Phil Galfonds Pokerleben – wie alles begann

Phil Galfond
Bis dahin war es ein weiter Weg.

Der 27-jährige New Yorker Phil Galfond gilt nicht nur als exzellenter Spieler, sondern vor allem auch als einer der wirkmächtigsten Vordenker des modernen Poker. Seine Blogs erreichen auch deshalb immer wieder ein großes Publikum. Nun hat er einen Teil seiner Poker-Biographie niedergeschrieben.

Es scheint, als habe Phil Galfond seinen aktuellsten Blogeintrag lange geplant. Via Twitter ließ er seine Fans wissen, dass er an einem größeren Post arbeite, dass dieser über 5.000 Worte umfasse, und dass er überlege ihn – den Post – wegen seiner Überlänge in zwei Teilen zu veröffentlichen.

Nun ist er raus. Und der PLO-Philosoph Galfond hat in ihm über nichts Geringeres berichtet, als seine ganz persönliche Poker-Biographie seiner Lebensjahre zwischen 18 und 22. Und weil kaum einer so eloquent über Poker berichten kann, wie der 27-jährige New Yorker haben wir sein neuestes Machwerk auf seine Essenz überprüft:

 

Die Anfänge:

Mit 18 Jahren, also 2003, zahlte Phil – damals Student im ersten Studienjahr an der Universität von Wisconsin in Madison – seine ersten 50 Dollar auf einem Poker-Account ein, um anfänglich 10 Dollar Sit n Go`s zu spielen. Laut eigener Aussage habe er damals keine Ahnung vom Bankroll-Management gehabt.

YouTube Phil Galfond WSOP 2010 Main Event Interviews Mozilla Firefox 7152010 25555 AM
"Die dachten, ich sei schwul."

Auf seinem Bankkonto hätten sich außerdem ein paar tausend Dollar befunden, die er vorher in Ferienjobs verdient hätte. Seine Eltern seien zu diesem Zeitpunkt seines Lebens für alle Kosten aufgekommen und so sei es ihm leicht gefallen weitere Dollar fürs Poker zu investieren.

Schon wenige Monate später brachte ein Upswing Galfond auf eine Bankroll von ein paar tausend Dollar. Phil las ein paar Bücher, wurde Mitglied bei 2+2 und fing an sich mit Poker-Software zu versorgen. Einen gut bezahlten Job (17 Dollar die Stunde) an der Uni schlug er zugunsten von Poker aus.

Den Grund für seine entfachte Leidenschaft für Poker beschreibt er so: „Ich war immer ein Wettkampf-Typ. Vorher konnte ich meinen Ehrgeiz in meinem Football-Team ausleben. Doch wir waren sehr schlecht. Beim Poker war ich auf mich alleine gestellt. Und mir machte es einfach Spaß, meine Gegner schlecht aussehen zu lassen.“

 

Universitätsleben:

Hinsichtlich seines weiteren Poker-Werdegang berichtet Phil: „Poker wuchs sich schnell zu einer Obsession aus. Ich wohnte mit zwei Mädchen in einer Studentenbude. Die dachten, ich sei schwul, wie ich nie ausging und immer nur vor meinem Computer hockte. Aber ich bin ein introvertierter Typ. Ich genoss das Alleinsein. Und ich verdiente, ohne dass es jemand wusste, ein Vermögen.

Dann kümmerte ich mich um einen neuen Schlafplatz und traf Caroline und Shannon. Mit ihnen hatte ich die besten Jahre an der Uni. Wir wohnten drei Jahre zusammen und sind bis heute enge Freunde.“

An der Uni entschied sich Phil für Philosophie. „Ich hatte keine Ahnung, was ich damit anstellen konnte. Aber es war interessanter als alle anderen Fächer, mit denen ich mich beschäftigt hatte. Ich war schon vorher so etwas, wie ein Leistungsverweigerer. Meine Mutter sagte mir später einmal, dass sie mich hätte härter ran nehmen müssen, aber ich hätte in der Schule eben immer mit Bestnoten geglänzt.“

 

Die Poker-Prüfung:

Seine Jahre zum Poker Profi fasst Phil Galfond so zusammen: „50 Prozent meiner Zeit schlief ich. 40 Prozent verbrachte ich mit Pokerspielen, fünf Prozent mit Freunden und fünf Prozent an der Uni. Ich lavierte mich erfolgreich durchs Uni-Leben. Ich spielte mittlerweile die 50 Dollar Sit-n-Go`s und begann mir einen Namen in der bei 2+2 langsam entstehenden Community zu machen.

phil galfond
"Es machte mir Spaß, meine Gegner schlecht aussehen zu lassen."

Auch im realen Leben wurde Poker zu einer Art Lebensmittelpunkt. Ich traf Leute, die sich dafür interessierten und die es dank meiner Hilfe schnell auf ein erstaunliches Niveau brachten. Damals merkte ich, dass eine meiner Stärken im Coaching liegt.“

 

Die Pro-Karriere:

An seinem 21. Geburtstag traf Phil Galfond eine wichtige Entscheidung. Vorher hatte er viel Zeit für eine universitätsnahe Firma aufgewandt. Doch dann kaufte er sich in zwei $10k-Live Events in Tunica, Mississippi ein. „Meine Bankroll betrug zu diesem Zeitpunkt 100.000 Dollar. Die Buy Ins waren also keine kluge Entscheidung. Aber ich wollte mich endlich mit den Typen aus dem Fernsehen messen.“ Phil bustete in beiden Turnieren früh, entschied sich aber soviel Zeit wie möglich zu grinden, um weiterhin an diesen Turnieren teilnehmen zu können.

 

Auf nach Vegas:

Nach seinen ersten Live-Erlebnissen trat Phil an der Uni mächtig auf die Bremse, ohne dabei aber seinen Abschluss zu gefährden. Und er entschied sich für eine erste Reise nach Las Vegas. Dort traf er ebenfalls erstmals mit seinen bis dato virtuellen Freunden vom 2+2 Forum zusammen. Online hießen sie Raptor517, g0od2cu, theUsher, Apathy und Daliman.  In Wirklichkeit Dave Benefield, Andrew Robl, Alan Sass, Peter Jetten und John Daliman.

„Kurz darauf spielte ich das erste Mal bei der PCA. Und wie in Vegas merkte ich schnell, dass ich als Sit n Go-Spieler einige unübertreffliche Fähigkeiten erworben hatte. Ich hatte gelernt die ersten billigen Levels tight zu spielen und meine Gegner zu studieren. In der späteren Phase hatte ich dann eine sehr genaue Ahnung von der Card-Range meiner Mitspieler. Und genau diese Skills baute ich immer weiter aus.“

Las Vegas Strip horiz
"Spielers Traum."

Cash Games:

Doch Phil Galfond wollte sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Schon kurz nach der PCA 2007 betrat er auf Rat von seinem Poker-Buddy Peter Jetten die bis dahin unbekannte Welt der Cash Games. „Er sagte, dort sei weit mehr Geld zu verdienen, als in irgendwo sonst. Und er hatte Recht. Die Games waren wirklich soft zu der Zeit und ich war an den $5/ $10 6max.-Tischen schnell bei einem durchschnittlichen Gewinn von 5 Big Blinds auf 100 Hände. Dann heuerte ich zwei Coaches an.

Emil Patel trainierte mein Preflop Game. Aber die wirkliche Bereicherung war Tommy Angelo. Er brachte mir nicht bei, wie ich Poker spielen soll, sondern wie ich ein Pokerspieler werde. Auf diese Aspekte hatte ich bisher keinen Wert gelegt. Tommy brachte mir bei, mehr zu sein, als eine Theorie-Maschine. Erst das hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Nach meinen Trainingsstunden mit Tommy war ich bereit für meine erste WSOP.“

Die Fortsetzung seiner Poker-Biographie hat Phil Galfond für die nächsten Tage angekündigt. Was genau er dann zu berichten weiß, erfahrt ihr hier.

 

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