AK, AQ – Premiumhände oder Todesfallen im Online-Qualifier?

Lesson 2

Im zweiten Teil der Strategieserie bespricht SerialQualifier Pierre Neuville Chancen, Risiken und Spielweise (scheinbar) guter Hände.

In einem Qualifikationsturnier ist es von entscheidender Bedeutung, dass man jede einzelne Hand abhängig von der Situation spielt. Nicht die Stärke der Hand ist entscheidend, sondern wie man seine Spielweise taktisch anpasst.

Wir wissen aus dem ersten Teil, dass wir in unserem Qualifikationsturnier innerhalb von fünf Stunden 120.000 Chips gewinnen müssen, um sicher dabei zu sein.

Aber wie soll das gehen?

Do no Harm

In Italien sagt man „primo nocere“, auf Englisch “do no harm”. Heißt so viel wie „richte keinen Schaden an“.

Wie Sie sicher gelesen haben, ist A-K eine Premiumhand. Sie ist sogar die drittbeste Hand, die es gibt.

Im Allgemeinen wird A-K heute ganz einfach so gespielt: 3-Bet, $-Bet, all-in.

Das Ergebnis ist meistens ein Coin Flip. Also lehnen wir uns zurück, machen die Augen zu und beten. Doppelt oder nichts.

Reicht es aber, mit A-K oder A-Q zu flippen, um aus 3000 Startchips 120.000 zu machen?

Auf keinen Fall!  Wenn Sie Ihre Chancen verbessern wollen, sich online für ein Live-Event zu qualifizieren, verabschieden Sie sich besser schnell von der Idee, A-K als Superhand anzusehen, mit der man sich auf jeden Coin Flip einlassen muss.

Wenn A-K eine „Bombe“ ist, dann eine, die Träume zerstört.

A-K – Traumhand oder das Ende eines Traums?

Bei einem Coin Flip liegt A-K gegen 13 Pocket Paare zurück – 22—AA.

Selbst wenn wir AA und KK außer Acht lassen, gegen die A-K 70-80%-iger Außenseiter ist, bleibt die Gefahr, gegen 22-QQ antreten zu müssen. Damit haben wir in acht von zehn Fällen in dieser Situation eine Gewinnchance von 47% - das sind die Odds gegen alle Pocket Paare unter KK.

poker hand
Der Chip in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.

Um auf 120.000 Chips zu kommen, müssten wir mit 3000 Chips also auf 6000 verdoppeln, dann auf 12.000, 24.000, 48.000, 96.000… Mit anderen Worten, wir müssten sechs Coin Flips in Folge gewinnen.

Die Wahrscheinlichkeit, sechs Coin Flips nacheinander zu gewinnen liegt bei 1:64. Das entspricht 1,5%. Mit 98%-iger Wahrscheinlichkeit scheiden wir aus.

Wir werden in dem Qualifikationsturnier ca. 270 Hände spielen. Sechs davon sind unbedingt zu vermeiden – die oben genannten Coin Flips, bei der uns das Ausscheiden droht.

Was wir vielmehr suchen, sind Situationen, in denen wir ein Vielfaches der Chips gewinnen können.

In Position werden wir uns deshalb so viele Flops wie möglich ansehen, und manche Flops ermöglichen uns, mehr als das Zehnfache unserer Chips zu gewinnen.

Ein nicht verlorener Chip ist mehr wert als ein gewonnener Chip

Prägen Sie sich das gut ein: Ein Chip, den Sie nicht verloren haben, ist dreimal so viel wert wie ein Chip, den Sie gerade gewonnen haben. In der Frühphase des Turniers ist er sogar das Fünffache wert.

Zur Verdeutlichung:

Wenn Sie Ihren Startstack von 3000 Chips auf 6000 Chips verdoppeln, erhöhen sich Ihre Chancen auf die Qualifikation um vielleicht 10%.

Wen Sie aber Ihren Startstack von 3000 Chips bei einem Coin Flip verlieren, verringern sich Ihre Qualifikationschancen um 100%. Sie sind raus!

Die Spielstrategie hängt von drei Parametern ab:

1) Unser Stack im Vergleich zum Chipdurchschnitt.

2) Die Turnierphase – Zahl der verbliebenen Spieler, Zahl der Turnierplätze

3) Der Wert M. Im ersten Level bezahlen Sie 30 Chips pro Orbit. In Level 15 sind es schon 4800 Chips, als das 160-fache.

Also müssen Sie Ihre Spielweise so anpassen, dass die Gefahr des Ausscheidens auf praktisch Null sinkt.

Vermeiden Sie Coin Flips komplett, oder zumindest die, in denen Sie mehr als ein Drittel Ihrer Chips riskieren.

Spielen Sie A-K und A-Q raffinierter

Gewöhnen Sie sich an, A-K und A-Q mit ein bisschen mehr Finesse zu spielen. Lassen Sie vor allem die Finger von der typischen Online-Spielweise weg, wo mit diesen Händen gerne der All-in-Button angeklickt wird.

Am besten kleben Sie sich einen Zettel auf den Bildschirm, auf dem steht:

All-in im A-K = mit 53% raus!

Und dann kleben Sie sich einen Motivationszettel daneben, auf dem steht: Um 1.30 AM werde ich immer noch im Turnier sein!

Hört sich komisch an, erinnert Sie aber unbewusst daran, was Ihr ultimatives Ziel ist: Im Turnier bleiben!

Ihr Qualifikationschancen haben sich soeben weiter verbessert.

- Pierre Neuville

Mehr über Pierre Neuville lesen Sie auch auf www.pierre-neuville.com.


Die Strategieserie von SerialQualifier Pierre Neuville:

 

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