Peter Eastgate - „Ich war süchtig, ein degenerierter Zocker, aber irgendwann hatte ich es satt“

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Peter Eastgate in Georgien. Photo: Dirk Oetzmann.

Nach einer längeren Auszeit vom Poker nahm der Gewinner des WSOP Main Event 2008, Peter Eastgate, überraschend an der WSOP Georgien teil. Was treibt der Däne, der lange von der Bildfläche verschwunden war, aber immer noch der größte Gewinner seines Landes ist?

Es ist schon eine Weile her, seit Peter Eastgate zuletzt ein Pokerturnier gespielt hat. Seinen letzten Cash holte er 2013 beim berühmt-berüchtigten ISPT-Turnier im Wembley-Stadion.

Was ist mit dem Spieler passiert, der 2008 Weltmeister wurde und vermutlich das größte ungeteilte Preisgeld in der Pokergeschichte gewann – denn er hatte im Gegensatz zu Jamie Gold (WSOP 2006, $12 Millionen), Antonio Esfandiari (ONE DROP 2012, $18 Millionen), wahrscheinlich Dan Colman (BIG ONE 2014, $15 Millionen) und höchstwahrscheinlich Martin Jacobson (WSOP 2014, $10 Millionen) keine Anteile verkauft.

Peter Eastgate: Außer bei einigen zufälligen Gelegenheiten habe ich in den letzten sechs Jahren so gut wie kein Poker mehr gespielt.

Was ich so treibe? Nicht viel. 2013 zog ich von London wieder zurück nach Dänemark, um dort Biomedizin zu studieren.

Leider fiel ich durch alle vier Prüfungen und konnte das Studium nicht fortsetzen. Ich gab mir wirklich große Mühe, habe es aber einfach nicht geschafft.

Seit 2014 lasse ich mich ziemlich treiben, so wie in den dreieinhalb Jahren, bevor ich wieder an die Uni zurückkehrte.

Mir ist nicht langweilig. Wenn man so viel Zeit mit sich selbst verbracht hat wie ich, wird einem nicht mehr langweilig. Von außen betrachtet sieht es aber sicher so aus.

Ich weiß, dass ich so nicht mein ganzes Leben verbringen kann. Ich muss mir Ziele setzen und herausfinden, was meine Leidenschaft ist.

Ich bin nicht unzufrieden mit meiner Situation, würde aber auch nicht sagen, dass ich glücklich bin. Im Endeffekt liegt es an mir, meine Situation zu verändern.

Da ich keine finanziellen Sorgen habe, kann ich mich nicht beschweren. Ich habe kein spezielles Interesse, aber ich weiß, dass ich eines finden muss, sonst werde ich das später bereuen.

PL: Das heißt, du hast wieder mit dem Pokerspielen aufgehört?

PE: Ja. 2010 habe ich mich etwa acht Monate vom Poker zurückgezogen und danach zwar wieder ein paar Turniere gespielt, aber das war es dann auch. Man kann sagen, dass ich seit Sommer 2010 aufgehört habe.

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Weltmeister Peter Eastgate - "degenerierter Zocker".

PL: Vor einigen Jahren hast du uns erzählt, du hättest eine Menge Geld mit Sportwetten verloren.

PE: Ja.

PL: Wettest du noch?

PE: Nein.

PL: Da du keine finanziellen Sorgen hast, scheinst du nicht alles verloren zu haben.

PE: Ich habe definitiv nicht mein ganzes Geld verloren. Ich bin finanziell unabhängig und führe mittlerweile einen ziemlich normalen Lebensstil.

Ich gebe so viel Geld wie jeder Durchschnittsbürger aus, und daher reicht mein Geld für die nächsten 70 oder 80 Jahre.

Ich führe kein Luxusleben, das empfinde ich auch nicht als sonderlich reizvoll. Zum Beispiel habe ich kein Auto, da ich keins brauche.

In dem dänischen Ort, in dem ich lebe, kann ich problemlos überall hin radeln.

Da ich keine hohen Ausgaben habe, lebe ich ziemlich günstig.

PL: Wie kommt es, dass du nach so langer Abstinenz an der WSOP in Georgien teilnimmst?

PE: Adjarabet hat über einen Freund Kontakt mit mir aufgenommen, und so kam es, dass ich ein paar Tage in Georgien verbringe und Poker spiele.

PL: Ist das Peter Eastgates Comeback?

PE: Ein kleines. Ich nahm am Main Event teil und schied gegen einen Georgier aus, der ein Set floppte. Ich ging auf dem River mit Sieben hoch All-In, und er hatte da einen ziemlich einfachen Call.

Jetzt spiele ich Cashgames. Ich spiele $1/$2, also deutlich niedriger als früher.

PL: Der ehemalige Weltmeister spielt $1/$2?

PE: Mir macht es Spaß, auch wenn das Geld vermutlich nicht mein Leben verändern wird.

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Viktor Blom - "nichts interessiert mich weniger."

PL: Verfolgst du noch, was in der Pokerszene passiert?

PE: Ein wenig. Schaut man sich die Gewinne von Spielern an, weiß man nie genau, wie viel ihnen davon wirklich gehört. Ich würde es gern genauer wissen.

Mich würde interessieren, wie sich die Ergebnisse auf den einzelnen Spieler auswirken, wie hoch seine Bankroll ist, wie viel Geld er ausgibt, was sein Nettoeinkommen ist. Leider bekommt man diese Informationen aber nicht.

Ich mache mir deshalb keine großen Gedanken, wenn jemand fünf Turniere in Folge gewinnt. Das macht für mich keinen Unterschied.

Höre ich zum Beispiel, dass Viktor Blom am einen Tag $300.000 gewinnt und am anderen $200.000 verliert, ist das so, als würde ich den Verlauf einer Aktie verfolgen, die mir nicht gehört.

Mir fällt nichts ein, das mich weniger interessiert.

PL: Was hältst du davon, eine WSOP im Nahen Osten auszurichten?

PE: Da die Leute hier Poker lieben, ist das eine sehr gute Idee. Die Turniere sind gut besucht, und der Turniersaal ist das Spektakulärste, was ich außer dem Wembley-Stadion je erlebt habe.

PL: Adjarabet hat dich eingeladen. Schließt Ihr einen Sponsorenvertrag ab?

PE: Sie behandeln mich gut und sie sind Marktführer in Georgien, aber eine längere Zusammenarbeit ist nicht geplant.

PL: Fehlt dir Poker?

PE: Als ich vor zehn Jahren anfing, glaubte ich, dass ich bis zum Ende meines Lebens weiterspielen würde. Wenn andere Spieler mir erzählten, dass sie genug Geld verdienen wollten, um unabhängig zu sein, und dann aufhören, konnte ich sie nicht verstehen.

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Ein Leben in Luxus ist nicht besonders reizvoll.

PL: Exakt das hast du dann aber selbst getan.

PE: Genau. Um 2010 begriff ich, dass ich alles erreicht hatte, was ich wollte. Ich war auf dem Gipfel angekommen.

Ich war es leid, dass meine Stimmung so sehr von meinem Abschneiden am Pokertisch abhing. Am schlauesten wäre es vermutlich gewesen, wenn ich weitergespielt hätte, ohne mein eigenes Geld zu riskieren. 

Ich war süchtig, ein degenerierter Zocker, aber irgendwann hatte ich es satt. Hier in Georgien spiele ich gern, aber nach meiner Rückkehr werde ich wieder aufhören.

Ich habe noch Freunde in der Pokerszene, mit denen ich in Kontakt stehe, aber ich habe kein Verlangen mehr danach, stundenlang am Pokertisch zu sitzen.

Nach diesem Aufenthalt werde ich wieder zu meinem ruhigen Leben zurückkehren.

Ich finde, dass ich sehr viel Glück hatte. Ich hätte einen großen Downswing haben und einen großen Teil meiner Gewinne verlieren können, aber das ist nie passiert.

Ich bin vermutlich durchschnittlich intelligent und ich habe keine besondere Eigenschaft, derentwegen ein derartiger Gewinn vorgezeichnet war.

Ich wurde einfach nur zur richtigen Zeit geboren und stieg zur richtigen Zeit in das Spiel ein.

 

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Eva 2016-05-02 13:56:22

Das ist echt traurig, wenn man süchtig wird. Aber ich denke, wenn man ein normales Spielverhalten hat und das Zocken als Hobby sieht, ist alles gut!