Die großen Onlinepoker-Challenges (2) – Bankroll-Management mit Jesus

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30 September 2014, Von: PokerZeit.com
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Die großen Onlinepoker-Challenges (2) – Bankroll-Management mit Jesus

Jeder fängt mal klein an. Im Jahr 2006, als Chris Ferguson noch Jesus war, machte er sich auf, ein Vermögen zu verdienen, ohne dafür eigenes Geld zu riskieren. Okay, das hört sich heute etwas zweideutig an.

Das Ziel seiner Challenge war, 10.000 Dollar zu erspielen, und das bei einem Grundeinsatz von überhaupt nichts. Und dann auch noch gemäß strengem Bankroll-Management.

Challenge: von $0 auf $10.000 nach strengen Bankroll-Management-Regeln

Spieler: Chris Ferguson (USA)

Datum: März 2006 bis September 2007

Der später schwer in Verruf geratene Chris „Jesus“ Ferguson war 2000 Gewinner des WSOP-Main Events und Mitgründer der Online-Pokerseite FullTilt-Poker, die 2004 an den Start ging.

Der Spieltheoretiker wollte sich mit seiner Challenge beweisen, dass man ohne Einsatz von Geld und nach strengen Bankroll-Management-Regeln eine Bankroll von $10.000 aufbauen konnte.

Mit seiner Challenge inspirierte der Spieltheoretiker eine ganze Spielergeneration. Über den Beginn seiner Challenge sagte Ferguson:

„Für die zehn 100 Dollar-Freerolls, die FullTilt damals anbot, musste ich mir wirklich den Wecker stellen. Man hatte immer nur neunzig Sekunden Zeit, um sich einzuschreiben. Spieler, die mich damals erkannten, müssen mich für völlig beknackt gehalten haben.

full tilt hamburg
Full Tilt Million Euro Challenge 2009 in Hamburg.

Aber ich habe das todernst genommen. Immerhin war das wichtigste Element meiner Challenge, Startgeld aus den Freerolls zu bekommen. Ich habe manchmal hinter meinem Rechner gesessen und geschwitzt und gebetet, ‚schmeiß weg, schmeiß weg‘. In einem Freeroll.

Ich habe ein paar Wochen gebraucht, bis ich meine ersten zwei Dollar gewonnen hatte. Und dann habe ich erstmal drei Tage überlegt, wo ich die am besten investiere.

Am Ende war es NLHE Cash Game $0,05/$0,10, was gerade mal 20 Big Blinds bedeutete. Am Ende stand ich nach einem verlorenen Coin Flip wieder mit leeren Händen da.“

Mit der Zeit bekam er allerdings den Dreh mit den Freerolls raus. Er cashte etwa in jedem zehnten davon, was bei einer Spielzeit von durchschnittlich 90 Minuten einem Gewinn von ca. 14 Cent pro Stunde entsprach.

Der Schlüsselmoment der Challenge war laut Chris Ferguson sein zweiter Platz für $104 bei einem ein Dollar-Turnier.

Damit legte "Jesus" zwar die Basis für einen erfolgreichen Abschluss seiner Challenge, gab aber später zu, dass Turniere für ein strenges Bankroll-Management reines Gift seien.

Ursprünglich hatte Ferguson geplant, in den ersten sechs Monaten die $100-Grenze zu durchbrechen und nach weiteren sechs Monaten die finale $10.000er Marke.

Trotz größtem Ehrgeiz und einem wöchentlichen Aufwand von zehn Stunden schaffte es Chris Ferguson nicht, wie geplant, innerhalb von sechs Monaten von $100 Dollar auf $10.000 zu kommen, sondern benötigte neun, um das Ziel zu erreichen und die Challenge erfolgreich zu beenden.

Danach stockte der damals 33-jährige Amerikaner seine Bankroll sogar noch bis auf $28.000 auf, was ihm erlaubte, die $25/$50-Tische zu spielen. Dann aber erwischte er einen brutalen Downswing.

„Ich ging runter auf $20.000, dann auf $15.000 zum Schluss auf $10.000. Und auf einmal realisierte ich, dass nun wieder meine Challenge-Regeln griffen.

ferguson
Verschwand später lange im Nebel - Chris Ferguson.

So musste ich also wieder runter auf $5/$10 und später sogar auf $2/$4. Doch ich konnte mich einfach nicht mehr motivieren.“

Dennoch bewies Chris Ferguson, dass es möglich ist, aus nichts $10.000 zu machen, wenn man das notwendige Durchhaltevermögen besitzt – wenn nötig 18 Monate lang.

Challenge: Regeln und Ziele 

Chris Ferguson stellte für seine Challenge ein paar Regeln auf, die vor allem strenges Bankroll-Management betrafen.

Gespielt wurden anfangs ausschließlich Freerolls, da die Challenge mit null Dollar beginnen sollte. Später durfte er niemals mehr als fünf Prozent seiner Bankroll bei Cash Games oder SnGs riskieren. Bei Turnieren durfte er nie mehr als zwei Prozent der Bankroll eingesetzt werden, bei Rebuy-Turnieren sogar nur 0,5%.

Satellites durfte er nur spielen, wenn auch das Buy-in des Turniers für die Bankroll gepasst hätte.

Hatte er an einem Cash Game Tisch mehr als 10% der eigenen Bankroll gewonnen, konnte der Tisch verlassen und ein Level aufgestiegen werden.

Challenge: Ergebnis 

Investition: 0 Dollar

Zeitaufwand: 10 h/Woche

Zeit bis zum ersten Bankroll-Dollar: vier Wochen

Zeit bis zu $100-Bankroll: neun Monate

Zeit bis zu $10.000-Bankroll: achtzehn Monate

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Die Challenge-Serie

1) ElkY und der SnG-Weltrekord

2) Bankroll-Management mit Jesus

3) Bokus Multimassengrind

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