Philipp Gruissem: „Ein Shot ist immer drin“

Philipp Gruissem

Schon 2009 hatte sich Philipp Gruissem online unter seinem Nick „philbort“ einen Namen gemacht. Doch 2011 ließ es der Aachener, der in London lebt, auch live krachen. Im WSOP Main Event wurde er 28., und danach gewann er die Highroller-Events der EPTs in Barcelona und London. Auch in Prag ist er beim €10.000er Event wieder dabei. Wir trafen ihn und erfuhren, wie die Cash-Games mit Daniel Cates liefen und warum er am Tisch soviel redet.

Ein ganzes Level lang ließ sich Philipp Gruissem massieren. Danach fing er an seinen Tisch zu unterhalten, bestellte Bier und war auch ansonsten gut drauf. Und dabei ging es gerade um nicht weniger, als den EPT Prag-Highroller-Event.

Doch philbort, wie er sich im Online-Poker nennt, ist unter den EPT-Highrollern nicht nur ein alter Hase sondern hat im Highstakes-Bereich in dieser Woche viel toughere Entscheidungen treffen müssen. Zum Beispiel gegen Daniel Cates. Dessen so genannte Heavy Weight Championship of Poker, annonciert für den 6. Dezember, hat letztlich nicht stattgefunden.

„Weil sich kein Gegner für ihn gefunden hat“, sagt Gruissem. Auch er nicht? „Nee. Gegen den weltbesten Heads Up-Spieler sollte man eher kein Heads Up spielen.“ Aber die Challenge sei in ein Full Ring Cash Game €100/€200 umgewandelt worden. Mit Kings Casino-Besitzer Leon Tsoukernik, Luke FullFlush1 Schwartz und Daniel jungleman12 Cates.

Und da ist es dann für philbort trotz miserablem Start am Ende richtig gut gelaufen. Zahlen nennt er natürlich keine. „Aber ich verkaufe ja immer Teile an meine Mitbewohner in London, Sebastian Ruthenberg und Cort Kibler-Melby. Meistens sind die ja nicht so glücklich damit. Diesmal allerdings sehr.“

Die Frage, ob er sich solche Cash Games eigentlich erst seit seinen guten Live-Ergebnissen leisten kann, beantwortet Philipp Gruissem gewohnt lässig. „Ich konnte sie mir weder vorher noch jetzt leisten. Aber ein Shot muss immer drin sein. Pokern muss ja auch Spaß machen.“ Immerhin ginge es ja nicht immer nur um das, wie es Gruissem ausdrückt „Fabelwesen“ EV.

Spaß hat Gruissem offensichtlich auch im Highroller Event. Er redet viel, lacht und gibt am Tisch den Entertainer. Seine Swaps von 2% hat er beim halben Teilnehmerfeld (54). Ob das noch Sinn mache? „Na ja“, sagt philbort listig lächelnd, „man muss eben auf die bessere Hälfte setzen.“

Die Swaps sind dabei natürlich auch eine Form des Respekts. Den genießt seit diesem Event zum Beispiel EPT San Remo und WPT Prag-Champ Andrey Pateychuk. „Direkt die erste Hand die ich mit ihm gespielt hatte, hab ich ihn gefragt, was er denkt welche Karten ich hatte. Und seine Herleitung und Schlussfolgerung waren beeindruckend. Genau auf dem Punkt. Auch seine Live-Performance ist supergut. Also das ist in jedem Fall ein guter Pokerspieler.“

Das ist die Art, wie Gruissem die Informationen über seine Kontrahenten erhält: er redet. Und dabei läuft permanent ein paralleler Text im Kopf. In dem werden Informationen über die Gegner  gesammelt und verarbeitet. Wie das funktioniert? „Sehr gut“, sagt der diesjährige EPT-Highroller König. „Viele Spieler fangen erst an zu reden, wenn sie eine toughe Entscheidung haben. Du kannst aber nicht die ganz Zeit schweigen und dann erwarten, wenn dich einer All-in stellt, dass der dann auf einmal zum Geschichtenerzähler wird.“

Im High Roller Event verzeichnete Philipp Gruissem schließlich wieder einen Erfolg. Er wurde Dritter für €68.600. Nach Siegen in London und Barcelona sowie einem dritten Platz in Berlin ist dies schon der vierte Cash, den Gruissem in dieser EPT-Saison in den high Roller Events einfährt.

 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare