Online-Qualifikation: Risiken und Nebenwirkungen

Pocket Sevens
Mit Pocket Siebenen scheidet man selten aus.

Im dritten Teil der Strategieserie für Online-Satellites zeigt Pierre Neuville einige praktische Beispiele auf. Was ist die beste Spielvariante? Hero Call? Bluffen? Oder doch lieber auf Sicherheit spielen?

Es kommt immer darauf an, was uns unserem Ziel näher bringt: der Qualifikation für einen großen Live-Event.

23s spielen und Asse folden? Macht das Sinn? Manchmal ist genau das notwendig. Solche Szenarien kommen häufiger vor, als man glaubt.

Wie geht man damit um?

In einem Online-Turnier gibt es kaum Tells, und man hat nur wenige Informationen über den Gegner. Die wichtigsten Entscheidungen treffen wir auf Basis subjektiver Einschätzung.

Wenn es nicht die Pot Odds sind, was sind dann die wichtigsten Faktoren für unsere Entscheidungen?

Spielen Sie Ihren Stack, nicht den Pot

In einem Qualifikationsturnier hängt das Überleben nicht von den Pot Odds ab. Wir arbeiten nur mit unserem Stack, denn er ermöglicht uns, die Bubblephase zu überleben. Damit ist er die wichtigste, ja die einzige Basis für unsere Entscheidungen.

Veranschaulichen wir das mit einem kleinen Beispiel:

Wir haben einen Stack von 150.000 Chips. Spieler B hat 100.000, Spieler C und D haben je 37.000. Es gibt noch fünf weitere Spieler am Tisch mit etwa 25.000 Chips. Wir befinden uns auf der Bubble.

Damit stehen unsere Chancen auf die Qualifikation ausgezeichnet. Wir können von über 90% ausgehen.

Kommt es zwischen zwei Spielern zu einer All-in-Konfrontation, riskieren wir gar nichts. Also können wir uns zurücklehnen und abwarten, bis sich die anderen gegenseitig abschießen.

Hand Nr. 1: Wir halten AA, und Spieler B schiebt all-in. Wir sind auf jeden Fall 80%-iger Favorit, aber wenn wir die Hand verlieren, fallen wir auf 50.000 zurück, also Average Stack. Mit einem Average Stack erhöhen sich die Chancen, auszuscheiden, um etwa 10%.

Sollten wir die Asse also folden?

Im ersten Moment mag sich das lächerlich anhören, und es gibt viele Spieler, die diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht ziehen würden.

Werfen wir die Asse aber tatsächlich weg, bleibt unsere Chance auf die Qualifikation bei 90%.

Pierre Neuville
Fold oder Hero Call? - Auf die Situation kommt es an.

In dieser Situation sollten wir daher die Asse sofort wegwerfen. Pre-Flop, ohne zu zögern.

Warum?

Weil ein Call vor allem für unsere Gegner positive Auswirkungen hat. Für uns gilt das nur in 80% der Fälle, während wir in 20% der Fälle sehr negative Konsequenzen erfahren.

Wir sind praktisch schon qualifiziert, also ist die beste Taktik, jeden „Move“ zu vermeiden, der mit einem Risiko behaftet ist.

Soweit verstanden? Ausgezeichnet!

Das war ein kritischer, aber wichtiger Schritt, vor allem, wenn Sie bisher zu den Spielern gehört haben, die niemals Könige oder Asse vor dem Flop wegwerfen.

Normalerweise scheidet man aus einem Satellite nicht mit einem Paar Siebenen aus. Es sind die guten, starken Hände, mit denen es zu den gefährlichen Situationen kommt.

Können wir diese vermeiden, erhöhen sich die Chancen.

Das gilt übrigens in vielen Fällen. Haben Sie erst einmal verinnerlicht, dass man AA problemlos vor dem Flop folden kann, werden Sie auch keine Schwierigkeiten mehr damit haben, je nach Umständen andere starke Hände abzuwerfen.

Kein übertriebenes Festhalten mehr an scheinbar starken Händen wie AK oder AQ, sie sind oft der Anfang vom Ende.

Ihr Poker hat sich gerade deutlich verbessert. 99,9% aller Spieler würden mit ihren Assen sofort bezahlen, aber ein guter Pokerspieler zeichnet sich dadurch aus, dass er jeden Spielzug überdenkt.

Dann wiederum: Man muss auch Risiken eingehen

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis:

Hand Nr. 2: Sie sind der Shortstack am Tisch mit 10.000 Chips. Sie halten J-T auf einem Board 2-4-6-K-T.

Im Pot liegen 9000 Chips. Der Gegner setzt 4000. Er hält einen Average Stack von 25.000.

Wir spekulieren, dass die Chance bei 50% steht, dass unser Gegner hier den Pot mit A-Q stehlen will.

Insgesamt sind unsere Qualifikationschancen momentan nicht gerade die besten. Bei einem Fold bleiben wir bei 10.000 Chips stehen, damit haben wir ungefähr eine 10-15%-ige Chance. Bei einem Call sind die Chancen noch schlechter, wenn wir die Hand verlieren, denn dann halten wir nur noch 6000.

Ist unser Hero Call aber erfolgreich und wir gewinnen die Hand, wächst unser Stack auf 23.000. Damit liegen wir wieder im Average und steigern unsere Chancen auf 50-60%.

Das heißt, unser Spielzug hängt von der Situation ab. Hier ist das Risiko, das wir eingehen müssen, akzeptabel.

Wenn wir die Hand verlieren, ändert sich nicht sehr viel an unserer Situation, aber wenn sie sie gewinnen, ändert sie sich deutlich.

Das ist das Entscheidende in einer solchen Situation, davon müssen wir unsere Entscheidung abhängig machen.

Für einen Bluff gilt dasselbe

Es macht natürlich Sinn, in einen Pot zu bluffen, wenn die zu gewinnenden Chips unsere Qualifikationschancen deutlich verbessern und wenn die Chips, die wir verlieren könnten, unsere Situation nicht deutlich verschlechtern.

Was wir dagegen nicht wollen, ist ein Spielzug à la „ich pushe auf dem Button, mache die Augen zu und bete“.

Es macht keinen Sinn, einen Spielzug zu machen, der uns alles kosten kann, aber nur wenig bringt.

Schlussfolgerung:

Wir gehen dann Risiken ein, wenn die Konsequenzen nicht zu dramatisch sind und wir unsere Situation deutlich verbessern können.

Aber wir gehen auf keinen Fall Risiken ein, die uns aus einer sicheren Position in eine unsichere bringen können und unsere Chancen auf die Qualifikation gefährden.

Mehr über Pierre Neuville lesen Sie auch auf www.pierre-neuville.com.

 


Die Strategieserie von SerialQualifier Pierre Neuville:

Pierre Neuville schreibt exklusiv auf PokerZeit.

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Boston Celtics 2012-07-19 01:47:05

Entschuldigt erstmal für die Rechtschreibund.
Ich möchte hier einmal auf die AA Situation eingehen. Ich finde ein Call ist definitif nicht schlechter als der Fold in dieser Situation. Aus folgendem Grund, man ist zu 80% weiter (vielleicht sogar 90% sollte der gegner AK oder AQ spielen). Sollten wir jedoch trotzden verlieren hätten wir 50k Chips was zufolge hatt, dass fünf Spieler nur die hälfte unseres stäcks halten und wir immernoch aussitzen könne und darauf warten dass, die Shortstacks gegeneinander spielen und sich selbst kicken. Mit jedem mal wenn die shortstacks aufeinander treffen sind wir fast automatisch weiter. Andersrum wenn ein Shortstack auf den Chipleader trifft, dann sind wir etwa zu 50% weiter. Selbst wenn einer der Shortstacks verdoppelt sind immernoch vier Gegner da die weniger Ships haben als wir und früher als wir Movementzwang haben. Immer wenn einer dieser Stacks verdoppeln muss und es action gibt sind wir zu 50% weiter vielleicht auch mehr denn ein Shortstack pusht öfter mit z.B A,5 und wird von A,10 gecallt seltener wiederrum dass, er mit A,10 pusht und mit A,5 gecallt wird die altbekannte Regel man kann mit allem pushen aber nicht mit allem Callen.

Ich zähle ma auf.
-Dementsprechend haben wir einla 80% weiterzukommen wegen AA.
-Immer wenn Shortstacks aufeinander treffen sind wir fast automatisch schon weiter.
-Shortstack gegen Chipleader sind wir etwa zu 50% weiter und dass jedesmall wenn es action gibt.

Hättest du jetzt in dem Beispiel gesagt dass, der Spieler B mehr Chips hat als wir oder wir durch den call zum Lowstack werden würden wär ein Fold durchaus die bessere Lösung.

Dass ist halt mein Gedankengang er muss nicht unbedingt 100% richtig sein aber ich finde es ist eine durchas vertretbare Möglickeit die Situation zu lösen.