?

Heinz hätte an Stazkos Stelle einen anderen Spielansatz gewählt. „Ich hätte mit den Siebenen in dieser Situation sicherlich flat gecallt.“

Kann der Triumph einen neuerlichen Boom in Deutschland auslösen?

Hoffentlich, denkt Heinz und verweist auf deutsche Weltklassespieler wie Benny Spindler, Sebastian Ruthenberg und Tobias Reinkemeier.

Jetzt ist allerdings erst einmal Heinz derjenige, der im Rampenlicht steht, und das könnte auch die nächsten Jahre so bleiben.

Nach dem Triumph in Las Vegas hat sich Pius Heinz mit 8,8 Mio. Dollar an die Spitze der deutschen Geldrangliste gesetzt. Zweiter ist mit respektvollem Abstand Sebastian Ruthenberg mit $3,4 Mio.

„Für mich ist ein Traum wahr geworden“, sinniert Heinz. „Es ist als ob man eine olympische Goldmedaille gewinnt.“

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