Philip Sternheimer: „In den High Roller Events bin ich besser als der Durchschnitt“

Philipp Sternheimer
Phlipp Sternheimer.

In den Main Events der Major-Turniere sieht man Philip Sternheimer fast nie. Dafür spielt der Deutsche, mit dem amerikanischen Pass häufig die High Roller und Super High Roller. Wir unterhielten uns mit dem 35-Jährigen in San Remo über seinen Eliminator beim High Roller Event, Ole Schemion, seinen eigentliche Tätigkeit bei einer Private Equity Firma und warum er es nicht darauf anlegt Poker Profi zu werden.

PZ: Philip, du warst bei noch vier Spielern mit Ole Schemion gleich in Chips und hast das All-in von ihm mit Buben gecallt. War das gut gespielt?

PS: Wenn du 4-handed nicht bereit bist mit Buben all-in zu gehen, dann bist du ja total ausbeutbar.

Und Ole geht hier auch mit AK und AQ oder Zehnen all in und dann macht der Coinflip für mich mehr Sinn als für ihn. Weil er eben ein besserer Spieler als ich ist.

PZ: Wenn du sagst, dass du gegen Ole einen Coin Flip nicht ausschlagen kannst, wie kannst du das wirklich einschätzen. Hast du schon so oft mit ihm am Tisch gesessen?

PS: Ich hab mit ihm im Barcelona den Super High Roller gespielt und ihn auch einige mal im TV beobachtet.

Ich glaube er hat sein Spiel in letzter Zeit unglaublich verbessert. Ich denke, dass er vorher in einigen Spots unnötig aggressiv gespielt hat.

Philipp Sternheimer
Sternheimer am Final Table des High Roller Events.

PZ: Wenn man sich deinen HendonMob-Eintrag ansieht, scheinst du ja vor allem die teuren High Roller-Events zu spielen. Ist das wirklich profitabel?

PS: Ich bin zwar kein Profi spiele aber schon seit 15 Jahren Cash Game. Da kommt einiges an Erfahrung und auch Profiten zusammen. Mit den teuren Live-Turnieren habe ich aber erst vor zwei Jahren begonnen.

Und die High Roller spiele ich vor allem, weil ich im Gegensatz zu vielen anderen Spielern keine Zeit habe, eine Woche einen €5.000er Main Event zu spielen.

PZ: Warum nicht?

PS: Ich bin im Finanzbereich bei einer Private Equity Firma tätig. Die übrigens kürzlich Scout24 von der Telekom erworben hat. Meine Firma kauft andere Firmen, hält sie dann fünf bis sieben Jahre und verkauft sie dann wieder.

Ich würde mir eine noch bessere Terminierung der High Roller-Turniere wünschen. Hier in San Remo hatte ich das Glück, dass das hier in die Osterfeiertage fiel. Deshalb musste ich dafür keinen Urlaub nehmen.

PZ: Aber noch mal. Wenn du ansonsten keine große Live-Erfahrung hast, sind dann die High Roller nicht eine Nummer zu groß?

PS: Ich bin vielleicht nicht besser als ein Ole Schemion, aber immer noch besser, als der Average. Und was meine Turnierrechnung betrifft, bin ich in jedem Fall im Plus.

PZ: Nie den Wunsch verspürt eine professionelle Poker-Karriere zu starten?

PS: Poker ist mein größtes Hobby. Ich spiel es schon sehr lange und spiele es immer noch sehr gern. Und ich glaube auch, dass ich durch meine Berufserfahrung unheimlich gut trainiert bin. Da gibt es sehr viele Ähnlichkeiten mit Poker.

Doch obwohl ich Tage, wie die jetzt in San Remo unglaublich genieße, weiß ich, dass ich nun mal beides nicht mit derselben Intensität betreiben kann. Alex Bilokur zum Beispiel hat sein eigenes Business und kann sich einfach viel mehr freie Zeit nehmen.

Ole Schemion
Vielleicht nicht so gut wie Ole Schemion, aber besser als der Durchschnitt.

Auf der anderen Seite ist es so, dass es gar nicht klar ist, ob mich das Leben für Poker am Ende glücklich machen würde. 

Ich kenne einige Pokerspieler, die auch oft gewinnen und in der Öffentlichkeit stehen, aber todunglücklich sind.

PZ: Vielleicht noch mal zu deinem Background. Du bist amerikanischer Staatsbürger, fühlst dich als Deutscher und lebst in London. Hört sich irgendwie kompliziert an.

PS: Es wird noch besser. Mein Vater ist während des Krieges in Deutschland geboren und seine Familie ist dann in die USA übergesiedelt. Dann ist er zurückgekehrt und hat meine Mutter, eine Dänin, kennen gelernt. Und geboren bin ich übrigens in Paris.

PZ: Als kosmopolitischer Analyst wirst du doch sicherlich eine Idee haben, wie es weltweiten Pokerbusiness weitergeht?

PS: Mit solch allgemeinen Prognosen bin ich vorsichtig. Aber ich versuch es mal: Die Grundüberlegung ist, dass alle Länder Geld brauchen. Und wenn sie den Glücksspielmarkt nicht regulieren, geht ihnen viel Geld durch die Lappen. Also werden sukzessive alle den Markt am Ende regulieren.

Ein Poker-Boom ist dabei allerdings nicht zu erwarten. Selbst in den USA wird das Staat für Staat häppchenweise passieren. Letztlich wird man das in zehn Jahren als ganz selbstverständlich hinnehmen, dass das Spielen auch auf Bundesebene reguliert ist.

Philipp wird übrigens auch noch in der aktuellen Staffel von German High Roller  die gestern begonnen hat zu sehen sein.

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