WSOPE Main Event Handdiskussion – Pierre Neuville foldet Könige pre-Flop

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17 Oktober 2011, Von: PokerZeit.com
Geposted in: PokerZeit Blog
WSOPE Main Event Handdiskussion – Pierre Neuville foldet Könige pre-Flop

Wir sprachen mit „Friend of PokerStars“ Pierre Neuville aus Belgien über eine Hand von Tag 1 des WSOPE Main Events. Pierre Neuville ist bekannt als der „SerialQualifier“. Er qualifizierte sich online für 23 EPTs in Folge.

Die Action:

Blinds 150/300, Stacks: Pierre Neuville 57.000, Martin Jacobson 47.000.

UTG+2 Raise auf 800. Martin Jacobson callt aus mittlerer Position. Aus später Position erfolgt ein Re-Raise von einem weiteren schwedischen Spieler auf 2700. Pierre Neuville sitzt im SB mit K-K und 4-bettet auf 7000.

UTG+2 foldet. Martin Jacobson geht mit 46.200 all-in, der Re-Raiser foldet, Pierre Neuville foldet nach sieben Minuten Bedenkzeit offen Könige. Jacobson zeigt einen König und behauptet, die andere Karte sei ein Bube (allerdings ohne die zweite Karte zu zeigen). Allgemeiner Aufruhr am Tisch.

Die Erklärung von Pierre Neuville:

„Martin Jacobson und ich haben eine lange History. Wir liegen nebeneinander in der ewigen EPT-Rangliste, genauer gesagt, hat er mich gerade erst überholt, und er hat mich in den letzten Monaten zweimal aus einem Turnier genommen. Vor meinem Fold stellte ich folgende Überlegungen an:

Zunächst muss man wissen, dass ich allgemein ein sehr tightes Image pflege. Ich weiß, dass Jacobson mich für einen sehr tighten Spieler hält.

Jacobsons Call kann vieles und nichts bedeuten. Der Re-Raise kam von einem aggressiven Schweden. Mit meiner 4-Bet wollte ich das Feld ausdünnen, denn mit Königen möchte man nicht gegen drei Gegner antreten.

Ein Call auf den Push von Martin Jacobson bedeutet für mich folgendes: Er kann Asse haben. Damit zuerst nur zu callen und auf einen Raise zu hoffen, um dann weiter zu erhöhen, wäre durchaus ein möglicher Spielzug, vor allem gegen mich. In diesem Fall hätte ich 20% Siegchance und der Fold wäre korrekt.

Es wäre auch möglich, dass Jacobson diesen Spielzug mit Damen oder Buben oder mit A-K macht. In diesen Fällen liege ich zwar weit vorn, aber zum Beispiel gegen die Damen verliere ich auch in 20% der Fälle, gegen A-K sogar in 30% der Fälle. (Anm. d. Red.: gegen K-J hätte Neuville 90% Equity gehabt.)

Gegen jeden anderen Spieler am Tisch wäre es ein einfacher Call gewesen, aber da Jacobson in dieser Situation weiß, dass ich eine starke Hand halte, setze ich ihn hier auf Asse.

Ich interpretierte den Push nicht so, als wollte Jacobson mich von einer Hand vertreiben. Ich dachte, er wollte durch den Push Schwäche vortäuschen und mich zu einem Call verleiten.

Ich habe hier eine Chance vergeben, Chipleader des Turniers zu werden, aber ich wollte mein Turnier zu einem so frühen Zeitpunkt auch nicht riskieren.“

Epilog:

Durch den offenen Fold nach einer 4-Bet bekam Pierre Neuville von fast allen Spielern am Tisch das Image eines Extrem-Nit, der alles foldet und keinen Druck aushalten kann.

In der Folge wurde er mehrfach von jungen Spielern (Pierre Neuville hat die 70 bereits überschritten), gezielt angespielt, bezahlte mehrfach drei Barrels mit Top Paar und beendete den Tag mit 75.000 Chips im oberen Drittel des Feldes.

Eine falscher Read, der sich als extrem günstig für die Entwicklung am Rest des Abends erwies. Merke: Man kann das Turnier in einer Hand verlieren, aber nicht gewinnen.

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