Adelson, al-Qaida, New Jersey – Online-Poker ohne PokerStars

new jersey
Online-Poker? Diese Richtung!

Wer reguliert wen? Online-Poker auf Amerikanisch, mit Finanzmoguln und Terrorwarnungen, aber ohne den Marktführer.

Während in New Jersey die letzten Vorbereitungen für den heutigen Neustart von Online-Gambling in den USA laufen, erreicht uns heute die gesicherte Meldung, dass PokerStars nicht mit von der Partie sein wird.

Eric Hollreiser, Head of Communication bei PokerStars, teilte dies via Twitter mit.

Keine Lizenz für PokerStars

Ob dies nun dramatische Auswirkungen auf die Online-Pokerlandschaft der Zukunft hat, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Alex Dreyfus, CRO von Zokay Entertainment und Chef beim Global Poker Index, erläutert kürzlich in einem Blogeintrag sehr anschaulich, dass die fehlende Lizenz für PokerStars kein großer Verlust ist.

New Jersey wird geschätzte 100 Mio. Dollar Revenue pro Jahr generieren. Für PokerStars mit einem geschätzten Jahresrevenue von 1,5 Milliarden Dollar sind das Erdnüsse, selbst bei einem Marktanteil von 40%.

alex dreyfus
Alex Dreyfus.

Außerdem, so Dreyfus, wird es noch Jahre dauern, bis die anderen Staaten nachziehen, und früher oder später wird auch PokerStars eine Lizenz bekommen.

Schließlich hat man gerade erst über 700 Mio. Dollar bezahlt, um sich mit dem DoJ zu einigen.

Andererseits gibt es auch Stimmen, nach denen in den kommenden 2-3 Jahren mindestens zehn weitere Staaten reguliert werden, und das würde PokerStars dann natürlich schon zu spüren bekommen.

Zur Erinnerung: PokerStars erhält die Lizenz nicht, weil sie nach Einführung des UIGEA sich nicht aus dem amerikanischen Markt zurückgezogen haben.

Im Gegensatz zu Anbietern wie dem früheren Marktführer PartyPoker und 888poker, die sich schon längst in Stellung gebracht haben und dem Startschuss nun nach Erteilung der Lizenz entgegenfiebern.

Störfeuer von rechts

Sheldon Adelson hat angekündigt, eine große Kampagne gegen Internet-Gambling im Allgemeinen und Online-Poker im Besonderen zu starten.

Adelson ist Besitzer der Sands-Casinos und einiger weiterer Resorts. Außerdem ist er Initiator des Megaprojekts EuroVegas in Spanien und eines riesigen Resorts auf einem taiwanesischen Inselarchipel.

Einerseits zeigt das, dass seine Initiative nicht ganz uneigennützig ist. Sein Argument, Online-Gambling fördere Spielsucht und dagegen müsse man vorgehen, ist ein offensichtlicher Vorwand, den niemand ernst nimmt.

Auf der anderen Seite ist Adelson ein mächtiger Mann, und laut Forbes einer der 20 reichsten weltweit. In Taiwan hat er einfach die gesamte Bevölkerung der Insel bestochen, auf der er bauen will, und in Spanien haben sie sogar Gesetze nach Adelsons Willen geändert.

adelson eurovegas
Sheldon Adelson mit EuroVegas-Modell.

Der Finanzmogul wird ohne Weiteres einige Millionen Dollar ausgeben, um seine Kampagne aufzubauen, wir dürfen uns also auf einige schmutzige Fernsehspots und Anzeigen gefasst machen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Adelson finanziell so stark engagiert. Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfs in den USA führte er Newt Gingrich fast im Alleingang bis kurz vor die Kandidatur.

Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, dass Adelsons Vorstoß auch Vorteile für die Regulierung des Online-Markts hat.

Nun nämlich ist die Politik gezwungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, dass ansonsten im amerikanischen Senat nur unter ferner liefen behandelt wurde.

Jedes Argument, dass Adelson gegen Internet-Gambling vorbringt, funktioniert nämlich auch als Argument gegen reguliertes Onternet-Gambling, „ob Adelson das gefällt oder nicht“, wie der OPR treffend festgestellt hat.

Somit wird Adelsons Kampagne vor allem auch die Vertreter der Regulierung stärken, denn die sehen gegen Adelsons verbale Ausfälle plötzlich auch aus wie die Vertreter der Vernunft.

Und die Diskussion ist bereits angelaufen. Mit Delaware und Nevada haben bisher zwar nur zwei Staaten eine Form der Legalisierung gefunden, die ebenfalls nur kleine Marktanteile bedeuten, aber auch in Kalifornien, Florida und im Staat New York liegen Pläne auf dem Tisch.

Apropos.

Hysterie in Florida

Wie so eine Schmutzkampagne aussehen kann, zeigt ein Artikel in der Tampa Bay Times aus Florida.

killertomaten
Noch schlimmer als Killertomaten: Online-Poker.

Dort beschreiben die beiden Autoren, dass eine Öffnung des Online-Markts vor allem Drogenhändlern und der Al-Qaida in die Hände spielen würde.

Diese nämlich würden nur darauf, mittels Online-Poker schmutzige Gelder zu waschen. Obwohl diese Gefahr natürlich gegeben ist, darf man jedoch bezweifeln, ob dies die hauptsächliche Folge einer Regulierung wäre.

Und gerade die Taliban sind ja nicht zuletzt wegen ihrer religiösen Ansichten per se Grinder vor dem Herrn (nicht vor DEM Herrn, vor dem anderen Herrn).

Dinge wie diese werden wir in nächster Zeit also häufiger zu lesen bekommen.

Fazit

Mit der Öffnung in New Jersey, Delaware und Nevada ist eine Entwicklung losgetreten worden, die sich nicht mehr aufhalten lassen wird, auch nicht von einem Sheldon Adelson, der sowieso nur seine eigenen Interessen im Blick hat.

Diese drei Staaten haben die Regulierung zwar hauptsächlich vorangetrieben, weil sie finanziell klamm sind und sich zusätzliche Einnahmen versprechen, aber wenn sich diese erst einmal einstellen, werden andere folgen.

Kein Argument ist dem finanziellen gewachsen.

Die Spieler in den USA warten schon lange sehnsüchtig darauf, wieder von ihren PCs aus ins Geschehen eingreifen zu können, ein Scheitern von reguliertem Online-Gambling ist daher allenfalls dann denkbar, wenn wie in Frankreich astronomische hohe Abgaben verlangt werden.

Initiativen wie die von Adelson dürften die Entwicklung eher beschleunigen als abbremsen, und das heißt: Wir stehen vor einem neuen Pokerboom. Heute Abend geht’s los.

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