„Das Niveau an Inkompetenz ist erschreckend.“

pierre neuville 15970

In der heutigen Pokerszene ist Pierre Neuville ein Sonderfall. Sowohl was sein Alter angeht als auch das, was er zu sagen hat. Nämlich mehr als die meisten. Ein Selfmade Man über Full Tilt.

Pierre Neuville ist nicht nur der erfolgreichste Spieler Belgiens und Sechster des ewigen EPT-Leaderboards. Er ist auch ganz schön herumgekommen. In den 60er Jahren arbeitete er mit Eddie Merckx, seinen ersten Trip nach Las Vegas finanzierte Kevin Costner, und die so genannte „Ping-Pong-Demokratie“ lief über seinen Schreibtisch.

In Cannes spielte Pierre Neuville im Main Event, und ihm gelang das, was man eine Punktlandung nennt: Er war der erste Spieler, der in den Geldrängen ausschied und schlug damit Bubble Boy Barry Greenstein um einen Platz.

Der „Friend of PokerStars“ macht sich seine eigenen Gedanken über die derzeitigen Vorgänge der Online Pokerszene.

„Bei Full Tilt haben Leute gearbeitet, deren persönliches Inkompetenzlevel erschreckend ist. Bei FTP waren Leute beschäftigt, die einfach nicht mit so viel Geld und Macht umgehen konnten“, lautet seine schlichte Analyse. Dabei seien aber nicht alle Beteiligten über einen Kamm zu scheren.

„Chris Ferguson zum Beispiel ist ein ganz einfacher Kerl mit einem Uniabschluss. Der hat gar nicht gemerkt, wie er zu einem Gangster geworden ist.“

Das Unheil bei Full Tilt Poker begann nach Neuvilles Meinung wahrscheinlich schleichend.

„Es fing damit an, dass sie eine Null zuviel schrieben und einem der Besitzer nicht 500.000 Dollar Bonus auszahlten, sondern 5 Mio. Dann sahen sie im nächsten Jahr, dass niemand etwas dagegen unternahm, und sie überwiesen 25 Mio. an drei oder vier Leute.“

„Im kommenden Jahr war es dann noch mehr, und es gab noch mehr Empfänger. In einem multinationalen Konzern arbeitet man dann besonders gern mit Projektionen. Schöne Graphiken, aus denen hervorgeht, dass in den nächsten Jahren die Einnahmen soweit steigen werden, dass man keine Probleme mit der Liquidität bekommt, selbst wenn man noch mehr Geld abzieht.“

Neuville ist erstaunt darüber, wie lax Spieler noch im Sommer mit der Situation umgingen.

„Als ich im Sommer in Las Vegas war, sah ich Spieler, die immer noch mit dem FTP Label herumliefen und dachten, sie würden für eine gute Sache eintreten. Das zeigt zumindest eine gewisse Naivität. Ich dagegen habe nach dem Schwarzen Freitag erstmal alle meine Flüge in die USA abgesagt, weil ich nicht wusste, ob man mich in den Staaten verhaften würde. Ich hatte ja keine Ahnung, ob mein Bild  mit dem PokerStars-Label plötzlich auf einem Steckbrief auftauchen würde.“

Mit der Justiz sei in den Vereinigten Staaten jedenfalls nicht zu spaßen. Schadenersatzprozesse in zweistelliger Millionenhöhe sind dort keine Seltenheit. In seiner Heimat geht es dagegen etwas lockerer zu.

„In Belgien gibt es das Gesetz und unsere Interpretation davon. In den USA gibt es nur das Gesetz, und das kann gefährlich werden. Man kann für jede Kleinigkeit fünf Gesetze finden, die einen zum Straftäter machen.“

Am Rande der WSOPE sprachen wir mit Pierre Neuville auch über eine besonders knifflige Hand, in der er im Main Event Könige vor dem Flop 4-bettete und dann trotzdem pre-Flop foldete.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare