Phil und wie er die Welt sieht

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Phil Galfond hat einen weiteren, umfangreichen Blogpost veröffentlicht. Der Omaha-Spezialist erklärt, was Sie von einem Leben als Pokerprofi erwarten können und ob Sie die notwendigen Voraussetzungen mitbringen.

Galfonds Blog ist bekannt für umfangreiche Texte mit tiefen Einsichten ohne oberflächliches Gerede. Wenn der Wahlkanadier ins Philosophieren gerät, können vor allem junge Spieler etwas lernen. Phil Galfond ist eine Identifikationsfigur für alle Nachwuchsspieler, die vor dem Sprung zum Profi stehen, und eine der wichtigsten Stimmen im amerikanischen Pokerzirkus.

Die zentrale Frage in Galfonds neuestem Post lautet:

Soll ich Pokerprofi werden oder nicht?

Welche Faktoren sind entscheidend und wann ist der richtige Zeitpunkt? Galfond unterscheidet die folgenden Kategorien:

  • Glück
  • Ziele und Werte
  • Kurz- und langfristige Ziele
  • Geld ist nicht alles, aber…
  • In einer fernen Pokerzukunft
  • Meine Philosophie

Sollten Sie sich mit dem Gedanken tragen, eine Karriere als Pokerprofi zu starten, finden Sie hier vielleicht die entscheidende Inspiration.

„Wenn man eine wichtige Entscheidung treffen muss, gibt es oft keine „richtige“ Antwort.“ Phil Galfond

Poker und dein Leben

1. Glück

Phil Galfond über die individuelle Basis

Was will ich? Was sind meine Ziele, was meine Werte? Stell dir diese Fragen und sei ehrlich. Du willst ein erfolgreicher Pokerspieler sein? Warum? Das Geld, der Wettkampf, oder ist es etwas Anderes?

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"Ich möchte ein glücklicher Mensch sein."

Für mich gilt:

1. Ich möchte ein guter Mensch sein und einen positiven Einfluss auf meine Umgebung ausüben. Ich möchte ein guter Freund sein und respektiere die Menschen, mit denen ich umgehe.

2. Ich möchte ein glücklicher Mensch sein. Was ich in meinem Leben haben will, sind Dinge, die mich glücklich machen.

Ok, das sind keine tiefen philosophischen Einsichten, aber diese Sachen sind mir eben wichtig.

Früher fühlte ich mich verpflichtet, mehr online zu spielen, anstatt Zeit mir Freunden zu verbringen. Sonst hatte ich ein schlechtes Gewissen. Heute weiß ich, dass ich in solchen Situationen zwischen zwei Dingen wählen kann, die mich glücklich machen. Das macht alles sehr viel einfacher, auch wenn ich vielleicht nicht immer meinen Profit maximiere.

 

2. Ziele und Werte

Phil Galfond über das, was wirklich zählt

Glück ist ein persönlicher, aber auch sehr allgemeiner Begriff.

Für mich bedeutet Glück funktionierende Beziehungen, Herausforderungen im Beruf, eine gewisse finanzielle Sicherheit und persönliche Freiheit.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was Glück für ihn bedeutet, denn glücklich sein möchte ja schließlich jeder. Wäre jedenfalls komisch, wenn nicht.

Ich empfehle außerdem, eine Liste mit Dingen anzufertigen, die Sie unglücklich machen, und dann daran zu arbeiten.

 

3. Kurz- und langfristige Ziele

Phil Galfond über das Erwachsenwerden

Teenager und Leute unter 25 wissen zwar nicht, was sie mit ihrem Leben anstellen wollen, aber sie wissen alles besser und haben keine Lust, sich von den Älteren sagen zu lassen, was im Leben wichtig ist.

Phil Galfond
"Poker ist ein Job, der sich von allen anderen ziemlich deutlich unterscheidet."

Das Dumme ist nur, die Älteren haben Recht. Menschen verändern sich ständig, und im Rückblich erscheint einem vieles albern, was man früher getan hat.

Wir wissen nicht, was in 20 Jahren sein wird, deshalb macht es Sinn, auf Leute mit mehr Lebenserfahrung zu hören. Sie wissen oft mehr, als man glaubt.

Trotzdem darf man das Heute nicht außer Acht lassen. Wer sich selbst in der Hoffnung den Spaß am Leben nimmt, dass sich das später auszahlen könnte, macht einen Fehler, denn wie gesagt, wir können nicht wissen, was später sein wird.

 

4. Geld ist nicht alles

Phil Galfond über die wichtigsten Faktoren im Alltag

Wer arbeitet, will Geld verdienen. Das ist eine Binsenweisheit. Aber finanzielle Faktoren werden oft vollkommen überbewertet. Man muss seine Arbeit und sein Arbeitsumfeld lieben, um seinen Job gut zu machen.

Poker ist ein Job, der sich von allen anderen ziemlich deutlich unterscheidet. Man steht viel unter Stress, es gibt keine regelmäßigen Arbeitszeiten, keine Gesundheitsfürsorge, keinen Kündigungsschutz, einfach keinerlei Sicherheit.

Online-Poker ist ein einsamer Job. Nicht jeder ist dafür geschaffen. Ein extrovertierter Mensch leidet darunter, den ganzen Tag am Computer zu verbringen.

Man sollte ishc keine Gedanken darüber machen, was der Nachbar denkt, weil man keinen  „richtigen“ Job hat, aber man muss sich überlegen, wie Poker das eigene Leben beeinflusst und das der Menschen, die einem nahe stehen. Poker betrifft nicht nur einen selbst, sondern auch Ehefrauen oder Freundinnen, Familie und Verwandte.

 

5. In einer fernen Pokerzukunft

Phil Galfond über die ständige Arbeit an sich selbst

Arbeitnehmer und Selbstständige bilden sich weiter, um besser in ihrem Job zu werden und interessanter für andere. Damit verschaffen sie sich einen Vorteil gegenüber anderen Arbeitern.

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Wähle deine Freunde sorgfältig aus und kümmere dich um sie. Photomontage: 2+2-Forum.

Poker ist anders. Zwar wird man auch hier jedes Jahr besser, aber die Konkurrenz verbessert sich schneller! – Ich kenne Spieler, die vor ein paar Jahren die High Stakes dominiert haben und jetzt nicht einmal mehr $1/$2 schlagen können.

Man muss auch nach zehn oder 20 Jahren hart an sich arbeiten, sonst wird man überrollt. Auch wenn man eine Zeitlang gut verdient, wird das Spiel nur schwieriger und anstrengender. Niemals kann man sich zurücklehnen, niemals hat man es geschafft und das Spiel geschlagen.

Ich weiß nicht, wie Poker in 20 Jahren aussieht, aber wer diesen Weg einschlagen will, muss sich fragen, ob das langfristig mit den eigenen Lebenszielen, z. B. einer Familie vereinbar ist und ob man auf Veränderungen vorbereitet ist.

Für mich gilt, dass man vielseitig sein muss, einen Plan B benötigt und finanzielle Reserven anlegt.

 

6. Meine Philosophie

Phil Galfond darüber, was einen guten Spieler ausmacht

Du glaubst, dass du es drauf hast? Sehr gut! Sonst wird das nämlich sowieso nichts.

Leider kann man nicht vorhersagen, ob man wirklich gut genug ist. Mit Sicherheit weiß ich aber, dass Spieler, die bescheiden und vorsichtig sind, meistens besser sind als die, die sich selbst überschätzen und zu vorschnell handeln.

Intelligenz ist wichtig, aber nicht alles. Es gibt eine Menge Spieler, die viel intelligenter sind als ich, aber nie über mittlere Levels hinauskommen.

Was man auf jeden Fall benötigt, sind Kenntnisse in Logik, Psychologie und Mathematik bzw. Statistik.

Die entscheidenden Eigenschaften, die ein Pokerprofi mitbringen muss, sind Motivation, Selbstkritik und Selbstkontrolle.

Mein Vorschlag für alle angehenden Profis, die sich nach diesen Überlegungen noch immer für geeignet halten, ist folgender:

Gib nicht einfach die Schule oder das Studium auf. Genau das ist nämlich der erwähnte Plan B (bzw. Plan A!). Behandle Poker als Nebenjob, bis du ganz sicher bist, dass du damit deinen Lebensunterhalt verdienen kannst.

Meine Philosophie lautet:

Verrenne dich nicht bei dem Versuch, dein Leben zu verbessern. Tue jeden Tag etwas, was Spaß macht.

Phil Galfond

Setze dir kurzfristige, erreichbare Ziele, auch solche, die nichts mit Poker zu tun haben. Schreibe etwas, treibe Sport, beteilige dich an Projekten.

Währe deine Freunde sorgfältig aus, aber pflege deine Freundschaften intensiv. Menschen, die gut für dich sind, verdienen deine Aufmerksamkeit.

Schlussbemerkung

Was mich betrifft, es stört mich nicht, dass ich nicht weiß, was kommt. Ob ich den richtigen Weg einschlage, ob es den richtigen Weg überhaupt gibt, ist zweitrangig. Solange ich mich auf die Dinge konzentriere, die für mich wichtig sind, ist der Weg schon richtig genug.

Macht's gut,
Phil

Mehr über Phil Galfonds Pokerbiographie lesen Sie in diesem Artikel.

Den kompletten Blogpost finden Sie hier im Original.

 

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