Phil Laak und wie er die Welt sieht

Phil Laak
Liest vielleicht genau jetzt Ihre Gedanken - Phil Laak.

Sie glauben, Sie kennen Phil „Unabomber“ Laak? Dann machen Sie sich jetzt aber mal auf etwas gefasst.

Er gehört zu den Pokerspielern mit der größten TV-Präsenz. Mit Auftritten von Poker after Dark über High Stakes Poker bis hin zu der in Deutschland weniger bekannten Show I bet you und einem Kurzauftritt im Film zur Serie Knight Rider mit seinem Freund Antonio Esfandiari ist er häufiger auf der Mattscheibe zu sehen als die meisten seiner Kollegen.

Aber das ist noch lange nicht alles.

Viele sehen Laak nur als den Typ von Jennifer Tilly oder den verrückten Kumpel von Antonio Esfandiari, tatsächlich ist Laak aber ein hochbegabter Pokerspieler und eine faszinierende Persönlichkeit.

Wir sprachen mit Phil Laak vor einiger Zeit bei der WSOPE, und was wir gehört haben, lässt uns bis heute nicht los.

PL: Wie hat das mit Poker bei dir angefangen?

Laak: Im Jahr 1999 war ich in New York, in einem Club in der 68. Straße, wo ich Backgammon spielte. Da gab es einen Typen, den sie Chucky nannten, und der spielte Poker.

Er versuchte mich dazu zu überreden, mitzuspielen, aber ich lehnte das ab, bis zu dem Moment, in dem er die magischen Sorte sagte: „Da gibt es einen Billardtisch.“

Damals zahlte man in New York $14 pro Stunde und musste ewig warten, bis man an der Reihe war. Ich ging also mit und spielte Pool, während um mich herum 30 Kerle saßen und pokerten.

Irgendwann erregte das meine Aufmerksamkeit. Zuerst war es nur das Geld, aber nachdem ich 20 Minuten gespielt hatte, begann es mir Spaß zu machen.

Ich verliebte mich in das Spiel. Das ist gut, denn wenn man nicht liebt, was man tut, nutzt das ganze verdiente Geld gar nichts.

PL: Du hattest zahlreiche Jobs damals. Welcher war der schlimmste? Welcher der aufregendste?

repoman
Repo Man - Im Leben noch härter als im Film.

Laak: Eigentlich war das ein- und derselbe Job. 14 Tage Spaß und dann namenloser Terror: Repo-Man [dt.: Autoeintreiber, d. Red.].

Zuerst hat es Spaß gemacht, Autos zu klauen, so nennen die Eintreiber das nämlich, obwohl es natürlich legal ist.

Aber dann zeigte sich, dass 92% des Jobs aus Suchen bestehen. Dann 4% Überlegen, wie man an die Karre herankommt, und schließlich 4% Mitnehmen des Autos, und das ist ja der aufregende Teil.

Ich merkte erst zu spät, wie gefährlich der Job ist. Einmal waren wir in San Diego. Wir hatten ein Auto 50 Meilen weit in der Wüste aufgespürt … ehrlich Mann, es sah da aus wie in „Breaking Bad“. Als ob die im Keller ein Crystal Meth Labor hatten, wirklich abgefahren.

Ich bin also quasi der Lehrling, und mein Meister will das gesuchte Auto aufmachen, einen alten Pick-up aus den 1950er Jahren.

Aber keiner seiner Schlüssel passt, und dann fängt dieser Hund an zu bellen, und plötzlich kommt ein Typ aus dem Haus. Das war der furchtbarste Moment in meinem Leben.

Ok, vielleicht der viertfurchtbarste Moment. Da kommt also dieser Typ mit einer abgesägten Schrotflinte auf uns zu. Er sah aus wie … sagen wir, als ob er sie schon mal benutzt hatte.

Und mein Chef? Er grinste mich an und sagte: „Keine Sorge.“

Der irre Typ fängt an zu brüllen. Er schlägt mit seiner Schrotflinte das Fenster ein, hält das Gewehr meinem Chef an den Kopf und sagt „du hast drei Sekunden, dann drücke ich ab“. Ich saß daneben auf dem Beifahrersitz.

Ich sage dir, das war kein Bluff, der Kerl war verrückt. Wir springen also aus dem Auto und rennen die Straße hinunter. Inzwischen waren die Kumpels von dem Typen auf die Veranda und warfen Steine nach uns. Ziemlich große Steine.

Tja, das war mein letzter Arbeitstag in dem Job. Ich fragte meinen Chef, wie oft so etwas passierte, und er sagte „einmal pro Monat“. Man sollte meinen, er hätte das früher erwähnen können.

Phil Laak
Aus der Matrix ausbrechen.

Aber insgesamt war es sehr spannend. Damals habe ich auch Skip Tracing gelernt, das heißt, jemanden zu finden, von dem man nicht weiß, wo er sich aufhält, und mit dem man nicht in Kontakt treten kann.

Man denkt sich also Geschichten aus und behauptet, ein Verwandter zu sein oder sowas, bis man herausbekommt, wo und mit wem der Gesuchte abhängt.

Dann war ich kurzfristig Day Trader, mit Hedge Funds und dem ganzen Zeug. Ich habe mich auch mit C++ beschäftigt und wollte Spieleentwickler werden, Programmierer. Dann ging ich in die Finanzbranche.

Ich wollte immer mit meinen geistigen Fähigkeiten das System schlagen, aus der Matrix ausbrechen. Keinen Bock auf ein Leben, in dem man den ganzen Monat malocht, die Rechnungen bezahlt und dann noch acht Dollar übrig hat.

Also begann ich mit Aktien zu experimentieren. Eine Weile hatte ich meinen eigenen Hedge Fonds. An dem waren insgesamt vielleicht 20 Leute beteiligt.

Nach einer Weile realisierte ich jedoch, dass ich besser mit meinem eigenen Geld spekulieren sollte als mit dem von anderen. Ich gamble gern, das macht Spaß. Aber ich wollte nicht das Geld von Freunden oder Familie riskieren.

Am Ende war es mein Kumpel Antonio, der mich dazu brachte, die ganze Geschichte mit Day Trading und Wall Street aufzugeben.

Ich fuhr überall hin und spielte. Paris, London, Wien, Costa Rica, Atlantic City, Los Angeles, Las Vegas.

Antonio rief mich alle paar Tage aus San Jose in Kalifornien an, aus dem Bay 101, um genau zu sein. Einer der wenigen Orte, die ich bei meinen Reisen rund um den Globus ausgelassen hatte.

Antonio erzählte mir, wie viel Geld er gewann, es waren unglaubliche Summen. Schließlich sagte ich:

Antonio Esfandiari
Antonio Esfandiari und das Gehemnis von Bay 101.

„Pass auf, ich komme für eine Woche. Ich spiele jeden Tag zehn Stunden, und dann werden wir ja sehen.“

Das Bay 101 war das am besten gehütete Geheimnis der Pokerwelt. Es gab rund 30 Spieler, alle qualitativ zwischen schlecht und hoffnungslos, und dann vielleicht drei Shark-Typen.

Am ersten Tag gewann ich $15.600. Das war damals die größte Summe, die ich je mit Poker gewonnen hatte. Im Lauf der Woche gewann ich rund $35k.

PL: Du warst ja auch ein Spitzen-Backgammonspieler. Gibt es da Gemeinsamkeiten?

Laak: Die beiden Spiele sind vollkommen gegensätzlich. Backgammon ist genau wie Billard, Schach und Go ein Spiel mit vollständigen Informationen. Poker ist das nicht.

Trotzdem wird man natürlich in beiden Spieler durch Übung besser. Gewisse Muster treten bei beiden Spielen auf.

Beide Spiele haben viel mit Mathematik, aber auch mit Kunst zu tun. Backgammon kann man gut spielen, ohne eine einzige Berechnung anzustellen. Das geht meiner Meinung nach auch bei Poker.

Poker trainiert das Reptil in dir. Bei Backgammon gibt es immer einen optimalen Spielzug, da braucht man den Gegner nicht zu lesen. Aber bei Poker sind Reads wichtig.

Man kann von der üblichen Spielweise abweichen und trotzdem gewinnen, selbst wenn man keine guten Karten bekommt. Das geht bei Backgammon nicht.

PL: Lieber No Limit oder PLO?

Laak: Ich mag Pot Limit lieber, bin aber in No Limit besser. Ich mag das, wenn Leute schnell ihr Geld riskieren wie in PLO. Wenn sie all-in sind und dann gebannt auf das sich entwickelnde Board starren.

PLHE und PLO sind für mich eine Versicherung gegen meinen eigenen Wahnsinn. Trotzdem spiele ich lieber NLHE, weil ich mich gerne der Herausforderung aussetze, mein Alter ego unter Kontrolle zu halten.

PL: Hat sich Poker positiv oder negativ entwickelt?

Laak: Beides. Es ist heute schwieriger, weil es mehr gute Spieler gibt, aber es macht mehr Spaß, weil man überall jederzeit Action findet.

phil laak
"Die USA sind der größte Polizeistaat der Welt."

Als ich im Jahr 2000 anfing, gab es vielleicht ein $10k Turnier im Jahr. Es war nicht viel los, und die Casinos ließen die Spieler nicht machen, was sie wollten, und boten nur Limit an.

Also fingen wir insgeheim an, No Limit zu spielen, um die Cash Games ein bisschen aufzupeppen – sagen wir es so, wir haben sehr großzügiges Trinkgeld gegeben.

Heute könnte man so etwas wahrscheinlich nicht mehr abziehen, es wird alles viel zu gut kontrolliert. Aber man kann auf der ganzen Welt spielen oder das Haus gar nicht erst verlassen!

PL: Was ist mit der rechtlichen Situation in den USA?

Laak: Theoretisch sind die USA ein freies Land, aber es ist der größte Polizeistaat der Welt. Es ist zehnmal so schlimm wie Big Brother. Ich liebe Amerika, aber wer will schon, dass die eigenen Emails gelesen und abgespeichert werden?

Manchmal fragen mich Leute, ob WSOP?-Bracelets heute weniger wert sind, weil es die WSOPS in den anderen Ländern gibt. Aber das ist Quatsch.

Wenn ein Unternehmen erfolgreich sein will, muss es expandieren. Es heißt ja nicht die United States Series of Poker. Wieso sollte ich im Vorteil sein, nur weil ich Las Vegas und Los Angeles lebe?

PL: Du bist fasziniert von Telepathie. Glaubst du wirklich, dass du jemandes Gedanken lesen kannst?

Laak:  Also, es fing alles damit an, dass ich mitbekam, wie jemand auf der anderen Seite des Raumes einer Konversation folgen konnte, indem er Lippen las. Das konnte ich kaum glauben.

Also habe ich angefangen zu üben und wurde ziemlich gut. Ich konnte auf 20 Yards Entfernung Lippen lesen.

Dann wurde es aber etwas extrem. Ich dachte, ich könne auch Lippen lesen von jemandem im Nebenzimmer, den ich gar nicht sehen konnte.

Man fühlt sich der Energie so verbunden, dass es etwas Telepathisches hat. Logischerweise hat das auch damit zu tun, dass ich ein bisschen durchgeknallt bin, aber das ist ja ok.

Es passieren eben komische Sachen. Als Nichtraucher nehme ich zum Beispiel niemals Streichhölzer aus einem Restaurant mit. Nur einmal hatte ich das Gefühl, eine Packung mitnehmen zu müssen.

In derselben Nacht fiel der Strom aus, und Jennifer sagte: „Wir brauchen unbedingt Streichhölzer, aber ich kann keine finden.“ Es war surreal.

Oder sagen wir, ich sitze an einem TV-Tisch, und die Zuschauer können meine Karten sehen. Wenn dann alle für meinen Gegner sind und sich darauf konzentrieren, dass er einen Spielzug nicht machen soll, und er macht ihn dann auch nicht, können wir dann mit Sicherheit, sagen, dass es da keine Verbindung gibt?

Ich bin kein Typ, der behauptet, irgendetwas zu wissen, aber es gibt so viel, was wir noch nicht wissen, über das Gehirn, Urinstinkte usw.

PL: Was denkst du heute über deinen Pokerrekordversuch?

Laak: Das war ein Riesenspaß. Ich bin froh, dass ich das gemacht hatte, denn ich hatte nur die eine Chance. Ich hätte noch länger spielen können.

Als ich die 100-Stundne-Marke durchbrochen hatte, wurde es immer einfacher. Nach 110 Stunden wurde mir plötzlich schlagartig klar, dass ich noch zwei Tage lang weiterspielen konnte, und das hat mir wirklich Angst gemacht.

Mein Verstand setzte ein und sagte, mir, dass solche Gedanken wahrscheinlich nicht gut sind. Wenn so etwas immer einfacher wird, ist das ein Warnsignal. Ich hörte auf, weil ich das Gefühl hatte, immer weiter machen zu können.

Heute glaube ich, dass mir das Experiment geholfen hat, ein besserer Mensch zu werden. Ich bin geduldiger, empathischer, einfach smarter.

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Kurt 2014-02-25 05:51:38

Der Typ ist völig irre.